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Freiberufler – Eigenschaften & Besonderheiten

Veröffentlicht am 26 Sep 2016
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Der Weg in die Selbstständigkeit führt in vielen Fällen zu einer Tätigkeit als Freiberufler, beispielsweise als Designer, Schauspieler, Arzt, Hebamme, Künstler, Dolmetscher oder Anwalt. Wenn auch Sie eine Tätigkeit als Freiberufler planen und andere Formen wie ein Kleingewerbe ablehnen, sollten Sie die Gründung gut durchdenken und dann durchstarten.

Was ist ein Freiberufler?

Eine berufliche Selbstständigkeit als Freiberufler ist im vierten Buch des Sozialgesetzbuches (SGB IV) definiert. Mit der Klassifizierung als „freier Beruf“ sind viele Besonderheiten verbunden, die sich auf zahlreiche Bereiche des Wirtschaftens auswirken. Eine wichtige Besonderheit ist, dass die Angehörigen der freien Berufe nicht den Regelungen der Gewerbeordnung unterliegen. Diese ist ein Bundesgesetz und regelt unter anderem das Arbeitsverhältnis, den Arbeitsvertrag, die Anmeldung eines Gewerbes und vieles mehr. Als Freiberufler haben Sie in vielen Bereichen mehr Freiheiten. Der Grund dafür ist, dass Freiberufler per Definition Dienstleistungen „höherer Art“ erbringen, die eigenverantwortlich und unabhängig ausgeübt werden. Sie arbeiten sowohl im Interesse des jeweiligen Auftraggebers als auch im Interesse der Allgemeinheit. Zu den Freiberuflern gehören zum Beispiel:

  • Ärzte
  • Ingenieure
  • Juristen
  • Steuerberater

Rund eine Million Menschen arbeiten derzeit in Deutschland in freien Berufen. Eine wichtige Standesvertretung für Freiberufler ist der BFB, der Bundesverband der Freien Berufe.

Anmeldung als Freiberufler

Wenn Sie als Freiberufler arbeiten möchten, müssen Sie sich natürlich auch als solcher anmelden. Die Erfassung erfolgt kostenlos durch das zuständige Finanzamt. Dort erhalten Sie einen die steuerliche Erfassung betreffenden Fragebogen, welchen Sie ausfüllen und zurückschicken müssen. Das Finanzamt fordert neben Informationen zur Person (Anschrift usw.) steuerliche Angaben, welche das erwartete Einkommen und Ausgaben als Freiberufler betreffen. Diese Angaben sind nötig, da Umsatzsteuer, Lohnsteuer und Einkommensteuer von jedem Freiberufler gezahlt werden müssen. Ein Gewerbeschein oder eine Gewerbeanmeldung ist für Freiberufler in der Regel nicht nötig.

Für weitere Informationen den Einstieg als Freiberufler betreffend können Sie sich neben dem Finanzamt an zuständige Kammern (z.B. Steuerberaterkammer, Rechtsanwaltskammer) wenden.

Welche steuerlichen und versicherungstechnischen Besonderheiten für Freiberufler gelten

Wenn Sie planen, künftig als Freiberufler zu arbeiten, dann haben Sie sich sicherlich Gedanken über die finanziellen Auswirkungen gemacht. Der wohl wichtigste Unterschied zu den Gewerbetreibenden ist ein steuerliches Detail: Als Freiberufler unterliegen Sie nicht der Gewerbesteuerpflicht. Die Mehrwertsteuer bzw. Umsatzsteuer könnte Sie jedoch auch als Freiberufler betreffen. Viele Angehörige der freien Berufe sind dazu verpflichtet, Umsatzsteuer auf Ihre Leistungen zu erheben und diese abzuführen. Ausgenommen sind jedoch beispielsweise Humanmediziner oder Personen, die im Bereich der Bildung tätig sind. Wenn Sie sich unsicher sind, ob die von Ihnen geplante Tätigkeit umsatzsteuerpflichtig ist, können Sie bei dem für Sie zuständigen Finanzamt nachfragen. Hier hilft man Ihnen in der Regel sehr schnell und kompetent weiter.
Freiberufliche Gründer können sich wie alle Existenzgründer privat Versichern. Es gibt hier allerdings Sonderregelungen, welche die Versicherungen, also Krankenversicherung, Arbeitslosenversicherung usw. betreffen. Freiberufler können grundsätzlich wie gewöhnliche Arbeitnehmer versichert werden, jedoch haben freiberufliche Selbstständige im Gegensatz zu Angestellten meist eine freie Versicherungswahl. Die Krankenversicherung ist auch für Freiberufler pflicht, allerdings können sie zwischen privater und gesetzlicher Krankenversicherung wählen. Ist der Freie Beruf über die Künstlersozialkasse versichert, muss ein geringerer Betrag gezahlt werden.

