Sie ist klein, rechteckig und hat im Regelfall die Form einer Bankkarte – die Kundenkarte. Egal ob Baumarkt, Nagelstudio oder Massagesalon: fast überall gibt es Rabattprogramme, die treuen Kunden besondere Vorteile verschaffen sollen. Wir haben für Sie genauer hingeschaut und verraten Ihnen, wie viel Geld Sie wirklich sparen können.

Das Wichtigste zusammengefasst:

  • über 100 Millionen Kundenkarten stecken in deutschen Portemonnais
  • 200 Euro können Sie jährlich mit Payback-Kundenkarten sparen
  • persönlichen Daten sind der Preis dafür – lohnt sich das?

Welche Arten von Kundenkarten gibt es?

Kundenkarten unterscheiden sich in:

  • reine Bonuskarten (wie die Payback-Karte oder Vielfliegerkarten von Airlines)
  • Regiokarten (von Geschäften an einem bestimmten Ort)
  • Mitgliedskarten (z.B. für Fitnessstudios)
  • kombinierte Karten mit Zahlungsfunktion, die Sie vor allem bei großen Anbietern finden
  • Karten mit Direktrabatt bei jedem Einkauf, wie sie ein schwedisches Möbelhaus ausgibt
  • virtuelle Kundenkarten speziell für Apps auf dem Smartphone

Schätzungen zufolge gibt es 100 bis 200 Millionen Karten in Deutschland, die von mehreren Hundert Unternehmen ausgegeben werden. Allein Branchenprimus Payback gibt über 20 Millionen aktive Nutzer an und liegt damit weit vor anderen Anbietern wie EDEKA mit der DeutschlandCard, der Bahn oder Tchibo mit ihren Karten, dem Shell Clubsmart-Programm oder Miles & More der Lufthansa.

Welche Vorteile haben die Karten und wie funktionieren sie?

Der zentrale Vorteil der meisten Karten: die Möglichkeit auf Rabatte. Diese erhalten Sie direkt, häufiger aber erst später nach Erreichen eines Mindestumsatzes. Mancher Rabatt wird dann bei weiteren Einkäufen verrechnet, mancher auch ausgezahlt oder Sie dürfen ein Geschenk in einem Prämienshop auswählen. Besitzt die Kundenkarte zusätzlich eine Bezahlfunktion, ersetzt sie auch das Bargeld beim Einkauf und bietet oft noch eine Zahlpause oder erlaubt Ratenzahlungen.

Viele Anbieter nutzen die Karten für die Pflege der Beziehung zu den Kunden. Hieraus ergeben sich oft:

  • persönliche, exklusive Angebote, die auf den vergangenen Einkäufen basieren,
  • kleine Geburtstagsgeschenke
  • Zeitschriften
  • oder Zugang zu besonderen Events

Thema Daten und Datenschutz – welche Nachteile haben die Kundenkarten?

Der Einsatz einer Kundenkarte bindet stark an ein Unternehmen. Dadurch wird der Einkauf meist teurer, als wenn Sie Ihre Einkäufe in verschiedenen Läden mit aktuellen Angeboten tätigen. Wesentlich kritischer zu sehen ist jedoch das Thema Datenschutz: Oft wird hier auch vom gläsernen Kunden gesprochen, denn mit dem Einsatz dieser Karten geben Sie auch einen großen Teil Ihrer Anonymität auf.

Viele Unternehmen wie Payback oder DeutschlandCard sehen Ihre privaten Lebensgewohnheiten und Vorlieben, die man durch den Einsatz der Karten offenbart. Jedes Detail Ihrer Einkäufe fließt direkt von der Kasse in die Datenbanken der Unternehmen und wird dort für auf Sie abgestimmtes Marketing ausgewertet. Natürlich achtet Payback auf Datenschutz und erhielt bis dato auch nur sehr geringen Widerspruch in einschlägigen Gerichtsurteilen, aber dennoch gilt: Seien Sie sich bewusst, dass Sie mit Einkäufen breite Datenspuren hinterlassen und tiefe Einblicke in Ihr Privatleben gewähren.

