Gründungsratgeber

Franchise – ein etabliertes Geschäftskonzept nutzen

Veröffentlicht am 01 Jun 2016
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Wenn Sie ein Geschäftskonzept entwickelt haben, das auch an anderen Orten funktionieren könnte, sollten Sie an ein Franchise Systeme denken. Auch Franchisenehmer zu werden, kann sehr interessant sein. Die wichtigsten Informationen zum Thema Franchise finden Sie im Folgenden.

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Definition: Was ist Franchising?

Der Begriff Franchise bzw. Franchising kann auch mit Konzessionsverkauf beschrieben werden. Der Geschäftsgegenstand besteht hier aus zwei Teilen, nämlich aus einem indirekten Verkauf, welcher die Vermittlerfunktion des Gebers beschreibt, und einem direkten Verkauf. Der Franchisenehmer fungiert hierbei als eigenständiger Verkäufer bzw. Händler; er zahlt lediglich Gebühren um geschützte Dinge des Gebers nutzen zu dürfen. Hierzu gehören zum Beispiel:

  • Warenzeichen / Logo / Marke
  • Name
  • Einheitliche Ausstattung
  • Vertriebssysteme
  • Marketing und Werbung
  • Buchhaltung

Das durch den Franchisegeber entwickelte Geschäftskonzept ist in der Regel tragfähig und erfolgsversprechend, sodass Franchisenehmer Interesse daran haben, ein Geschäft nach diesem Konzept aufzubauen. Hierdurch kann er durch Erfahrung, Marketing und die Erfolgsstrategie des Gebers profitieren. In den meisten Fällen erfolgt für Franchisenehmer eine regionale Aufteilung, beispielsweise durch eine Aufteilung pro Stadt oder Land, sodass der Nehmer dort keine sonstige enge Konkurrenz zu befürchten hat. Auch diese Leistung des Gebers wird gegen ein Entgelt gewährt.
Ist ein Unternehmer an Franchising mit einem Franchisegeber interessiert, so wird er zunächst durch diesen geprüft. Schlägt er beispielsweise Geschäftsräume vor, müssen diese durch den Geber genehmigt werden. Oft werden die Räumlichkeiten aber auch vorgegeben. Wird der Nehmer angenommen, wird er zunächst in das Geschäftskonzept eingewiesen und durch den Geber beraten und unterstützt; beispielsweise in Form von Schulungen für die Teams bzw. Mitarbeiter, durch das Bereitstellen regionaler Werbung etc.. Die Dauer der Zusammenarbeit wird von Franchisegeber und –nehmer vertraglich festgelegt. Auch das Recht über die Nutzung der Marke, der Rezepturen oder ähnlichem wird genau vorgegeben. Wird bei einem Franchise-Restaurant zum Beispiel einfach ein nicht vom Franchisegeber vorgegebenes Rezept benutzt, so kann dies unter Umständen allen Franchisenehmern und dem Geber schaden. Dies trifft beispielsweise auch zu, wenn die Hygienevorschriften nicht eingehalten werden. Deswegen achten die meisten Franchisegeber auch sehr genau darauf, dass die Vorgaben eingehalten werden. Dies geschieht zum Beispiel durch vom Geber gesandte Kontrolleure und die regelmäßige Bereitstellung von einem aktuellen Handbuch, Mitarbeiterschulungen.
Große Franchise-Systeme sind häufig Fastfood-Restaurants für Pizza oder Burger. Aber auch andere Systeme in anderen Branchen, zum Beispiel Franchising für Dienstleistungen wie Nachhilfe-Unterricht, werden immer häufiger. Viele entscheiden sich heute für die Selbstständigkeit durch ein Franchisesystem und sind glücklich, mit dem Franchisepartner nicht ohne Plan für das eigene Unternehmen zu sein.

Die Geschichte des Franchise

Vor einigen Jahren, ja sogar Jahrhunderten, wurde der Begriff Franchise in der Wirtschaft zum Thema. Schon im siebzehnten Jahrhundert hörte man erstmals vom Franchising, wobei die Ursprünge im Land Frankreich lagen – der Name „Franchise“ lässt dies bereits erahnen. In dieser Zeit wurde mit dem Begriff „Franchise“ ein Privileg bezeichnet, das der König verlieh. Empfänger des Privilegs waren Persönlichkeiten, die das Vertrauen des Adligen genossen. Sie durften dann gegen ein Entgelt Handel mit bestimmten Produkten treiben und/oder diese Produkte herstellen. Die ursprüngliche Wortbedeutung des Wortes „Franchise“ ist die Befreiung von Gebühren oder Abgaben. Seit der Zeit der Franchise-Entstehung ist viel geschehen und es haben sich sehr unterschiedliche Formen von Franchising entwickelt. Der Grundgedanke des Privilegs gegen Entgelt ist allerdings erhalten geblieben.

