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Steuertipps - so können Sie Geld sparen

Steuertipps – Nachschlag vom Finanzamt holen

Veröffentlicht am 04 Nov 2015

Wissenswertes zum Thema Steuertipps:

  • Kosten von der Steuer absetzen – sogar bei Berufskleidung und Allergiker-Produkten
  • Die Steuerklasse optimieren und bares Geld sparen
  • Freibeträge ausnutzen und Bemessungsgrundlage vermindern

 

Die Steuerklasse – der Wechsel kann sich lohnen

Zu den effektivsten Steuertipps gehört die Prüfung der Lohnsteuerklasse bei Ehepartnern. Grundsätzlich können Sie zwischen folgenden Kombinationen wählen:

  • III/V,
  • IV/IV oder
  • IV-Faktor/IV-Faktor,

 

wobei die Wahl des sogenannten Faktorverfahrens ebenfalls als Steuerklassenwechsel gilt. Ein solcher Wechsel kann grundsätzlich einmal pro Jahr und spätestens am 30.11. beantragt werden, darüber hinaus nur, wenn

  • ein Ehepartner keinen Arbeitslohn mehr bezieht,
  • ein Ehepartner wieder eine Arbeitstätigkeit aufnimmt, beispielsweise nach einer Arbeitslosigkeit,
  • sich Ehepartner auf Dauer trennen oder
  • ein Ehepartner verstirbt.

 

Um die günstigste Kombination der Steuerklassen zu ermitteln, sollten Sie die jeweils fällige Steuer berechnen und die Gesamtbelastungen gegenüberstellen. Selbst wenn Sie bisher eine ungünstige Konstellation gewählt hatten, können Sie im Rahmen der Jahressteuererklärung den zu viel gezahlten Betrag zurückerstattet bekommen.

 

Das Faktorverfahren – gerechte Steuerverteilung

Auch das Faktorverfahren zählt zu den Steuertipps für Ehepartner, die beide in der aktuellen Steuerklasse veranlagt werden und trotzdem vom Splittingverfahren profitieren können. Für die Einkommen der Partner wird zunächst die voraussichtliche Lohnsteuer nach dem gültigen Splittingtarif berechnet und durch die Lohnsteuerbelastung nach Steuerklasse IV geteilt. Der so ermittelte Faktor wird in die Lohnsteuerkarte eingetragen.
Beispiel 1:
Die Ehepartner haben beide die Steuerklasse IV, er verdient 30.000 Euro im Jahr, sie 10.000 Euro. Der Mann müsste demnach 4.126 Euro Lohnsteuer bezahlen, für seine Frau würden keine Steuern anfallen. Nach Splittingtabelle beläuft sich die Steuerlast auf 3.438 Euro, der Faktor errechnet sich also folgendermaßen:
3.438/4.126=0,833
Im Faktorverfahren hat der Ehemann nun 3.436 Euro an Lohnsteuer zu bezahlen, für die Ehefrau verbleibt es bei 0. In diesem Verfahren lässt sich also nur minimal an Steuer sparen, allerdings profitiert das Ehepaar vom bereits während des Steuerjahres greifenden Splitting-Effekt.
Beispiel 2:
Ein Ehepaar hat die Steuerklassenkombination III/V gewählt, er bezieht 50.000 Euro und sie 20.000 Euro an Einkommen. Nach Splittingtabelle hätten sie eine Steuerlast von 8.110 Euro und 586 Euro zu tragen, denen in der Lohnsteuerklasse IV 9.845 Euro und 1.679 Euro gegenüberstünden. Der Faktor beträgt demnach 0,755, sodass sich eine Lohnsteuer von 7.433 Euro für den Ehemann und 1.267 Euro für die Ehefrau ergäbe. Damit steigt die Steuerbelastung etwas, allerdings entfallen die Nachzahlungen der Ehefrau.
Das Faktorverfahren zählt trotz der eventuell vorhandenen Nachteile zu den wichtigen Steuertipps, da

  • der Splitting-Effekt sich direkt auswirkt,
  • ein fairer Ausgleich der Steuerlast bei unterschiedlichen Einkommen erfolgt,
  • Steuernachzahlungen vermieden werden können und
  • gerade bei einer Trennung der in Lohnsteuerklasse V eingestufte Ehepartner Splitting-Vorteile genießen kann.

