auxmoney Finanzpilot

Das Magazin für FinTech- & Finanznews

facebook amazon apple google uber wechat superapps
Veröffentlicht am 04 Feb 2020

Facebook, Amazon und Co. eifern WeChat nach

Veröffentlicht am 04 Feb 2020
Von:
Kommentare: Aus

Stellen wir uns einmal vor, man könnte mit nur einer App sämtliche Geschäfte des Alltags erledigen: Mit anderen kommunizieren, bezahlen, Taxi bestellen und Tickets buchen. In Asien ist diese Vorstellung keine Fantasie mehr, sondern längst Alltag. Und der Rest der Welt scheint nachziehen zu wollen.

WeChat – mehr als nur ein Kommunikationsdienst

Der chinesische Messenger-Dienst WeChat gilt weltweit als Vorreiter unter dem sogenannten „Super-Apps“. Er ermöglicht den Nutzern unter anderem, Einkäufe zu erledigen, Termine zu buchen und Bewertungen abzugeben. Sämtliche Dienstleistungen sind damit in einer Plattform gebündelt. Dass mittlerweile sogar Spenden für Straßenmusiker und Bettler über WeChat mit einem QR-Code getätigt werden können, zeigt, dass die App aus dem Alltag kaum mehr wegzudenken ist.

Was die asiatischen „Super-Apps“ so erfolgreich macht

Neben WeChat sind auch Mitbewerber wie Meituan, Gojek und Grab in Asien aktiv und verfolgen ein ähnliches Erfolgsmodell: Sie fangen mit einem hochfrequenten und niedrigmargigen Geschäftsfeld an, wie zum Beispiel Essenslieferungen oder Kurierdienstleistungen. Dann fügen sie ihrem Portfolio niedrigfrequente und hochmargige Geschäftsfelder hinzu. Dazu gehört unter anderem die Buchung von Hotelzimmern und Tickets. Der Vorteil ist, dass Kundenakquisitionskosten weitgehend ausbleiben, weil man bereits auf einen Nutzerstamm zurückgreifen kann.

Auch in den US-Markt kommt Bewegung

Wollen die großen amerikanischen Unternehmen nun nachziehen? Indizien dafür gibt es. Facebook testet zurzeit in Indien eine Zahlungsfunktion innerhalb von Whatsapp. Die Parallelen zu WeChat sind dabei nicht zu übersehen. Google verfügt mit Google Maps über eine nutzerstarke App, auf die bereits aktuell viele Offline-Transaktionen zurückzuführen sind. Zusammen mit dem Bezahldienst Google Pay könnte dieser Vorteil genutzt werden, um eine „Super-App“ aufzubauen.
Über einen Bezahldienst verfügt auch Apple. Das Unternehmen plant zudem, iMessage zu einer Plattform auszubauen. Allerdings ist Apple vor allem im Hardwaregeschäft erfolgreich und weniger im Softwarebereich. Amazon hingegen war und ist von Anfang an eine Transaktionsplattform und stellt seinen Bezahldienst Amazon Pay schon jetzt anderen Händlern zur Verfügung. Wie Facebook richtet auch Amazon den Blick nach Indien. Dort möchte das Unternehmen in das Geschäft der Essenslieferungen und Flugbuchungen einsteigen. Später sollen Taxi-Dienste und Hotelbuchungen dazu kommen.

Start-ups werden zu multifunktionalen Anbietern

Nichts Geringeres, als zum „Betriebssystem des alltäglichen Lebens“ zu werden, hat sich das Mobility-Start-up Uber vorgenommen. Dazu bietet das Unternehmen vielfältige weitere Dienstleistungen an. Diese gehen mit einem Jobportal und einem Essenslieferdienst bereits über den Mobilitäts-Bereich hinaus.
Der Trend geht also auch im Westen hin zu Apps und Plattformen, die sämtliche Aufgaben des täglichen Lebens abdecken. Ob damit an den Erfolg von WeChat angeknüpft werden kann, wird sich zeigen.

Bildquelle: shutterstock.com

auxmoney Banner
Michelle Kämpfer
Über den Autor
Michelle Kämpfer beschäftigt sich insbesondere mit der lokalen Startup-Szene mit Schwerpunkt auf der FinTech-Branche. Sie arbeitet seit 2018 bei auxmoney.