Welche Kundenkarten lohnen sich unter diesen Aspekten?

Sie stehen den Themen Daten und Datenschutz kritisch gegenüber? Dann nehmen Sie unseren Tipp zu Herzen: Verzichten Sie auf Kundenkarten und verwenden Sie stattdessen anonyme Karten. Anonyme Karten benötigen statt Personendaten meist nur Stempel oder Sticker. Karten für Vielflieger wie Miles & More sind hier ebenfalls eher unbedenklich, da ein Großteil der Informationen auch bei normalen Buchungen an die Fluggesellschaften angegeben werden müssen. Mit den Karten haben Sie aber die Chance auf Freiflüge oder hochwertige Sachgeschenke.

Selbst bei weniger großen Bedenken profitieren Sie nur begrenzt: Payback wirbt oft mit einer jährlichen Ersparnis von 200 Euro für eine vierköpfige Familie. Die Voraussetzung ist aber, dass Sie die Karte konsequent nutzen. Um auf eine Ersparnis von 200 Euro zu kommen, müssen Sie die vielen Coupons aus Beilagen, Werbebriefen oder E-Mails ebenfalls in Anspruch nehmen. Auch sollten Ihre Einkäufe entsprechend hoch sein: Bei der DeutschlandCard benötigen Sie für eine Rückzahlung von zehn Euro zunächst einmal Einkäufe von über 2000 Euro, also immerhin einen wöchentlichen Einkauf von knapp 40 Euro bei den teilnehmenden Unternehmen.

Verbraucherschützer und Warentester haben für Rabattkarten ein durchschnittliches Einsparpotenzial von 0,5 bis 1 Prozent festgestellt. Einzelne Kundenkarten bieten sogar bis zu drei Prozent, erfordern dann aber auch jährliche Umsätze jenseits von 5000 Euro. Ergänzende Aktionen wie persönliche Sonderangebote oder versandkostenfreie Bestellungen und andere Extras können diese Bilanz zumindest bei einigen Karten verbessern.

Unser Tipp: Prüfen Sie am besten jedes Kartenangebot genauer und geben Sie Ihre persönlichen Daten nicht allzu leichtfertig preis. 

Hintergrund: Seit wann gibt es Kundenkarten und warum gibt es sie überhaupt?

Deutschlands erste Kundenkarte ist über 50 Jahre alt, herausgegeben von einem Stuttgarter Modehaus. Sie war zunächst nur eine Bezahlkarte, mit der Einkäufe angeschrieben wurden, besitzt heute aber auch viele typische Funktionen wie besondere Rabatte oder persönliche Angebote. Vor allem Rabatte sind charakteristisch für eine Kundenkarte: Dabei wird jeder Einkauf mit Punkten honoriert. Wird ein bestimmter Punktestand erreicht, erhält man oft Prämien, einen Preisnachlass bei neuen Einkäufen oder sogar Bargeldauszahlungen.

Diese Idee stammt aus den USA: Dort haben Unternehmen schon lange vor deutschen Händlern die Vorteile erkannt, Kunden auf diese Weise an sich zu binden. Wer auf diesem vergleichsweise günstigen Weg Kundentreue schafft, erspart sich teures Marketing. Diese Erkenntnis setzte sich bald auch hierzulande durch und so erlebten Kundenkarten hier, spätestens nach Wegfall des Rabattgesetzes 2001, einen Boom. Sie dienen dem Customer Relationship Management, also der Pflege der Kundenbeziehung, werden aber längst auch aus einem anderen Grund in fast allen Branchen angeboten. Durch immer effizientere Möglichkeiten bei der elektronischen Datenverarbeitung lernt die Wirtschaft ihre Kunden mit den Rabattkarten besser denn je kennen. Mussten Unternehmen ohne Kundenkarten noch kostenintensive Marktanalysen betreiben, um das Konsumentenverhalten besser verstehen zu können, fließen diese wertvollen Daten dank Rabattkarten nun automatisch zu.

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