 

Als Nachteil muss zum einen die Pflicht zur Steuererklärung angeführt werden, zum anderen bleiben die Steuerrückzahlungen natürlich aus. Grundsätzlich zielt dieses Verfahren aber darauf ab, eine größere Steuergerechtigkeit zu erreichen.

 

Vorsorgeaufwendungen – Verfahren offen

Auch wenn die Höchstbeträge für absetzbare Vorsorgeaufwendungen in der Regel durch die Pflichtbeiträge zu den Sozialversicherungen ausgeschöpft werden, gehört das Ausfüllen der Anlage Vorsorgeaufwand zu den Steuertipps: Vor dem Bundesfinanzhof (BFH) laufen bereits Verfahren, die diese Höchstgrenzen anfechten. Sollte den Steuerzahlern stattgegeben werden, könnten Sie vom Urteil profitieren. In die Anlage Vorsorgeaufwand gehören beispielsweise die Beiträge für folgende Versicherungen:

  • private Haftpflicht
  • Lebens- und Rentenversicherungen
  • Arbeitslosen- oder Krankentagegeldversicherungen
  • Krankenzusatzversicherungen

 

Außergewöhnliche Belastungen – weitere Verfahren vor dem BFH

Zwei weitere Aspekte können Sie im Hinterkopf behalten: Sowohl Arznei-, Behandlungs- oder Therapiekosten, die Sie selbst tragen müssen, als auch Scheidungskosten stehen im Fokus einiger Rechtsstreitigkeiten vor dem Bundesfinanzhof (BFH). Muss bei ersteren ein hoher Selbsthalt in Abzug gebracht werden, um den überschießenden Anteil als außergewöhnliche Belastungen steuerlich geltend machen zu können, wurde diese Möglichkeit für die Kosten einer Scheidung im Jahr 2012 gestrichen. Zu den Steuertipps gehört also auch die Empfehlung, diese Positionen generell in der Steuererklärung mit aufzuführen. Die Verfahren dazu sind noch nicht abgeschlossen, die Steuerbescheide bleiben in diesem Bezug vorläufig.

Die Änderungen durch Steuerreformen

Die Steuertipps beziehen natürlich die neuen Grundlagen mit ein: Die finanzielle Unterstützung von Kindern, Eltern oder Lebensgefährten kann in der Anlage Unterhalt erfasst werden. Bis zu 8.354 Euro pro Jahr können geltend gemacht werden, damit wurde diese Grenze um 224 Euro angehoben – und hilft beim Steuern sparen.
Zu den lukrativsten Steuertipps gehört die Position haushaltsnahe Dienstleistungen: Bis zu 6.000 Euro pro Jahr können Sie für den Arbeitslohn von Handwerkern von der Steuer absetzen. Material hingegen darf nicht geltend gemacht werden, aber der Lohn für Renovierungen, Sanierungen oder Gartenarbeiten. Wie der BFH urteilte, gehören in diesen Katalog auch der nachträgliche Anschluss an die kommunale Wasserversorgung, der Ausbau des Dachgeschosses oder der Anbau eines Wintergartens im Eigenheim. Die absetzbaren Lohnkosten für Haushaltshilfen betragen sogar bis zu 20.000 Euro pro Jahr, eine Ersparnis von bis zu 4.000 Euro ist auf diesem Wege also möglich.

Die Werbungskosten – Pauschbetrag ist keine Obergrenze

Der Werbungskosten-Pauschbetrag von 1.000 Euro kann generell ohne Belege oder Nachweise in Anspruch genommen werden, allerdings lohnt sich hier der Aufwand durchaus: Allein die Kilometerpauschale, die jeder Arbeitnehmer für den einfachen Weg zur Arbeitsstätte geltend machen kann, dürfte in der Regel die 1.000 Euro übersteigen:

  • pro km 0,30 Euro x 230 Tage im Jahr bei Vollbeschäftigung oder
  • die belegten Kosten für öffentliche Verkehrsmittel, auch wenn sie höher ausfallen.

 

Auch die von einem Unternehmen eingerichtete Sammelstelle für Arbeitnehmer zählt als Arbeitsstätte, wenn von dort aus der Transport der Arbeitskräfte organisiert wird – mit diesen Steuertipps sollten Sie Ihre Fahrtkosten nochmals kritisch prüfen.
Weitere Steuertipps im Rahmen der Werbungskosten:

  • Gewerkschaftsbeiträge gehören ebenso in diese Aufstellung.
  • Erfassen Sie auch Ihre Aufwendungen für Fortbildungen, die Sie beruflich bedingt wahrnehmen.
  • Nutzen Sie Ihr Handy oder Ihren Laptop auch dienstlich, können Sie zumindest einen Teil der Gebühren und Kosten steuerlich absetzen.
  • Die Tagessätze für Dienstreisen wurden verändert, sie lassen sich ebenfalls abhängig von Reiseziel und -dauer steuerlich geltend machen.

