Gründungsratgeber

Bootstrapping: mit eigenem Kapital zum Erfolg

Veröffentlicht am 01 Aug 2016
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Nicht immer benötigen Unternehmensgründer Kapital von außen. Wenn Sie sich für Bootstrapping entscheiden, basiert Ihr Geschäft auf Eigenkapital. Dies bietet unter anderem Vorteile im Bereich der Geschäftsanteile, welche Sie im Falle einer Eigenfinanzierung nicht mit anderen Investoren teilen müssen.

Unternehmensgründung ohne Fremdfinanzierung

Wenn ein neues Unternehmen das Licht der Geschäftswelt erblicken soll, haben Gründer viel zu tun. Einen Großteil des Aufwands nimmt oft die Suche nach passenden Investoren ein. Ob Bank oder privater Investor, ob Crowdfinanzierung oder klassischer Förderkredit – bei allen Formen benötigt man aufwendig aufzubereitende Unterlagen. Das Geschäftskonzept muss ausführlich beschrieben werden, häufig werden in wochenlanger Arbeit hübsche Businesspläne erstellt und vieles mehr. Natürlich sind diese Vorarbeiten nicht nur für die Finanzierenden wichtig, sondern gelten auch als hilfreiche Leitlinie für die Gründer selbst. Andererseits ist ein Plan für externe Partner doch immer mit mehr Aufwand verbunden. Benötigt ein junges Unternehmen dagegen keine externe Finanzierung, kann sich der Unternehmer fast schon entspannt zurücklehnen. Man spricht in diesem Fall vom Bootstrapping, also der Finanzierung aus Eigenkapital.

Begriffsherkunft und Hintergründe

Das Wort Bootstrapping stammt aus dem Englischen bzw. aus dem Amerikanischen. Es ist abgeleitet von dem Begriff „Bootstrap“, der „Schnürsenkel“ bedeutet. Die Analogie zwischen der Finanzierungsform und dem Schnürsenkel liegt darin, dass der Gründer beim Bootstrapping den finanziellen Spielraum sehr stark „einschnüren“ muss. Es geht darum, äußerst sparsam mit den eigenen Ressourcen umzugehen und alle Kosten zu vermeiden, die irgendwie vermeidbar sind. Die gesamte Unternehmensentwicklung wird in der Regel durch eine Entscheidung zum Bootstrapping beeinflusst.

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Vorteile

Wenn Unternehmen mit einer großen Menge an Fremdkapital in ihre Geschäftstätigkeit starten, ist dies auf den ersten Blick ein von Luxus geprägter Zustand. Nicht wenige Gründer haben zuvor noch niemals über solch hohe Beträge verfügt und freuen sich sehr, nun vermeintlich nach Herzenslust Anschaffungen tätigen zu können. Es werden neue Computer angeschafft, die besten Maschinen und vielleicht sogar ein repräsentatives Geschäftsfahrzeug. Gerade dann, wenn eine feste Finanzierungszusage von externen Partnern besteht, die über das eigentlich notwendige Kapital hinausgeht, bestehen aber auch Gefahren. Wenn kein Bootstrapping praktiziert wird, geben Gründer häufig schon zu Beginn mehr Geld aus, als notwendig wäre. So können die Finanzen schnell ausgehen und das Gefühl für finanzielle Ressourcen wird nicht stark geschult. Beim Bootstrapping ist dies anders, sodass folgende Vorteile damit verbunden sind:

  • Den Umgang mit Geld lernen: Wer von Anfang an mit wenig Geld auskommen muss, arbeitet in der Regel von Anfang an wirtschaftlich. Das Geld wird nur für diejenigen Dinge ausgegeben, die wirklich notwendig sind oder die aktuell notwendig erscheinen. Auch wenn dies nicht vor gelegentlichen Fehlentscheidungen bewahrt, wird doch beim Bootstrapping oft mehr über Investitionen nachgedacht, was hilfreich ist.
  • Unternehmerische Kreativität entwickeln: Wer nicht viel Geld hat, muss mehr nachdenken – für ein Unternehmen in der StartUp-Phase und darüber hinaus besonders wichtig. Oft sind solche Unternehmen konkurrenzfähiger, weil sie sich auch in schwierigen Situationen gut selbst behelfen können.
  • Soliden Unternehmensaufbau betreiben: Klein anfangen, langsam wachsen. Dies erscheint manchen Gründern, ein zu langwieriger Weg zu sein. Der Lohn dafür ist allerdings, dass der Geschäftsaufbau so sehr solide vonstatten geht. Jede Phase basiert auf dem Erfolg der vorherigen.
  • Wertgegenstände und Personal schätzen: Wer das eigene Geld für die Beschäftigung von Mitarbeitern oder für die Anschaffung von Gegenständen ausgeben muss, hat in der Regel einen stärkeren Bezug zu beidem. Auch dies ist förderlich für die unternehmerische Persönlichkeit der Gründer und sorgt für mehr Wirtschaftlichkeit.

So funktioniert Bootstrapping in der Praxis

Die Basis für das Bootstrapping ist – vereinfacht gesagt – das Sparen. Wer erfolgreich sein möchte, hat selbstverständlich dennoch Ausgaben, denn kaum ein Unternehmen kommt ohne die eine oder andere Anfangsinvestition aus, und sei es nur für die Anschaffung eines neuen Laptops für ein kleines Dienstleistungsunternehmen. Das Bootstrapping funktioniert in der Praxis besonders bei denjenigen Unternehmen gut, die nicht viele Anschaffungen tätigen müssen. Das Ziel bei jedem Bootstrapping ist es, möglichst schnell den Break-Even-Punkt zu erreichen. Dies ist der Punkt, an dem die Einnahmen die bisher getätigten Ausgaben übersteigen. Ist dieses Ziel erreicht, trägt sich das Unternehmen selbst und bringt keine Verluste mehr ein.

Offen, verdeckt oder still – die „Verwandten“ des Bootstrapping

Das Bootstrapping ist die Selbstfinanzierung für StartUp-Unternehmen. Doch auch im späteren Geschäftsverlauf kann sich ein Unternehmen selbst finanzieren, wenn eine Erweiterung oder ein anderes Projekt ansteht. Diese Art der Selbstfinanzierung wird in der Fachwelt in zwei große Bereiche unterteilt, die offene Selbstfinanzierung und die verdeckte oder stille Selbstfinanzierung. Wenn die Finanzierung offen funktioniert, werden Gewinnrücklagen für spätere Geschäftsvorhaben gebildet. Bei der verdeckten oder stillen Variante werden Finanzierungsspielräume durch die rechtlichen Gewinnermittlungsvorschriften oder durch die Bewertungs- und Bilanzierungsregeln möglich. Eine genaue Kenntnis der Rechtslage und der betriebswirtschaftlichen und steuerlichen Vorschriften ist bei einem solchen Vorhaben zwingend notwendig. Details hierzu können beispielsweise mit Betriebs- und Steuerberatern besprochen werden.