Gründungsratgeber

Existenzgründung – das sollten Sie beachten

Veröffentlicht am 07 Jun 2016
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Oft steht eine Idee für ein Geschäftskonzept am Beginn einer Existenzgründung; manchmal kann es aber auch der Verlust des bisherigen Jobs oder der Frust über die Vorgesetzten sein, der Menschen von den Vorzügen einer beruflichen Selbstständigkeit überzeugt. Jeder dieser Aspekte kann einen positiven Motivationsgrund darstellen, sofern die Unternehmensgründung gut vorbereitet ist und Sie die notwendigen Fähigkeiten mit sich bringen, um den neuen Berufsalltag als Gründer zu meistern. Zu den Themen, mit denen Sie sich im Vorfeld beschäftigen sollten, gehören unter anderem die folgenden:

  • Sind Sie — beispielsweise durch eine Ausbildung, ein Studium oder praktische Erfahrungen — qualifiziert für die geplante Form der Selbständigkeit?
  • Stehen Sie die Belastungen (auch zeitlich) durch, die eine Gründungsphase mit sich bringt?
  • Sind Sie sich der Unterstützung Ihres sozialen Umfelds gewiss, oder stehen Sie als Existenzgründer alleine da?
  • Sind Sie kaufmännisch “sattelfest”, d.h. trauen Sie sich den finanziellen Part der Selbstständigkeit zu?
  • Haben Sie vor, eine professionelle Beratung in Anspruch zu nehmen?
  • Wollen Sie und Ihr Unternehmen nach dem Start klein anfangen oder gleich groß raus? Benötigen Sie Dinge wie ein Logo, Mitarbeiter, Räumlichkeiten, etc.?

Wichtig zu wissen: Es ist notwendig, dass sich Existenzgründer mit den grundsätzlichen Aufgaben, die mit einer beruflichen Selbstständigkeit verbunden sind, anfreunden können. Sie als Unternehmer tragen vor allem Verantwortung; für Ihren Betrieb, Ihre Mitarbeiter, Finanzen, Marketing, usw. Jedoch muss nicht jeder Existenzgründer sich in allen Bereichen auskennen: es ist grundsätzlich kein Problem, einige Aufgabenbereiche an Dritte abzutreten. So können Sie sich beispielsweise während und nach der Unternehmensgründung von einem Steuerberater und einem Büro für kaufmännische Dienstleistungen bei Steuer- und Buchhaltungsfragen unterstützen lassen und von einer professionellen Beratung profitieren. Sollte Ihr Betrieb weiter wachsen, können Sie auch eigene Mitarbeiter für diese Aufgaben einstellen.

Die nebenberufliche Existenzgründung – eine Sonderform

Wenn Sie beim Start in die Selbständigkeit auf Nummer sicher gehen möchten, könnte auch eine nebenberufliche Existenzgründung für Sie in Betracht kommen. Dies bedeutet, dass Sie parallel zu Ihrer sonstigen Berufstätigkeit auch als Gründer fungieren. Darüber hinaus ist es auch möglich, im Rahmen der Erziehungszeit oder während des Studiums durch eine gleichzeitige Unternehmensgründung etwas Geld dazu zu verdienen. Wichtig ist hierbei, dass Sie im Falle einer weiteren Beschäftigung mit Ihrem Arbeitgeber vorab klären, ob Sie parallel zu Ihrer Anstellung in selbstständiger Form tätig sein dürfen. Derlei Regelungen sind eventuell auch in Ihrem Arbeitsvertrag festgehalten. Wenn Sie sich unsicher sind, lohnt sich gegebenenfalls die Inanspruchnahme einer Beratung durch einen auf das Fachgebiet Arbeitsrecht spezialisierten Juristen. Wenn grundsätzlich nichts dagegen spricht und Sie den Start in die Selbständigkeit neben dem Beruf wagen dürfen, sollten Sie sich über die Konsequenzen bewusst sein: Gründer und Gründerinnen gehen einen Fulltimejob ein, eine große Verantwortung die als zusätzliche Belastung zum eigentlichen Beruf hinzukommt. Man muss sich mit Themen wie Marketing oder Kundenbetreuung auseinandersetzen, mit welchen man vielleicht vorher kaum Berührungspunkte hatte. Auch die Beschäftigung eventueller eigener Mitarbeiter kann sich für einen unerfahrenen Existenzgründer als stressig erweisen. Wer hierfür keine professionelle Beratung in Anspruch nehmen möchte, oder wem die finanziellen Mittel fehlen, der findet hilfreiche Informationen in verschiedenen Handbüchern und Leitfäden.
Wenn Sie der richtige Charakter sind und die Stärke besitzen, ein eigenes Unternehmen mit all seinen Schwierigkeiten zu führen, steht der Gründung nichts mehr im Wege.