Vorteile von Franchising für den Franchisenehmer

Es gibt viele Aspekte, die Unternehmer dazu bewegen, mit Franchise zu arbeiten. Für Menschen, die sich mit einem bewährten Erfolgskonzept selbstständig machen möchten, sind in den meisten Fällen die folgenden Beweggründe maßgeblich:

  • Schnellerer Erfolg am Markt nach der Gründung, da die Marke bereits bekannt ist
  • In der Regel Schutz gegenüber Mitbewerbern aus dem gleichen Hause (mit dem identischen Franchise-Konzept), auch als „Gebietsschutz“ bezeichnet
  • Meistens begleitende Maßnahmen über die Bereitstellung des eigentlichen Geschäftskonzept hinaus; Hilfe und Unterstützung durch den Franchisegeber
  • Eigenes Marketing ist meist nicht notwendig
  • Vorteile beim Einkauf, wenn dieser zentral über den Franchisegeber geregelt ist
  • Stetige Weiterentwicklung durch Schulungen Weiterbildungen, die vom Franchisegeber organisiert werden
  • Kontrolle durch den Franchisegeber und damit Aufdecken von Gefahrenquellen für das Unternehmen
  • Bewährte Unternehmensprozesse und -systeme
  • Teilweise wird weniger Eigenkapital zur Gründung benötigt
  • Bei bekanntermaßen bewährten Konzepten: leichtere Zugänglichkeit zur Finanzierung

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Vorteile vom Franchising für den Franchisegeber

Auch derjenige, der ein Geschäftskonzept entwickelt hat, welches sich auf andere Standorte übertragen lässt, kann von Franchise profitieren. Daher ist ein solches Geschäftskonzept auch für diese Seite hochinteressant. Im Detail profitiert ein Franchisegeber von den folgenden Vorteilen:

  • Rasante Möglichkeit für eine Expansion und damit für die Bekanntmachung der eigenen Marke
  • Beschränktes wirtschaftliches Risiko an den neuen Standorten
  • Das Vertriebsnetz kann relativ schnell und einfach aufgebaut werden, ebenso das Filialnetz
  • Einkaufsvorteile durch größere Abnahmemengen bei Lieferanten
  • Erweiterte Umsatzmöglichkeiten durch den Verkauf begleitender Dienstleistungen wie z. B. Schulungen für die Franchisenehmer-Teams, Marketingleistungen, IT-Support, kaufmännische Service etc.
  • Viele Möglichkeiten, mit den Franchisenehmern zu verhandeln und die Verträge zu gestalten

Franchise ist nicht gleich Franchise. Die einzelnen Franchise-Systeme können aufgrund der nicht fest definierten festgelegten Vertragsinhalte recht unterschiedlich gestaltet werden. Der wichtigste Unterschied besteht also in der Vertragsgestaltung. Folgende Franchise-Kooperationen sind beispielsweise möglich:

  • Produktions- und Warenfranchising: Produktion und Absatz einer bestimmten Ware oder einer bestimmten Warengruppe sind Vertragsinhalt
  • Franchise-Zusammenarbeit zwischen Groß- und Einzelhändlern: Hier können Gründer einen Laden nach einem bereits festgelegten Geschäftskonzept aufbauen. Vorgeschrieben sind beispielsweise die Werbung, das Sortiment, die Preise für die Ware und vieles mehr. Der Verkauf vor Ort obliegt dann dem Franchisenehmer.
  • Dienstleistungsfranchising: Diese Form wird vor allem bei Dienstleistungen gerne verwendet. Hier sind dann beispielsweise bei Restaurantketten die Abläufe klar festgelegt, ebenso die Zutaten, die Zubereitungsarten, die Verkaufspreise und vieles mehr.

Die Nachteile des Franchise

Nicht nur die positiven Aspekte von Franchise sollten Sie abwägen, wenn Sie über die Nutzung eines solchen Geschäftskonzepts nachdenken. Es gibt durchaus auch negative Punkte, die bei einem Franchisesystem zum Tragen kommen können. Für den Nutzer eines Franchising-Angebots besteht beispielsweise die Gefahr, dass ein zu hoher Anteil des Umsatzes an den Franchisegeber abgetreten werden muss und sich das eigene Wirtschaften aus diesem Grund nicht oder nicht vollständig lohnt. Je nach Vertrag muss zum Teil rund ein Drittel der Umsätze abgegeben werden. Darüber hinaus ist die unternehmerische Freiheit, die ja viele Menschen erst zum Aufbau einer eigenen wirtschaftlichen Existenz bewogen hat, beim Franchising eingeschränkt. Viele Dinge können nicht frei entschieden werden, sondern müssen vorher mit dem Geber abgesprochen werden. Dieser hat bei den meisten Entscheidungen ein Veto-Recht. Auch wenn durch den Franchisegeber Dinge beschlossen werden, die dem Nehmer missfallen, muss er diese trotzdem annehmen. Dies könnte man als die Kehrseite der Nutzung eines bewährten Konzepts bezeichnen. Da der Franchisegeber immer darum bemüht ist, die Marke möglichst stark zu machen und nach außen einheitlich zu führen, muss sich der Franchisenehmer oft unterordnen und kann beispielsweise das Sortiment nicht oder nicht vollständig selbst bestimmen und auch die Preise oft nicht alleine festlegen. Auch der Franchisegeber hat gewisse Risiken zu tragen. So muss er natürlich einen Teil der Erträge an andere abgeben, die er bei einem Eigenbetrieb für sich behalten hätte. Darüber hinaus ist es von extrem hoher Bedeutung, dass sich die Franchisenehmer so verhalten, wie es sich der Franchisegeber wünscht bzw. wie es für die Marke und das Gesamtkonzept von Vorteil ist. Weichen hier einige Franchisenehmer ab oder klappt das System der Übertragung von Prozessen auf neue Standorte nicht, so fällt dies auf die Marke des Franchisegebers zurück und kann im Zweifelsfall das gesamte System gefährden.
Stellen wie der DFV (Deutscher Franchise Verband e.V.) oder der DFNV (Deutscher Franchise-Nehmer Verband e.V.) können Informationen bieten und bei rechtlichen Fragen helfen. Auch die IHK (Industrie- und Handelskammer) bietet Zertifikatslehrgänge über das Franchising für Mitarbeiter von Franchise-Zentralen an. Es lohnt sich, sich vor dem Start in die Franchising-Selbstständigkeit dort zu informieren.