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Liquiditätsplan – ein unternehmerisches „Muss“

Veröffentlicht am 31 Jul 2019
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Liquiditätsplan erstellen & Zahlungsfähigkeit ermitteln

Ein Liquiditätsplan beinhaltet eine Fülle an Informationen, die in ihrer Gesamtheit einen Rückschluss auf die finanzielle Lage eines Unternehmens ermöglichen. Nur durch eine ausreichende Menge an Zahlungsmitteln zur richtigen Zeit können finanzielle Verpflichtungen gegenüber Lieferanten, Banken und anderen Gläubigern erfüllt werden. Eine fehlende Liquidität ist der beste Weg in die Insolvenz, die Zahlungsunfähigkeit, und leitet meist den Bankrott ein.

Das Ziel ist also, den voraussichtlichen Liquiditätsbestand zu ermitteln und so die Zahlungsfähigkeit des Unternehmens zu steuern. Der Liquiditätsplan erfüllt somit eine Kontrollfunktion und ermöglicht gleichzeitig eine Einschätzung der unternehmerischen Risiken und Liquiditätsengpässe.

Um einen Liquiditätsplan zu erstellen, werden alle Zahlungsflüsse der betrachteten Periode erfasst. Wir zeigen Ihnen, warum eine ausführliche Liquidationsplanung wichtig ist und wie Sie in nur wenigen Schritten eine Liquiditätsvorschau erstellen.

Was ist ein Liquiditätsplan?

Der Begriff der Liquidität oder Zahlungsfähigkeit spielt bei der Unternehmensgründung eine ganz zentrale Rolle. Die Sicherung der Zahlungsfähigkeit gehört zu den grundsätzlichen Erfordernissen, die von einem Unternehmer verlangt werden. Ohne diese Sicherstellung ist das Fortbestehen eines Wirtschaftsunternehmens gefährdet.

Hinter einem Liquiditätsplan, der ein Teilbereich der Finanzplanung ist, verbirgt sich eine konkrete Aufstellung. Diese wird mit dem Ziel erstellt, zur Gewährleistung der Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens beizutragen. Die Inhalte einer Liquiditätsplanung umfassen im Großen und Ganzen alle eingehenden Zahlungen und alle finanziellen Ausgaben, die während eines bestimmten Zeitraums auftreten. Neben dem Liquiditätsplan gibt es die als Kapitalbedarfsplan bezeichnete Konzeption.

Warum es wichtig ist, einen Liquiditätsplan zu erstellen

Der Liquiditätsplan gehört in jeden Businessplan. Gerade nach der Unternehmensgründung müssen viele Investitionen getätigt werden, ohne dass bereits Umsätze generiert wurden. Deshalb ist es gerade am Anfang wichtig, einen detaillierten Liquiditätsplan zu erstellen. Mithilfe dieser Aufstellung können Sie mögliche Liquiditätsrisiken und Liquiditätsengpässe erkennen und wichtige unternehmerische Entscheidungen, wie den Zeitpunkt notwendiger Investitionen, ableiten.

Auch für die Aufnahme von Krediten ist der Businessplan inkl. Liquiditätsplan wichtig. Die Bank zieht das Planungsinstrument im Rahmen der Kreditwürdigkeit heran.

Wie erstelle ich eine Liquiditätsplanung?

Um die liquiden Mittel zu berechnen, müssen zunächst die aktuellen Bank- und Kassenbestände aufgelistet werden. Anschließend werden alle Einnahmen und Ausgaben der betrachteten Periode gegenübergestellt. Eine Periode kann einen Tag, eine Woche, ein Monat oder ein ganzes Jahr umfassen. Für gewöhnlich wird der Liquiditätsplan für ein Jahr erstellt und dabei monatlich gegliedert. Im letzten Schritt werden die Kriterien gegenübergestellt. So kann sichergestellt werden, dass diese durch einen Finanzierungsplan abgedeckt werden können. Achtung: Auch Privatentnahmen und -einlagen sind in der Berechnung zu berücksichtigen.

Aufbau eines Liquiditätsplans:

Anfangsbestand liquider Mittel (Bank- und Kassenbestand)

+ Einzahlungen einer Periode

= verfügbare Mittel

–  Auszahlungen einer Periode

= Endbestand liquider Mittel

Diese Positionen werden zur Erstellung eines Liquiditätsplans benötigt

Welche Ein- und Auszahlungspositionen in den Liquiditätsplan aufgenommen werden müssen, kann sich von Unternehmen zu Unternehmen unterscheiden. Folgende Tabelle zeigt wichtige Zahlungsströme, die in eine Liquiditätsvorschau aufgenommen werden sollten:

