Bereitstellungszinsen - auxmoney Finanzlexikon

Bereitstellungszinsen

Was sind Bereitstellungszinsen?

Wenn ein zugesagter Kredit nicht unmittelbar nach der Kreditgenehmigung und Annahme durch den Kreditnehmer abgerufen wird, können Bereitstellungszinsen anfallen. Damit wird ein als Prozentsatz bezifferter Preis auf den jeweils nicht abgenommenen Kreditteil bezeichnet, der in der Regel 0,25 Prozent pro Monat beträgt. Hauptsächlich fallen diese Zinsen bei für den Neubau eines Objektes ausgereichten Immobiliendarlehen an, da die Zahlungen an den Bauunternehmer/Bauträger bei solchen Objekten in Raten gemäß Baufortschritt erfolgen.

Nicht im Effektivzinssatz enthalten

Bereitstellungszinsen können von der Kreditzusage bis zur Vollauszahlung zu einer Verteuerung des Kredites führen, die nicht an Effektivzins ablesbar ist. Denn sie müssen nach der PAngV nicht im Effektivzinssatz berücksichtigt werden. Bei einem Kreditvergleich sollten deshalb neben den Effektivzinssätzen auch die jeweiligen Regelungen für die Bereitstellungszinsen miteinander verglichen werden.

Keine dauerhafte Kreditverteuerung

Üblich ist bei Baudarlehen (oder: Baufinanzierung) eine bereitstellungszinsfreie Zeit von zwei bis drei Monaten, aber auch ein sechsmonatiger und noch längerer Verzicht auf die Kosten der Kreditbereitstellung ist in der Praxis anzutreffen. Grundsätzlich gilt, dass nach Ablauf dieser Fristen Bereitstellungszinsen Tag genau für den nicht abgenommenen Kreditteil entrichtet werden müssen, also nicht dauerhaft auf den vereinbarten Kreditzins aufgeschlagen werden. Sie führen somit nur während der Auszahlungsphase zu einer Kostenerhöhung.

Besonderheit bei Forward-Darlehen

Eine Ausnahme stellen die aus der Immobilienfinanzierung bekannten Forward-Darlehen dar. Bei diesen Anschlusskrediten, die zur Sicherung des jeweils aktuellen Zinsniveaus bereits bis zu sechs Jahre vor dem Ablauf der Zinsbindung des ursprünglichen Kredites vereinbart werden können, werden die Kosten der Kreditbereitstellung als dauerhafter Zinsaufschlag auf den gebundenen Sollzinssatz in Ansatz gebracht. Auch hinsichtlich dieser Zinsaufschläge kann es je nach Anbieter einen zinsaufschlagsfreien Zeitraum geben.

Gründe für die Berechnung

Bei den Bereitstellungszinsen handelt es sich nicht vornehmlich um eine zusätzliche Einnahmequelle der diese Zinsen in Rechnung stellenden Bank. Vielmehr dienen diese Zinsen zumindest in Teilen zum Ausgleich der Kosten, die den Banken bei nicht abgerufenen Krediten unter anderem in Form der Eigenkapitalkosten entstehen. Diese und sonstige, den Banken durch zugesagte, aber nicht abgenommene Kredite entstehende finanzielle Nachteile werden durch die Bereitstellungszinsen kompensiert. Die wichtigsten Fakten im Überblick:

  • Zusätzlich zum Kreditzins zu zahlende, Tag genau berechnete Zinsen auf den jeweils nicht abgenommenen Kreditteil
  • Zinshöhe in der Regel 0,25 Prozent Monat (3,00 Prozent pro Jahr)
  • Nicht im Effektivzinssatz berücksichtigt (Vorsicht beim Kreditvergleich)
  • Bereitstellungszinsfreien Zeitraum von zwei bis sechs Monate und mehr möglich
  • Können zu einer Kreditverteuerung bis zur Vollauszahlung des Kredites führen
  • Sonderform bei Forward-Darlehen: Bereitstellungskosten dort als während der gesamten Kreditlaufzeit geltender Zinsaufschlag im Kreditzins enthalten
  • Decken zumindest in Teilen die den Banken entstehenden Kosten der Kreditbereitstellung