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Kryptowährungen
Veröffentlicht am 05 Jan 2018

Kryptowährungen in 2017: Ein Rückblick (Teil 1)

Veröffentlicht am 05 Jan 2018
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2017 war zweifellos das Jahr der Kryptowährungen. Während am Anfang des Jahres wohl nur die wenigsten überhaupt von Währungen wie Bitcoin oder Ripple gehört hatten, ist die Zahl ihrer Anhänger im Jahresverlauf ebenso sprunghaft angestiegen wie die Kurse. Mittlerweile ist der Hype um „Krypto-“ so groß, dass man mit Neuigkeiten, Prognosen und Expertenmeinungen geradezu bombardiert wird. Trotzdem sind Kryptowährungen für die Meisten immer noch ein Buch mit sieben Siegeln. Das Konzept entzieht sich dem klassischen Verständnis von „Geld“ und ist zudem noch weit von einer allgemeinen Verbreitung im Alltag entfernt. Genauso unübersichtlich ist die News-Lage, da täglich am laufenden Band neue Berichte erscheinen, was einen Überblick massiv erschwert. Genau hier soll der folgende Rückblick einsetzen, um im Dickicht einen Überblick zu ermöglichen.

Was genau sind die Lehren, Ereignisse, Entwicklungen und Probleme, die uns aus dem Krypto-Jahr 2017 in Erinnerung bleiben werden?

Teil 1: Das Jahr der Riesenkurszuwächse – Mit Bitcoin zum Millionär?
Teil 2: Der Bitcoin geht an die Börse und der Beginn staatlicher Regulierung
Teil 3: ICOs und Blockchain – Ideen für die Zukunft?

Das Jahr der Riesenkurszuwächse – Mit Bitcoin zum Millionär?

Es ist viel passiert in 2017, aber der wohl entscheidende Grund dafür, warum das Thema Kryptowährungen überhaupt erst so groß geworden ist, sind die teilweise enormen Kurszuwächse einzelner Währungen. Vorreiter, Archetyp und prominentestes Beispiel dafür ist natürlich der Bitcoin. Die Währung konnte im Jahresverlauf ihren Wert teilweise verzwanzigfachen. Waren es Anfang Januar 2017 noch ca. 1000 US-Dollar für einen Bitcoin, liegt der Wert nun (mehr oder minder stabil) bei ca. 14.000 bis 15.000 Dollar. Der riesige Sprung, den die wenigsten Analysten vorhersehen konnten, trat vor allem gegen Ende des Jahres ein, als der Bitcoin praktisch jeden Tag neue Rekordwerte erreichte.

Der Bitcoin stößt an seine Grenzen

Bitcoin

Quelle: Shutterstock

Die Meldungen über Menschen, die zum richtigen Zeitpunkt investierten und quasi „über Nacht“ zu Millionären wurden, weckten Begehrlichkeiten. Die Bitcoin-Euphorie, angeheizt durch mehr und mehr interessierte Anleger, die sich vom Kursverlauf anlocken ließen, katapultierte die Kryptowährung in Werteregionen, die nicht nur die Nachhaltigkeit dieser Entwicklung in Frage stellen, sondern vor allem auch den Sinn des Bitcoin als Ganzem. Dieser wurde schließlich als Währung erfunden, kann jedoch als solche kaum noch sinnvoll genutzt werden. Dafür gibt es vor allem zwei handfeste Gründe:

  1. Die teilweise enormen Wertschwankungen innerhalb kürzester Zeiträume und das damit verbundene Risiko machen die Währung für Händler extrem unattraktiv, da sie potentiell sehr starke Wertverluste in Kauf nehmen müssen
  2. Die technologische Architektur des Bitcoin ist für ein so großes Transaktionsvolumen wie momentan nicht ausgelegt. Bis eine einzelne Transaktion durchgeführt werden kann, kann es von der Auftragserstellung ab mehrere Tage dauern. Außerdem fallen sehr hohe Transaktionsgebühren an, die im Falle von Alltagsbeträgen häufig wesentlich höher ausfallen als die eigentlich transferierte Summe.