 

Weitergehende Steuertipps – ein kurzer Überblick

Die permanenten Änderungen in der steuerlichen Gesetzgebung sorgen für Verunsicherung, hier die wesentlichen Punkte zusammengefasst:

  • Umzugskosten: Wer aus beruflichen Gründen umzieht, kann entweder pauschale Beträge (für Alleinstehende: 715 Euro, für Verheiratete: 1.429 Euro) oder die mit Rechnung belegten Kosten von der Steuer absetzen.
  • Auch für den Nachhilfeunterricht, der Ihren Kindern zum Beispiel den Schulwechsel ermöglichen soll, können Sie die Kosten geltend machen. Bis zu 1.802 Euro pro Jahr sind hier zugelassen.
  • Ein beruflich bedingter Zweitwohnsitz kann mit bis zu 1.000 Euro pro Monat in Ansatz gebracht werden. Hier gab es eine Verschlechterung, die übliche Wohnungsmiete für eine Wohnung von 60 Quadratmetern zählt nicht mehr als Berechnungsgrundlage.

 

Die Steuertipps aus der Praxis

Sogar die Kosten einer Allergiematratze oder spezielles Bettzeug können vom Finanzamt anerkannt werden, wenn die Krankenkasse nicht eintritt. Allerdings sind hier von den chronisch Kranken vertrauensärztliche oder amtsärztliche Gutachten vorzulegen.
Müssen zur Fortbildung Reisen ins Ausland angetreten werden, schlagen auch diese Aufwendungen bei der Steuer zu Buche, so lange das Unternehmen nicht dafür aufkommt. Natürlich behält sich das Finanzamt vor, den Reisezweck genau zu überprüfen. Dabei stellen die Teilnahmegebühren für Fortbildungsmaßnahmen kein Problem dar, allerdings die Reise- und Unterbringungskosten. Dazu die wichtigen Steuertipps: Werden Fortbildungs- mit privaten Reisen verknüpft, empfiehlt sich eine nachvollziehbare Kostenaufteilung. Die beruflichen Anteile sollten überwiegen und vor allem klar nachweisbar sein.
Die Reinigungskosten für Berufsbekleidung können ebenfalls von der Steuer abgesetzt werden, vor allem bei Bekleidungsvorschriften. So fallen sowohl die Kosten für die Wäsche zu Hause als auch die für eine chemische Reinigung in diesen Katalog. Selbst die Sportkleidung eines Sportlehrers oder Trainers gilt als Berufsbekleidung, darüber hinaus die Handwerkeranzüge oder Schutzkleidung für medizinische Berufe.
Übersteigen nach dem Tod eines Angehörigen die Schulden die Erbmasse, lässt sich die Differenz zwischen Beerdigungskosten und Erbe ebenfalls im Rahmen der außergewöhnlichen Belastung absetzen. Die Obergrenze für die Kosten einer Bestattung wurde dabei mit 7.500 Euro beziffert. Damit sollen die Hinterbliebenen, die überwiegend Schulden erben, tatkräftig entlastet werden.

Fazit der Steuertipps

Die Vielfalt der Steuertipps ist über die optimale Steuerklassenkombination hinaus enorm. Vor allem die zahlreichen Entscheidungen, die die Finanzgerichte laufend fällen, verändern das Bild permanent. Die wesentlichen Punkte sind aber einfach nachvollziehbar:

  • Steuerklassen optimieren
  • Werbungskosten über den Pauschbetrag hinaus ausschöpfen
  • Vorsorgeaufwendungen und außergewöhnliche Belastungen geltend machen und auf den Ausgang der schwebenden Verfahren achten
  • die Rechtsprechung entsprechend des konkreten Bedarfs recherchieren

 

Der Aufwand der hier beschriebenen Steuertricks mag zwar auf den ersten Blick erheblich erscheinen, allerdings zahlt sich die Berücksichtigung der Steuertipps unter dem Strich aus. Weitere interessante Informationen zu verschiedenen Themen finden Sie hier!

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