Fast 350.000 Menschen erhalten vom Staat Sozialhilfe. Der Grund: Sie sind nicht mehr in der Lage, ihrer Arbeit nachzugehen und erhalten von ihrer Versicherung kaum finanzielle Unterstützung. Wenn auch Du davon betroffen bist, kannst Du Sozialhilfe beantragen. Wir verraten Dir, wer Anspruch darauf hat und wie die Antragsstellung funktioniert.

Was ist Sozialhilfe?

Sozialhilfe ist eine finanzielle Leistung des Staates für Hilfsbedürftige. Damit können Menschen unterstützt werden, die ihren Lebensunterhalt nicht aus eigener Kraft bestreiten können.

Was ist der Unterschied zur Hartz IV?

Menschen, die Hartz IV (Arbeitslosengeld II) erhalten, sind grundsätzlich erwerbsfähig. Das heißt, dass sie in der Lage sind, mindestens 3 Stunden am Tag zu arbeiten. Menschen, die Sozialhilfe erhalten, können aus bestimmten Gründen keiner Arbeit mehr nachgehen. Von Erwerbsunfähigkeit ist dann die Rede, wenn Du voraussichtlich mehr als 6 Monate nicht mehr arbeiten kannst.

Sozialhilfe beantragen

Sozialhilfe beantragen: Welche Arten der Sozialhilfe gibt es?

Die Sozialhilfe-Leistungen lassen sich grundsätzlich in 6 verschiedene Bereiche unterteilen.

Hilfe zum Lebensunterhalt

Die Hilfe zum Lebenshalt dient dazu, grundlegende Bedürfnisse finanziell abzudecken. Darunter zählen zum Beispiel Ernährung, Kleidung und Körperpflege. Die Hilfe erhalten Menschen, die länger als 6 Monate nicht mehr arbeiten können, die aber in naher Zukunft wieder erwerbsfähig werden.

Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung:

Mit dieser Art der Sozialhilfe soll der Lebensunterhalt von Menschen abgesichert werden, deren Rente nicht mehr ausreicht oder die dauerhaft nicht mehr fähig sind, zu arbeiten (Erwerbsminderung).

Hilfen zur Gesundheit

In Deutschland hat jeder das Recht auf angemessene Gesundheitsleistungen. Mit den “Hilfen zur Gesundheit” sollen auch einkommensschwache Menschen wichtige Arztbesuche wahrnehmen können, die weder gesetzlich noch privat krankenversichert sind.

Eingliederungshilfe für behinderte Menschen

Diese Art der Sozialhilfe erhalten Menschen, die wegen körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen nicht vollständig am öffentlichen leben teilnehmen können.

Hilfe zur Pflege

Diese Art der Sozialhilfe steht nur Personen zu, die pflegebedürftig sind und ihre Pflegekosten nicht aus eigenen finanziellen Mitteln bezahlen können.

Hilfe zur Überwindung besonderer sozialer Schwierigkeiten

Diese Sozialhilfe ist für Personen vorgesehen, die am Rande der Gesellschaft leben oder unter Integrationsproblemen leiden. Neben finanzieller Unterstützung erhalten betroffene Personen auch persönliche Hilfe.

Hilfe in anderen Lebenslagen

Zu dieser Sozialhilfe zählen Fälle, die sich nicht zu den anderen Bereichen der Sozialhilfe zuordnen lassen. Dazu gehören:

  • Hilfe zur Weiterführung des Haushalts
  • Altenhilfe
  • Blindenhilfe
  • Bestattungskosten Sozialhilfe
  • Hilfe in sonstigen Lebenslagen in Form von Beihilfen oder Darlehen

Alle Leistungen der Sozialhilfe findest Du auch im Sozialgesetzbuch:

Wie wird die Höhe der Sozialhilfe-Leistungen berechnet?

Unterstützung bekommst Du nur, wenn Dein Einkommen und Vermögen nicht reichen, um Deinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Es wird also genau überprüft, wie hoch Deine Vermögenswerte sind und welche Personen in Deinem Umfeld Dich gesetzlich unterstützen müssen, zum Beispiel unterhaltspflichtige Personen.

Hast Du Vermögen, kannst Du erst Sozialhilfeleistungen beziehen, wenn Du es bis zu einem bestimmten Freibeitrag aufgebraucht hast.

