Zinsschwankungen - auxmoney Finanzlexikon

Zinsschwankungen

Maßzahl zur Risikobeurteilung

Starke Kurs- und Zinsschwankungen sind auch unter dem Begriff Volatilität bekannt. Der Begriff ist ein Wirtschaftsanglizismus und drückt die durchschnittlichen Schwankungen einzelner Devisen- und Aktienkurse sowie Zinssätze aus. Diese Schwankungen können ganze Märkte oder Teile von ihnen betreffen. Die Volatilität von Wertpapieren ergibt sich aus der Berechnung von der Standardabweichung relativer Kursdifferenzen. Sie misst die Schwankungsanfälligkeit der Preise und Renditen von Anlageobjekten. Die Volatilitätsmessung wird mit Hilfe der Standardabweichung von Aktienrenditen und Aktienkursen sowie mit der Varianz (Abweichung von einem Mittelwert) berechnet. Hierbei wird die Streuung um die Durchschnittsrendite und den Durchschnittskurs gemessen. Das Ergebnis ist gleichzeitig ein Maß für die Risikobewertung der Finanzanlagen.

Zinsrisiken können sich nicht nur im Tages- und Festgeldgeschäft, sondern bei allen auf dem Finanzmarkt getätigten Geldanlage ergeben. Hierzu gehören Immobilien, Lebensversicherungen, Bausparen, globale Rentenfonds, staatlich geförderte Vorsorgeprogramme sowie Investitionen in verschiedene Rohstoffmärkte. Die Globalisierung von Wirtschaft und Handel zieht gleichzeitig die grenzüberschreitende Öffnung der Finanzmärkte nach sich und erleichtert den Teilnehmern den Zugang. Laut Finanzmarktexperten hat die Zinsvolatilität sowohl im längerfristigen als auch im kurzfristigen Vergleich zugenommen. Weitere Ursachen für Zinsschwankungen sind Änderungen der wirtschaftlichen Rahmen- und Handlungsbedingungen mit einem Übergang zu flexiblen Wechselkursen, zunehmende monetäre, von Leistungsaktionen losgelöste Transaktionen, konjunkturelle Wachstumsschwächen, ein Rückgang der Überschussliquidität im Finanzsystem und die Einführung neuer Techniken wie computergestützter Handel und Charttechniken.

Zinsgarantie zur Vermeidung von Zinsrisiko

Der Zinssatz von Tagesgeldkonten ist, wie jede andere Geldanlage auch, dem Zinsrisiko an den Finanzmärkten unterworfen. Bedingt durch diese Marktschwankungen kann sich der Zinssatz sowohl nach oben als auch nach unten bewegen. Die meisten Anbieter sind daran interessiert, den Zinssatz stabil zu halten. Anleger von Tagesgeldkonten sind besonders stark von der Entwicklung des Referenzzinses betroffen. Entwickelt sich der Marktzins nach oben, steigen die Zinssätze der Tagesgeldkonten. Fallen die Zinsen, sind die Tagesgeldkonten negativ durch diese Zinssenkungen betroffen. Aus diesem Grunde sind einige Kreditinstitute mittlerweile dazu übergegangen, für ihre Tagesgeldgeschäfte eine Zinsgarantie in Form eines Festzinses für einen bestimmten Zeitraum anzubieten, um diese Schwankungen teilweise abzufangen. Diese marktbedingten Schwankungen stellen ein Zinsrisiko dar, das den Ertrag der Geldanlage positiv oder negativ beeinflussen kann. Bei Festgeldkonten müssen sich Anleger keine Gedanken um Zinsschwankungen machen, da die Zinsen bereits mit Einrichtung des Kontos festgelegt werden.

Reguläre und individuelle Zinsinstrumente

Zinsänderungsrisiken sind je nach Geldanlage unterschiedlich stark ausgeprägt. Sie bestehen rückwirkend für Geldanlagen, die bereits abgeschlossen wurden sowie für Geldgeschäfte, die in der Gegenwart und der Zukunft getätigt werden. Zinsschwankungen können durch Einsatz von Zinssicherungsinstrumenten reduziert oder eliminiert werden. Ein wirkungsvolles Risikomanagement erkennt und erfasst diese Risiken und trifft anschließend die entsprechenden Maßnahmen unter Berücksichtigung der Zinserwartung. Da Anleger in der Regel risikoavers (risikoscheu) sind, versucht der Finanzmarkt, Zinsänderungsrisiken zu umgehen oder zumindest zu begrenzen. Dabei setzt er auf Portfoliomanagement, Diversifikation, Hedging und verschiedene Zinsinstrumente aus dem Kassa-, Termin- und Optionsmarkt.

Der Finanzmarkt unterscheidet zwischen börsengehandelten und nicht börsengehandelten (maßgeschneiderten) Zinsinstrumenten. Hierzu zählen Wertpapiere und Devisen (Kassa), 3-Monats-EURIBOR-Futures, Futures auf Bundesanleihen, Zinsswaps, Zinswährungsswaps (Termingeschäft), Optionen auf 3-Monats-EURIBOR-Futures, Optionen auf Futures und Bundesobligationen, Caps, Floors, Collars, Forward Rate Agreements, Swaptions und OTC-Bond-Optionen. Auch geldmarktnahe Fonds wie Einlagen-Zertifikate bei Finanzinstituten, unverzinsliche Schatzwechsel, Schatzanweisungen oder ähnliche Wertpapiere der OECD-Staaten sind bei kurz- bis mittelfristigen Anlagen weitgehend unabhängig von Zinsschwankungen.