Der Businessplan und die Existenzgründung

Wenn Sie sich schon seit Längerem mit einer eventuellen Unternehmensgründung beschäftigen, ist Ihnen das Schlagwort “Businessplan” sicher längst ein Begriff. Ein solcher Plan hilft Ihnen dabei, die Unternehmensgründung strukturiert und nicht allzu überstürzt anzugehen. Wichtige Erfolgsfaktoren und relevante Themen werden hier Schritt für Schritt in einzelnen Kapiteln abgehandelt. Wer entsprechend Arbeit und Mühe investiert und einen stimmigen Plan erstellt, hat optimale Chancen, später auch ein erfolgreiches Unternehmen aufzubauen. Darüber hinaus ist es in den meisten Fällen nicht möglich, externe Finanzierungspartner zu finden oder einen Existenzgründungszuschuss zu erhalten, wenn kein ordnungsgemäßer Businessplan vorliegt. Werden für die Existenzgründung Fördermittel bzw. Hilfen durch Stellen wie die KfW benötigt, wird ebenfalls ein detaillierter Businessplan vorausgesetzt. Eine Förderung wird zudem eher in Ausnahmefällen vergeben. auxmoney ist eine Alternative der Finanzierung der Existenzgründung: ein Businessplan ist hier für den Selbstständigenkredit nicht nötig.

Kredit für Selbstständige & Unternehmer

Rechtliche Fragen rund um die Selbstständigkeit

Die Gründung eines Unternehmens ist auch mit vielen Rechtsfragen verbunden. Sie sollten also in jedem Fall vor dem Start in die Selbstständigkeit eine Beratung durch einen erfahrenen Juristen oder Steuerberater in Anspruch nehmen, um handwerkliche Fehler prophylaktisch auszuschließen. Eine der wichtigsten Fragen in diesem Zusammenhang ist die Wahl der Rechtsform. Da mit dieser Entscheidung unter anderem auch wichtige haftungsrechtliche Aspekte verbunden sind, ist die Entscheidung für eine adäquate Rechtsform essenzieller Erfolgsfaktor. Darüber hinaus müssen je nach Rechtsform unterschiedliche Geldmittel vorhanden sein, um eine ordnungsgemäße Gründung durchführen zu können.

Für die kaufmännischen Aufgabenstellung der Gründung gewappnet sein

Obgleich bei einer Existenzgründung sicherlich die fachlichen Kompetenzen der jeweiligen Branche entscheidend sind, dürfen auch die unternehmerischen Tätigkeiten nicht vernachlässigt werden. Viele Gründer geraten schnell in Schwierigkeiten, obwohl die Geschäftsidee stimmt und ein potenzieller Markt vorhanden wäre. Die beste Dienstleistung und das beste Produkt nützt Ihnen als Unternehmer im Zweifelsfall wenig, wenn Sie damit zwar Umsatz generieren, aber keinen Gewinn machen. Hier können Grundkenntnisse im kaufmännischen Bereich von entscheidender Hilfe sein. Sollten Sie eine Unternehmensgründung planen, aber noch nicht über hinreichende Kenntnisse in puncto Buchhaltung, Kennziffern usw. verfügen, sollten Sie aber nicht gleich das Handtuch werfen. Beispielsweise bieten Industrie-, Handels- und Handwerkskammern Informationen dazu, wann die nächsten Veranstaltungen und Kurse für Existenzgründer stattfinden. Anschließend heißt es – und das für die gesamte Dauer Ihrer Geschäftstätigkeit – “dran bleiben”. Ein Selbstständiger, der seine Buchhaltungsunterlagen immer auf dem neuesten Stand hält und die Zahlen richtig interpretieren kann, hat einen wichtigen Erfolgsfaktor für das Unternehmen fest im Griff. Denken Sie zudem daran, sich im Zweifelsfall Unterstützung durch eine professionelle externe Beratung zu sichern. Das BMWi bietet beispielsweise hilfreiche Informationen und Hilfen online an. Neben der laufenden Buchführung ist auch die Liquiditätsplanung wichtig für jeden Existenzgründer. Ein Großteil aller Insolvenzen in den ersten fünf Jahren nach der Unternehmensgründung geht auf Schwierigkeiten in diesem Bereich zurück – hier fehlen häufig die liquiden Geldmittel. Experten raten dazu, jederzeit eine “eiserne Reserve” an flüssigen Geldmitteln bereitzuhalten, mit denen Ihr Unternehmen für drei Monate abgesichert ist. In der Gründungsphase gelingt dies vielleicht nicht immer. Wenn Sie jedoch darauf hinarbeiten, dieses Ziel zu realisieren, ist ein wichtiger Schritt bereits getan. Stellen Sie in jedem Fall so früh wie möglich eine Planung auf und beachten Sie dabei beispielsweise die Fälligkeit Ihrer Eingangs- und Ausgangsrechnungen sowie Zins- und Tilgungsfälligkeiten für etwaige Kredite.

Foto: sarkao/ Shutterstock