Zur Berechnung Deines Einkommens werden folgende Einkünfte mit einbezogen:

  • Einkünfte aus Erwerbstätigkeit, Vermietung, Verpachtung, Gewerbebetrieb, Kapitalvermögen, Unterhaltszahlungen etc.
  • Renten und Einkommen aus zusätzlicher Altersvorsorge
  • Die meisten Sozialleistungen, zum Beispiel Arbeitslosengeld I oder II, Wohngeld, Mutterschaftsgeld, Kindergeld für volljährige Kinder, Krankengeld, Elterngeld

Unterhaltspflicht für pflegebedürftige Eltern

Seit 01. Januar 2020 gilt folgende Regelung: Sobald Kinder mehr als 100.000 Euro brutto im Jahr verdienen, sind sie verpflichtet, ihren Eltern Unterhalt zu zahlen. Jedoch nur dann, wenn sie die Pflegekosten nicht aus eigenen Mitteln stemmen können.

Es ist also möglich, dass das Sozialamt auf Dich zukommt und Einkommensnachweise von Dir verlangt, wenn Deine Eltern Sozialhilfe beantragt haben. Diese Regelung gilt auch für Eltern mit pflegebedürftigen Kindern (Ausnahme: minderjährige Kinder, die bereits Leistungen zur Hilfe zum Lebensunterhalt erhalten). Wichtig: Dies gilt nur für Kinder, aber nicht für Enkelkinder, Geschwister, Cousins, Cousinen, Onkel oder Tanten.

Sozialhilfe beantragen

Ich möchte Sozialhilfe beantragen. Welche Unterlagen brauche ich?

Erst wenn das Sozialamt Deine aktuelle Lebenssituation einschätzen kann und alle notwendigen Nachweise über Deine finanziellen Mittel vorliegen, kann das Sozialamt Deinen Fall unter die Lupe nehmen. Es ist also sehr wichtig, dass Du alle möglichen Unterlagen mitbringst, wenn Du persönlich beim Sozialamt Deiner Stadt oder Gemeinde erscheinst.

Wichtig sind vor allem Dokumente, die Auskunft über Deine persönlichen und finanziellen Umstände geben:

  • Personalausweis oder Reisepass
  • Aufenthaltsgenehmigung bei Ausländern
  • Einkommensnachweise (Lohn- oder Gehaltsabrechnung der letzten 6 Monate)
  • Kontoauszüge (der letzten 3 Monate)
  • Vermögensnachweise über Sparbücher, Aktienfonds, Bausparverträge
  • Nachweise über alle abgeschlossenen Versicherungen
  • Mietvertrag bzw. Unterlagen über Wohneigentum
  • letzte Betriebs-/Heizkostenabrechnung des Vermieters
  • KFZ-Brief
  • Rentenbescheid
  • Kindergeldbescheid
  • Wohngeldbescheid
  • Scheidungsurteil, Unterhaltstitel
  • Schwerbehindertenausweis
  • Sozialversicherungsausweis
  • Schwangerschaftsattest, Mutterpass
  • ärztliche Atteste (z.B. besonderes Essen, Pflegebedürftigkeit)

Sozialhilfe beantragen: So geht’s

Vorab: Dein zuständiges Sozialamt ist Deine Stadtverwaltung, wenn Du in einem Stadtkreis wohnst und das Landratsamt, wenn Du in einem Landkreis wohnst.

 

  1. Antrag auf Sozialhilfe ausdrucken
    Besuche die Webseite Deiner Stadtverwaltung oder Deines Landratsamts und wähle aus, welcher Antrag auf Sozialhilfe für Deine persönliche Situation in Frage kommt. Drucke den Antrag aus.
  2. Antrag ausfüllen
    Fülle alle erforderlichen Felder aus und unterschreibe den Antrag.
  3. Unterlagen heraussuchen
    Suche alle erforderlichen Unterlagen zusammen. Eventuell musst Du für bestimmte Nachweise unterschiedliche Institutionen (Banken, Ämter, Vermieter etc.) kontaktieren.
  4. Unterlagen überprüfen
    Prüfe, ob alle Informationen in den Dokumenten korrekt und aktuell sind.
  5. Besuch beim Sozialamt
    Erscheine persönlich bei Deinem örtlichen Sozialamt und bringe Deine Unterlagen sowie den unterschriebenen Antrag mit.

 

Tipp
Bevor Du persönlich beim Sozialamt erscheinst, ruf am besten vorher an und frag nach, welche Unterlagen Du mitbringen musst.

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