Spartipps
Kundenkarten Wissenswertes

So viel sparen Sie wirklich mit den Kundenkarten des Einzelhandels

Veröffentlicht am 13 Nov 2015
  • In deutschen Portemonnaies stecken über 100 Millionen Kundenkarten.
  • Marktführer Payback rechnet 200 Euro jährliche Ersparnis durch seine Kundenkarten vor.
  • Experten beziffern Ersparnis auf 0,5 bis 1 Prozent.
  • Der Preis dafür sind Ihre persönlichen Daten – lohnt sich das?

 

Seit wann gibt es Kundenkarten und warum gibt es Kundenkarten überhaupt?

Deutschlands erste Kundenkarte ist über 50 Jahre alt und wurde von einem Stuttgarter Modehaus ausgegeben. Sie war zunächst nur eine Bezahlkarte, mit der Einkäufe angeschrieben wurden, besitzt heute aber auch viele typische Funktionen wie besondere Rabatte oder persönliche Angebote. Vor allem Rabatte sind charakteristisch für eine Kundenkarte. Dabei werden Einkäufe der Vergangenheit mit Punkten honoriert. Erreichen Sie einen bestimmten Punktestand, erhalten Sie Prämien, einen Preisnachlass bei neuen Einkäufen oder sogar Bargeldauszahlungen.
Diese Idee stammt aus den USA, wo Unternehmen schon lange vor deutschen Händlern die Vorteile erkannt hatten, Kunden derart an sich zu binden. Wer auf diesem vergleichsweise günstigen Weg Kundentreue schafft, erspart sich teuren Marketingaufwand, um immer neue Käufer für seine Produkte anzulocken. Diese Erkenntnis setzte sich bald auch hierzulande durch und so erlebten Kundenkarten hier, spätestens nach Wegfall des Rabattgesetzes 2001, einen Boom. Sie dienen dem Customer Relationship Management, also der Pflege der Kundenbeziehung, werden aber längst auch aus einem anderen Grund in fast allen Branchen angeboten. Durch immer effizientere Möglichkeiten bei der elektronischen Datenverarbeitung lernt die Wirtschaft ihre Kunden mit den Rabattkarten besser denn je kennen. Mussten Unternehmen ohne Kundenkarten noch kostenintensive Marktanalysen betreiben, um das Konsumentenverhalten besser verstehen zu können, fließen diese wertvollen Daten dank Rabattkarten nun automatisch zu.

Welche Arten von Kundenkarten gibt es?

Kundenkarten unterscheiden sich in:

  • reine Bonuskarten wie die Payback-Karte oder die Vielfliegerkarten der Airlines
  • Regiokarten von Unternehmen an einem bestimmten Ort
  • Mitgliedskarten, bekannt durch Videotheken oder Sportstudios
  • kombinierte Karten mit Zahlungsfunktion, die Sie vor allem bei großen Anbietern finden
  • Karten mit Direktrabatt bei jedem Einkauf, wie sie ein schwedisches Möbelhaus ausgibt
  • virtuelle, in Smartphone-Apps integrierte Kundenkarten

Schätzungen zufolge gibt es 100 bis 200 Millionen Karten in Deutschland, die von mehreren Hundert Unternehmen ausgegeben werden. Allein Branchenprimus Payback gibt über 20 Millionen aktive Nutzer an und liegt damit weit vor anderen Anbietern wie der Rewe-Handelsgruppe mit der DeutschlandCard, der Bahn oder Tchibo mit ihren Karten, dem Shell Clubsmart-Programm oder Miles & More der Lufthansa.

Welche Vorteile haben die einzelnen Karten und wie funktionieren sie?

Der zentrale Vorteil der meisten Karten liegt in den Rabattmöglichkeiten. Diese erhalten Sie direkt, häufiger aber erst später nach Erreichen eines Mindestumsatzes. Mancher Rabatt wird dann bei weiteren Einkäufen verrechnet, mancher auch ausgezahlt oder Sie dürfen ein Geschenk in einem Prämienshop auswählen. Besitzt die Kundenkarte zusätzlich eine Bezahlfunktion, ersetzt sie auch das Bargeld beim Einkauf und bietet oft noch eine Zahlpause oder erlaubt Ratenzahlungen.
Zusätzlich nutzen viele Anbieter die Plastikkarten für ihr Customer Relationship Management, kurz CRM, also die Pflege der Beziehung zu den Kunden und vor allem ihre langfristige Bindung an das Unternehmen. Dabei werden immer wieder persönliche, exklusive Angebote präsentiert, die auf den vergangenen Einkäufen basieren, oder Sie erhalten ein kleines Geburtstagspräsent, hauseigene Zeitschriften, Zugang zu besonderen Events und andere Vergünstigungen. Deren Wert bemisst sich dann ähnlich wie die Rabatte meist am getätigten Umsatz.

