Optionsscheine - auxmoney Finanzlexikon

Optionsscheine

1. Optionsbedingungen

Optionsscheine, auch warrants genannt, sind Wertpapiere. Sie werden heute zumeist nicht mehr in Form effektiver Zertifikate begeben, sondern als Sammelurkunden hinterlegt, und weisen recht unterschiedliche Ausstattungsmerkmale auf. Die genauen Spezifikationen schreibt der Emittent, oftmals eine Geschäftsbank oder ein Broker-Haus, in den Optionsbedingungen fest.

Diese geben insbesondere Aufschluss über Basiswert und -preis, Typ (europäisch oder amerikanisch), Bezugsverhältnis (Optionsverhältnis), Laufzeit (Optionsfrist) sowie besondere Merkmale, wie zum Beispiel eine "Geld-zurück-Garantie", und werden jedermann in Form eines Verkaufsprospektes kostenlos zur Verfügung gestellt. Kurzfassungen der Optionsbedingungen publizieren Geschäftsbanken und Broker auch in Form von Finanzanzeigen.

2. Klassifizierung

Warrants lassen sich mit Hilfe der Kriterien "Basiswert (Underlying)", "Struktur", "Emissionsform" und "Unterlegung" klassifizieren.

2.1 Optionsscheine nach dem Underlying

Die Underlyings für warrants waren zunächst überwiegend Aktien. So emittierten große US-amerikanische Aktiengesellschaften bereits in den 20er Jahren sogenannte stock-option warrants, die die Inhaber berechtigten, innerhalb einer bestimmten Frist und zu einem vorher festgelegten Preis eine oder mehrere Aktien der jeweiligen Gesellschaft zu erwerben. Heutzutage laufen sowohl Call- als auch Put-Optionsscheine um. Sie beziehen sich auf verschiedene Basiswerte. Die wichtigsten zugrundeliegenden Finanzobjekte sind Aktien und Indizes (Aktien-, Indexscheine), Zinssätze bzw. konkrete Anleihen (Zinsscheine) sowie Währungen (Währungsscheine) und Derivate (Scheine auf Derivate).

2.1.1 Zinsscheine (Struktur)

Im Vergleich zu anderen Scheinen weisen Zinsscheine eine Besonderheit auf. Sie können sowohl auf Anleihen als auch auf Zinssätzen basieren. Im Falle von Anleihen ist der Strike Price ein Kurs, und der Innere Wert ergibt sich als Differenz aus Kurs und Basispreis. Genau wie beispielsweise bei Aktien- oder Devisenoptionen hofft der Käufer eines Calls daher auf steigende, der Käufer eines Puts hingegen auf sinkende Kurse. Mit anderen Worten: Call-Käufer erwarten einen Zinsrückgang und Put-Käufer einen -anstieg, was auf die inverse Beziehung zwischen Zinsniveau und Kursen zurückzuführen ist.

Bei Scheinen, die auf Zinssätzen basieren, ist es im Grunde genommen genauso. Der Call-Käufer profitiert von sinkenden Zinssätzen, der Put-Käufer jedoch von steigenden. Da den Scheinen aber ein Zinssatz und kein Kurs zugrunde liegt, hat ein Call genau dann einen Inneren Wert, wenn der Zinssatz am Ausübungstag unterhalb des Basissatzes liegt, und ein Put, sofern das Gegenteil zutrifft. Das Merkwürdige an warrants auf Zinssätze ist folglich, dass der Erwerber einer Kaufoption (Verkaufsoption) mit einem fallenden (steigenden) Wert des Underlyings rechnet. Es ist jedoch zu bedenken, dass der Käufer eines "Zinssatz-Calls" insgeheim, genau wie der Käufer eines "Anleihe-Calls", auf steigende Kurse setzt, die wiederum durch sinkende Zinsen hervorgerufen werden.

2.1.2 Korboptionsscheine

Liegt einem warrant nicht eine einzige Aktie, Anleihe oder etwa Währung zugrunde, sondern eine Vielzahl ähnlicher Basiswerte, wie zehn verschiedene Aktientitel aus der Automobilbranche oder fünf unterschiedliche Währungen, so spricht man auch von einem Korboptionsschein oder basket warrant.