Kredit für Selbstständige & Unternehmer

Was zu beachten ist, wenn sich Freiberufler zusammenschließen

Vielleicht sind Sie bereits als Freiberufler tätig und haben nun einige Kollegen gefunden, mit denen Sie in Zukunft zusammenarbeiten möchten. Vielleicht möchten Sie auch direkt mit einem Team starten. Hier hat der Gesetzgeber verschiedene mögliche Rechtsformen geschaffen, die Ihnen die berufliche Kooperation ermöglichen. In den allermeisten Fällen handelt es sich um eine Personengesellschaft, wenn mehrere Freiberufler sich zu einer dauerhaften Zusammenarbeit entschließen. Seit dem Jahr 1994 ist es in Deutschland möglich, eine sogenannte Partnerschaftsgesellschaft zu gründen. Als Partner kommen ausschließlich natürliche Personen infrage. Besonderes Augenmerk verdient – wie bei jeder Rechtsform – die Regelung der Haftung. Bei einer Partnerschaftsgesellschaft haftet die Gesellschaft für Handlungen, die die Partner gemeinschaftlich getätigt haben. Darüber hinaus haften in einem solchen Fall aber auch die einzelnen Partner mit ihrem Privatvermögen. Sollte es allerdings zu einem Schaden kommen, der mit der Tätigkeit eines einzelnen Partners verbunden ist (zum Beispiel ein Behandlungsfehler eines Arztes innerhalb einer ärztlichen Partnergesellschaft), so haftet alleine dieser Partner. Somit unterliegen die Partner auch einem gewissen Schutz, wenn nur einer der Freiberufler einen Schaden verursacht. Wenn Sie planen, sich als Anwalt selbstständig zu machen, dann könnten Sie auch über die Gründung einer Sozietät nachdenken. Auch dies ist ein Zusammenschluss von mehreren Partnern, die alle als Freiberufler arbeiten. Bedenken Sie dabei allerdings, dass eine Sozietät sowohl in Form einer GbR als auch in der Rechtsform einer Partnerschaftsgesellschaft aktiv werden kann. Welche Form die am besten geeignet ist, sollte für jeden Einzelfall abgewogen bzw. entschieden werden.

Wo sich Freiberufler bei Fragen rund um die Gründung beraten lassen können

Wenn Sie derzeit mit dem Gedanken spielen, als Freiberufler tätig zu werden, sollten Sie sich idealerweise beraten lassen. Wichtige Anlaufstellen sind die Industrie- und Handelskammern. Hier sind in der Regel Existenzgründungsberater beschäftigt, die sich bestens mit den Fragestellungen auskennen, die Sie in der Gründungsphase bewegen. Von der Finanzierung Ihrer Praxis, Ihres Designer– oder Ingenieursbüros über die passende Rechtsform bis hin zu Fragen zum Marketing für Ihre neue Berufstätigkeit erhalten Sie hier Antworten. Weisen Sie dort darauf hin, in welcher Branche und mit welcher Art von Tätigkeit Sie als Freiberufler aktiv werden möchten und klären Sie idealerweise auch schon vorher, welche Unterlagen Sie mitbringen sollten. Oft macht es zum Beispiel Sinn, Ihren Businessplan – falls vorhanden – zu dem Termin mitzubringen oder diesen vorab per Post oder E-Mail an Ihren Berater zu schicken. Neben den Industrie- und Handelskammern (IHK) können Sie sich auch an die für Ihren Berufszweig zuständige Standesvertretung wenden. So kann Ihnen die Ärztekammer Ihrer Region weiterhelfen, wenn Sie sich als Mediziner niederlassen möchten. Die Apothekerkammer beispielsweise ist bei Niederlassungsfragen von Pharmazeuten eine gute Anlaufstelle.

Wann spezifische Gebührenordnungen und Standesordnungen für Freiberufler gelten

Wie der Aufbau jeder Unternehmung ist auch der Start als Freiberufler mit besonderen finanziellen Herausforderungen verbunden. Sie sollten sich also als Freiberufler nicht nur mit Ihrer eigentlichen Berufstätigkeit auskennen – beispielsweise mit der Behandlung von Patienten in Ihrer Arztpraxis. Es ist auch wichtig, dass Sie die rechtlichen Rahmenbedingungen Ihres Berufsstandes kennen und Ihre Finanzstrategie, die Preisfindung und weitere Finanzfragen daran ausrichten. Zum Beispiel kann die Finanzierung bei Freiberuflern eine große Unbekannte sein. Für einige freie Berufe ist das Entgelt genau festgelegt, das für bestimmte Leistungen berechnet werden darf. Solche Vorgaben sind dann in der sogenannten Gebührenordnung festgelegt, die in den meisten Fällen von der Verwaltungsbehörde erlassen wird. Eine Gebührenordnung gibt es zum Beispiel für Rechtsanwälte – hier ist das Rechtsanwältevergütungsgesetz maßgeblich. Für Ärzte gilt dagegen die sogenannte Gebührenordnung für Ärzte, auch GOÄ genannt.