EinzahlungenAuszahlungen
  • Bar- und Kassenbestand
  • Voraussichtliche Einzahlungen einer Periode
  • Einzahlung aus Verkäufen
  • Umsatzsteuer
  • Sonstige Einzahlungen, wie z.B.
  • Kredite
  • Privateinlagen
  • Erstattungen
  • Zinseinzahlungen
  • Wareneinkauf, Personalkosten,
    Versicherungsbeiträge, Sonderzahlungen
  • Sonstige Auszahlungen, wie z.B.
  • Tilgung für Kredite
  • Miete
  • Vorsteuer
  • Anlagenläufe
  • Werbung
  • Beratung
  • Telekommunikation
  • Reisekosten
  • Instandsetzung
  • Weiterbildung
  • Privatentnahmen

Beispiel: So könnten Sie eine Liquiditätsplanung erstellen

Um einen aussagekräftigen Liquiditätsplan zu erstellen, ist es nicht unbedingt nötig, ein Studium der Wirtschaftswissenschaften abzuschließen. Mithilfe spezieller Tabellenwerke – wie Excel – und einem guten Auge für die Realität können es auch die Neueinsteiger unter den Existenzgründern schaffen, sich ihren eigenen Liquiditätsplan zu erarbeiten.

Eine vereinfachte Planung der Liquidität könnte so aussehen:

 JanuarFebruarMärz
Bestand (Bank + Kasse)15.0005.000-500
Einzahlungen
Umsatz (inkl. MwSt.)100.00090.000120.000
Vorsteuererstattung4.0007.0005.000
Sonstige Einzahlung00400
Summe Einzahlungen104.00097.000125.400
Auszahlungen
Personalkosten45.00045.00045.000
Material35.00032.00030.000
Miete2.0002.0002.000
Versicherungen4.00000
Kredite500500500
Umsatzsteuer30.00025.00022.000
Summe Auszahlungen116.500104.50099.500
Liquidität 2.500-2.50025.400

 

Der Liquiditätsplan muss ausgewertet werden

Was die lückenlose Gegenüberstellung der Einnahmen und Ausgaben beim Liquiditätsplan bringt, zeigt sich in der Information, ob Sie am Ende des Monats genügend Kapital übrig haben, um Ihren Kapitalbedarf zu decken. Das heißt, das Unternehmen ist liquide, wenn die Summe aller Ausgaben unter der Summe aller Einnahmen bleibt.

Verantwortungsvolles & erfolgreiches Wirtschaften

Ist der Liquiditätsplan ausgewertet und wurde deutlich, dass es Perioden gab, in denen die Ausgaben größer waren als die Einnahmen, dann muss zusätzliches Kapital zugeführt werden. Das ist nicht selten und auch nicht schlimm, wenn das nicht zur Regelmäßigkeit wird.

Bei jeder eigenen Existenz kommt es vor, dass einmal mehr und einmal weniger Geld investiert werden muss, um den Wirtschaftsprozess zu steuern. In der Betriebswirtschaft wird dieser Faktor als Kapitalbedarf bezeichnet. Um die Übersicht über den Kapitalbedarf nicht zu verlieren und sich ein wirkliches Bild machen zu können, ist es ratsam, den Liquiditätsplan nicht zu weit in die Zukunft zu erstellen. Je mehr Zeit im Voraus einbezogen wird, desto umfangreicher werden die Unsicherheiten.

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So vermeiden Sie typische Fehler bei der Liquiditätsplanung

  1. Vorsteuer und Umsatzsteuer richtig berechnen
  2. Privatentnahmen einplanen
  3. Zahlungsziele miteinbeziehen
  4. Risiko von verspäteten Zahlungen berücksichtigen
  5. Zu optimistische Prognosen vermeiden
  6. Auf eine sorgfältige Erstellung achten und Eingabe- und Übertragungsfehler vermeiden
  7. Kleinere Beträge einbeziehen

Fazit: Liquiditätsplan als sichere Planungsgrundlage für Unternehmen

Die Liquiditätsplanung erfüllt eine Multifunktion in einem Unternehmen. Deshalb ist es sowohl für große Unternehmen als auch für kleine und mittelständische Existenzgründungen obligatorisch, einen Liquiditätsplan zu erstellen.

Mit einem entsprechenden Plan ist also eine Aussage darüber realisierbar, wann und in welcher Höhe im Wirtschaftsbereich finanzielle Mittel abfließen oder eingenommen werden. Der Unternehmerlohn darf dabei nicht fehlen, sonst kommt es zu einer Fehleinschätzung. Diese Vorgehensweise ähnelt der Führung eines normalen Haushaltes, in dem ebenso alle Einnahmen und Ausgaben miteinander verglichen werden. Durch dieses Verfahren ist eine realistische Einschätzung der Umsätze und des Absatzvolumens durchführbar.