auxmoney Finanzpilot

Das Magazin für FinTech- & Finanznews

Die europäische Start-Up Szene wächst.
Veröffentlicht am 21 Mrz 2018

Rekordsummen für Europas Start-Ups

Veröffentlicht am 21 Mrz 2018
Von:
Kommentare: Aus

Noch nie wurde so viel in junge europäische Unternehmen investiert wie 2017. 19,2 Milliarden Euro steckten Investoren insgesamt in zahlreiche Start-Ups, das ist ein Rekordwert. Besonders bemerkenswert ist der starke Anstieg um 84% im Vergleich zum Jahr 2016, nachdem das Gesamtvolumen im Jahr zuvor noch um 2 Milliarden Euro gesunken war.

Europäische Start-Up Szene wächst

Anders als erwartet verliefen auch die Investments in britische Start-Ups. Der Brexit wirkte sich 2017 nämlich noch gar nicht auf die Bilanz aus, sogar ganz im Gegenteil: es wurde so viel in Großbritannien investiert wie noch nie zu vor. Die Finanzierungsrunden stiegen um 83% auf 893, haben sich also fast verdoppelt. Das Investitionsvolumen stieg sogar um weit mehr als das Doppelte von 2,7 auf 6,4 Milliarden Euro. Damit setzt sich Großbritannien klar von den Franzosen ab, die sowohl bei den Finanzierungsrunden als auch beim Investitionsvolumen nur einen geringen Anstieg verzeichnen konnten. Die deutsche Start-Up-Szene wächst dagegen stärker als die des Nachbarlandes. 2017 wurden mit 4,3 Milliarden Euro ganze 2 Milliarden Euro mehr investiert als noch 2016. Dadurch sind Großbritannien und Deutschland im europäischen Vergleich die klare Nummer 1 und 2, Frankreich fällt mit dem geringen Wachstum von 2,2 auf 2,6 Milliarden Euro auf den dritten Platz zurück. 2017 liegen zwischen den drei stärksten europäischen Start-Up-Ländern in Sachen Investitionsvolumen also schon jeweils 2 Milliarden Euro, im Vorjahr lagen Großbritannien, Deutschland und Frankreich noch in etwa gleich auf. Unser Nachbarland Österreich belegt im europäischen Ländervergleich mit 138 Millionen Euro Investitionsvolumen übrigens den 14. Platz.

London ist Europas Start-Up Hauptstadt

Das enorme Wachstum der britischen Start-Up-Szene spielt sich zu einem Großteil in der Hauptstadt London ab. Durch das Wachstum Englands ist London seit letztem Jahr nicht nur die britische Hauptstadt, sondern hat auch Paris als europäische Start-Up-Hauptstadt abgelöst. Mit 4,9 Milliarden investierten Euros aus 547 Finanzierungsrunden ist London im europäischen Städtevergleich die klare Nummer 1. An zweiter Stelle folgt die deutsche Hauptstadt Berlin mit 3 Milliarden Euro Investitionsvolumen. Paris fällt mit 2 Milliarden Euro auf den dritten Rang zurück. Dafür hielten die Franzosen mit 364 zu 232 mehr Finanzierungsrunden ab als die Berliner, bei der extrem starken Entwicklung der Briten und Deutschen kann Paris aber nicht mithalten. Die Top 5 wird von Basel und Stockholm mit einer Milliarde, beziehungsweise 595 Millionen Euro Investitionsvolumen komplettiert. Weitere deutsche Städte sind mit München und Hamburg auf den Plätzen 7 und 13 zu finden.

Schweizer Start-Up erhält knapp eine Milliarde Euro

Der größte Deal des vergangenen Jahres wurde in der Schweiz abgeschlossen. Nahezu der ganze Betrag von einer Milliarde Euro, der in Basel investiert wurde, floss in nur ein einziges Start-Up. Das BioTech Unternehmen „Roviant Sciences“ erhielt im August 2017 mit 976 Millionen Euro die höchste in Europa investierte Summe. Das zweit größte Investment wog nur etwas mehr als die Hälfte der Summe aus Basel: das britische Virtual Reality Start-Up „Improbable“ erhielt 445 Millionen Euro. Ebenfalls aus dem Vereinigten Königreich kommt der Lieferdienst „Deliveroo“, der im September letztes Jahres 428 Millionen Euro erhielt. Platz 4 und 5 belegt ein und dasselbe Unternehmen, nämlich das Berliner Start-Up „Delivery Hero“, das ebenfalls in der Food-Delivery-Branche tätig ist. Im Mai erhielten die Berliner eine Finanzspritze über 387 Millionen Euro, einen Monat später erwirtschaftete man beim Börsengang 423 Millionen Euro.

Bereitschaft zu Risikokapitalinvestitionen steigt

Noch nie haben so viele europäische Unternehmen frisches Kapital erhalten wie im vergangenen Jahr. In den meisten großen europäischen Märkten stiegen sowohl die Investitionssummen als auch die Finanzierungsrunden, noch nie wurde so viel Geld ausgegeben um innovative Geschäftsmodelle oder Technologien weiterzuentwickeln und zu verbessern. „Das zeigt, dass das europäische Start-Up-Ökosystem weiter an Stärke gewinnt“, meint Peter Lennartz, Partner bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young, die für das Start-Up-Barometer Europa verantwortlich ist. Nicht nur das Interesse an vielversprechenden Geschäftsideen und innovativen Technologien ist bei Investoren enorm groß, auch die Bereitschaft Risikokapital zu investieren steigt immer weiter. So stiegen die Finanzierungen mit einem Volumen von über 100 Millionen Euro europaweit von 7 auf 23.

Deutschland investiert in E-Commerce, Großbritannien in FinTech

Zwischen den beiden stärksten Start-Up Ländern Großbritannien und Deutschland gibt es vor allem einen Unterschied: die Sparte in die investiert wird. In Deutschland fließt viel Geld in E-Commerce Start-Ups, während im Vereinigten Königreich vermehrt in FinTech und Technologie Unternehmen investiert wird. Der häufig gefürchtete Brexit zeigte bisher noch keinerlei Auswirkungen, nicht nur die Transaktionen an sich, sondern auch das Volumen dieser stieg in Großbritannien stark an. Auch der von vielen erwartete Einbruch bei den Risikokapitalinvestitionen blieb bis lang aus, es wurden sogar mehr Investitionen getätigt als vor dem Brexit. Ein Grund dafür könnte die Stärke der britischen Start-Up-Szene sein, die einige vielversprechende Technologie und FinTech Unternehmen hervorgebracht hat und im europäischen Vergleich nicht ohne Grund der Spitzenreiter ist. Trotz aller Stärke werden die Karten nach dem vollendeten Brexit aber neu gemischt und das Risiko, dass Großbritannien durch Komplikationen an Attraktivität verliert, wird dann sicher nicht kleiner.

Bildquelle: shutterstock.com

auxmoney Banner
Marc Steppke
Über den Autor
Marc Steppke ist seit 2017 bei auxmoney. Neben aktuellen FinTech-News berichtet er über die internationale Wirtschafts- und Finanzbranche.