2.2 Plain-Vanilla versus exotische Optionsscheine (Struktur)

Warrants mit gleichartigem Underlying, beispielsweise Aktien-, Währungs- oder Indexscheine, sind entweder "einfach strukturiert", englisch "plain-vanilla", oder "exotisch". Plain-Vanilla-Scheine verbriefen schlichtweg das Recht zum Kauf oder Verkauf des Underlyings, in den allermeisten Fällen erfolgt ein Cash-Settlement. Die Ausgestaltung exotischer Scheine weicht mitunter erheblich von der Konstruktion der Plain-Vanilla-Scheine ab. Exoten weisen etwa einen überproportionalen Hebel auf oder verfallen bei Überschreiten einer gewissen Kursschwelle wertlos.Die Prämien bilden sich, je nach Verteilung der Chancen und Risiken, verständlicherweise anders als bei Plain-Vanillas. Gegenüber einfach strukturierten Scheinen können sie möglicherweise höher oder auch geringer ausfallen.

2.3 Klassische versus nackte Optionsscheine (Emissionsform)

Warrants sind entweder Bestandteil eines anderen Wertpapiers, etwa einer Anleihe, eines Genussscheins oder einer Aktie ("klassische Scheine"), oder aber Titel, die von vornherein ohne ein anderes Wertpapier, also quasi "nackt", begeben werden. Für sie ist die Bezeichnung "nackte" warrants geläufig.

Klassische Scheine verbriefen immer das Recht, ein Finanzobjekt, das Underlying, innerhalb eines bestimmten Zeitraumes, der Bezugsfrist, zu einem festgeschriebenen Preis, dem Bezugspreis, zu erwerben. Sie sind daher niemals Puts. Das Bezugsrecht gilt vorwiegend für Wertpapiere und wird von Aktiengesellschaften gewährt, um Anleiheemissionen attraktiver zu gestalten bzw. Fremdkapital zu günstigeren Konditionen aufbringen zu können. Die zugrundeliegenden Wertpapiere stammen zumeist von der ausgebenden Gesellschaft selbst. Die Ausübung eines klassischen warrants auf Aktien oder Anleihen führt grundsätzlich zu einer veränderten Kapitalstruktur des Emittenten, im Falle eines Aktienscheins erhöht sich das Eigen- und im Falle eines Anleihescheins das Fremdkapital. Deutsche Aktiengesellschaften dürfen Scheine zum Bezug von Aktien daher ausschließlich im Rahmen einer bedingten Kapitalerhöhung emittieren. Die Zustimmung der Anteilseigner ist folglich immer erforderlich.

Im Unterschied zu nackten warrants wird bei klassischen Scheinen das Underlying erst zum Zeitpunkt der Ausübung geschaffen. Bildhaft erläutert stellt der Emittent das Aktien- bzw. Anleihezertifikat erst bei Ausübung der Option aus.

Nackte warrants stellen heute die größere Gruppe der warrants dar. Sie beurkunden sowohl Kauf- als auch Verkaufsoptionen. Die Underlyings laufen im Ausgabezeitpunkt der Scheine bereits um, sodass etwa die Ausübung eines nackten Aktien-Call-Scheins nicht zu einer Erhöhung des Grundkapitals der betreffenden AG führt. Dieser Aspekt ist letztendlich zu vernachlässigen, da die Emissionsbedingungen nackter warrants generell ein Cash Settlement vorsehen.

2.4. Gedeckte versus ungedeckte Optionsscheine (Unterlegung)

Besitzt der Schreiber eines nackten warrants das Underlying während der Laufzeit des Scheins, so spricht man auch von einem gedeckten warrant oder covered warrant. Grundsätzlich können all diejenigen nackten warrants, die sich auf konkrete Vermögensgegenstände, etwa Aktien oder Anleihen beziehen, als covered warrants begeben werden. Der Begriff findet jedoch im Allgemeinen nur im Zusammenhang mit nackten Aktienscheinen Verwendung.

Die Emissionen gedeckter Aktienscheine ist insbesondere für Versicherungs- und Kapitalanlagegesellschaften interessant. Diese verfügen gemeinhin über umfangreiche Wertpapierbestände und können durch den Verkauf der warrants zusätzliche Finanzierungsquellen erschließen, und zwar insbesondere dann, wenn mit einer Ausübung nicht zu rechnen ist.