Thema Daten und Datenschutz – welche Nachteile haben die Kundenkarten?

Der häufige Einsatz einer Kundenkarte bindet stark an ein Unternehmen. Der Kassenbon für regelmäßige Einkäufe fällt dadurch mitunter höher aus, als wenn Sie Ihre Einkäufe in verschiedenen Läden aus aktuellen Angeboten zusammenstellen. Wesentlich kritischer sehen Verbraucherschützer, und auch viele Verbraucher selbst, jedoch das Thema Daten. Oft wird hier auch vom gläsernen Kunden gesprochen, denn mit dem Einsatz dieser Karten gibt jeder Kunde auch einen bedeutenden Teil seiner Anonymität auf.
Gerade bei einem großen Verbund mit vielen Partnerunternehmen, wie bei Payback oder der DeutschlandCard, entsteht dabei ein präzises Abbild privater Lebensgewohnheiten und Vorlieben, welches den Betreibern und teilnehmenden Unternehmen durch den Karteneinsatz offenbart wird. Jedes Detail Ihrer Einkäufe fließt direkt von der Kasse in die CRM-Datenbanken der Unternehmen und wird dort für auf Sie abgestimmtes Marketing ausgewertet. Natürlich achtet Payback Datenschutz oder andere entsprechende Gesetze und erhielt bis dato auch nur sehr geringen Widerspruch in einschlägigen Gerichtsurteilen, aber dennoch sollte sich jeder Kartennutzer bewusst sein, dass er mit seinen Einkäufen breite Datenspuren hinterlässt und tiefe Einblicke in sein Privatleben gewährt. Diese werden sogar noch umfassender, je weiter die Möglichkeiten zur Analyse und Verknüpfung großer Datenbestände voranschreiten.

Welche Kundenkarten lohnen sich unter diesen Aspekten?

Verbraucher, die den Themen Daten und Datenschutz kritisch gegenüberstehen, werden auf Kundenkarten meistens verzichten oder höchstens anonyme Karten nutzen, bei denen sie Stempel und Sticker erhalten und keine Personendaten angeben müssen. Karten für Vielflieger wie Miles & More sind hier ebenfalls eher unbedenklich, da ein Großteil der Informationen auch bei normalen Buchungen an die Fluggesellschaften gelangt, mit den Karten aber sogar Freiflüge oder hochwertige Sachgeschenke winken.
Kunden mit weniger Bedenken profitieren aber auch nur begrenzt. Payback wirbt oft mit einer jährlichen Ersparnis von 200 Euro für eine vierköpfige Familie, die ihre Karte konsequent nutzt. Dieser Betrag entsteht aber nicht nur durch Rabattpunkte. Hierzu müssen die vielen Coupons aus Beilagen, Werbebriefen oder E-Mails genutzt werden. Auch müssen die Umsätze der Einkäufe entsprechend hoch sein. Bei der DeutschlandCard benötigen Sie für eine Rückzahlung von zehn Euro zunächst einmal Einkäufe von über 2000 Euro, also immerhin einen wöchentlichen Einkauf von knapp 40 Euro bei den teilnehmenden Unternehmen.
Verbraucherschützer und Warentester haben für Rabattkarten ein durchschnittliches Einsparpotenzial von 0,5 bis 1 Prozent festgestellt. Einzelne Kundenkarten bieten sogar bis zu drei Prozent, erfordern dann aber auch jährliche Umsätze jenseits von 5000 Euro. Ergänzende Aktionen wie persönliche Sonderangebote oder versandkostenfreie Bestellungen und andere Extras können diese Bilanz zumindest bei einigen Karten verbessern. Prüfen Sie am besten jedes Kartenangebot genauer und geben Sie Ihre persönlichen Daten nicht allzu leichtfertig einer Vielzahl von Unternehmen in die Hand.

Wunschkredit anfragen