Hinzu kommt ein weiteres Problem: Damit die Blockchain, auf die der Bitcoin basiert, am Laufen gehalten werden kann, werden mittlerweile enorme Rechnerkapazitäten benötigt. Diese wiederum kosten Unmengen an Strom. Die Aufrechterhaltung des Bitcoin frisst derzeit so viel Strom pro Zeiteinheit wie der gesamte Staat Qatar. Tendenz: Steigend.

In der Folge verliert der Bitcoin, der selbst zu Hochzeiten überhaupt nur bei einer kleinen Auswahl von Plattformen zum Bezahlen verwendet werden konnte, immer mehr Rückhalt von Online- und Offline-Shops gleichermaßen. Prominentes Beispiel dafür ist Steam. Die Gaming-Plattform zog die Unterstützung für den Bitcoin aus den genannten Gründen zurück.

Seinen eigentlichen Zweck, die Zahlung von Waren und Dienstleistungen mit einem dezentralen System zu ermöglichen, kann der Bitcoin also kaum noch erfüllen. Die Skalierungsprobleme, vor denen Kritiker bereits seit Jahren gewarnt hatten, werden damit mehr als offensichtlich. Es müsste technisch noch einiges passieren, um den Bitcoin in größerem Maßstab als Zahlungsmittel verwendungsfähig zu machen. Dies tut der Beliebtheit der Kryptowährung als Anlageobjekt aber natürlich keinen Abbruch. Zwar kommen auch hier die oben genannten Probleme zum Tragen, doch wer langfristig investieren möchte und die bisher erreichten Traumrenditen vor Augen hat, lässt davon wohl kaum abbringen.

Andere Kryptowährungen ziehen nach

Auch wenn der Bitcoin die News der letzten Wochen dominiert hat, hat sich auf dem Kryptowährungsmarkt insgesamt noch viel mehr getan. Insgesamt legten viele der mittlerweile etablierten „Alt-Coins“ ebenfalls rasante Kursanstiege hin und profitierten dabei vom gigantischen Medieninteresse, dass der Bitcoin nicht nur auf sich selbst, sondern auf Kryptowährungen allgemein zog. Während es beinahe unmöglich ist, im unendlich groß erscheinenden Gewirr verschiedener Coins und Tokens den Überblick zu behalten, zeigt schon ein Blick auf die größten Bitcoin-Alternativen: Der Trend in 2017 zeigte steil nach oben.

Ripple Logo

Quelle: ripple.com

Das Beispiel Ripple ist besonders beeindruckend. Die Währung steigerte sich im Wert von 0,6 US-Cent auf nun über 3,20 Dollar. Was in absoluten Werten gemessen auf den ersten Blick nicht sehr beeindruckend aussieht, entspricht einer Wertsteigerung von mehreren zehntausend Prozent! Eine solche Wertsteigerung erscheint völlig unrealistisch – und steht damit stellvertretend für die gesamte Entwicklung in diesem Bereich. Einige Prognosen sehen den Wert sogar noch weiter stark wachsend. Bei der Marktkapitalisierung ist Ripple bereits die zweitgrößte Währung, nachdem Ethereum Ende Dezember überholt wurde.

Neben Ripple gibt es noch genug andere Beispiele, die belegen: Kryptowährungen sind insgesamt zu einem großen Thema und einem interessanten Anlageobjekt geworden, nicht bloß der Bitcoin. Schaut man sich die Coins und ihre Technologien an, können viele Alternativwährungen sogar handfeste Vorteile gegenüber dem Bitcoin ausspielen, mehr dazu im dritten Teil unseres Specials.

Bildquelle: shutterstock.com

Gerrit Neumann
Über den Autor
Gerrit Neumann ist seit 2017 bei auxmoney. Er berichtet vor allem von aktuellen Entwicklungen im Bereich der FinTechs und Kryptowährungen.