Risikobereitschaft - auxmoney Finanzlexikon

Risikobereitschaft

Bedeutung: Risikobereitschaft

Da der Begriff Risikobereitschaft eine Reihe unterschiedlicher Bedeutungen aufzeigt, fällt eine Begriffsbestimmung nicht leicht. Einige verbinden mit der Risikobereitschaft für eine Anlage die Gefahr, dass der vom Investor eingesetzte Geldbetrag nicht oder nicht vollständig zurückgezahlt wird (Gefahr eines Kapitalverlustes), während andere darunter die Gefahr verstehen, dass ein angestrebtes Anlageziel wie zum Beispiel eine bestimmte Mindestrendite nicht erreicht wird (Gefahr einer Zielverfehlung). Wieder andere fassen die im Zeitablauf zu beobachtenden Schwankungen der Rendite (Renditeschwankungen) als Risiko einer Anlage auf. Im Assetmanagement hat sich die zuletzt genannte Sichtweise des Begriffs Risiko weitgehend durchgesetzt.

Standardabweichung der Rendite

Ein Investor kann eine riskante von einer weniger riskanten Anlage in aller Regel nicht oder nur mühsam durch einen Vergleich der Renditeverläufe der jeweiligen Alternativen voneinander trennen. Zweckmäßig wäre vielmehr eine Kennzahl, die den Risikogehalt einer Anlage ausdrückt und die einen direkten Vergleich der zur Auswahl stehenden Alternativen ermöglicht. Eine solche Kennzahl stellt die Standardabweichung der Rendite dar. Um das Konstruktionsprinzip und den Aussagegehalt dieser Kennzahl zu durchleuchten, werden die einzelnen Berechnungsschritte vorgestellt.

  • 1. Schritt: Erfassung der historischen Renditen der betrachteten Anlage (Zeitreihe der Renditen).
  • 2. Schritt: Bildung des Durchschnittswertes der historischen Renditen
  • 3. Schritt: Subtraktion des Durchschnittswertes von jedem einzelnen Renditewert aus der Zeitreihe (Abweichung einer einzelnen Rendite von der Durchschnittsrendite). Der Differenzwert wird sodann quadriert. Als Ergebnis erhält man die Zeitreihe der quadrierten Abweichungen.
  • 4. Schritt: Die quadrierten Abweichungen werden addiert.
  • 5. Schritt: Die Summe der quadrierten Abweichungen wird durch die Anzahl der historischen Renditen dividiert.
  • 6. Schritt: Aus dem nach dem 5. Schritt erhaltenen Wert wird die Quadratwurzel gezogen.

Die Standardabweichung der Renditen einer Anlage gibt an, um wieviel die Einzelrenditen im Durchschnitt von ihrem Mittelwert, und zwar sowohl nach oben als auch nach unten, abweichen. Die Standardabweichung erfasst sowohl positive als auch negative Abweichungen ("Gefahr und Chance") und nimmt nur dann einen Wert von Null an, wenn die Rendite im Zeitablauf konstant bleibt, also nicht schwankt. In diesem Fall wird von einer risikolosen (sicheren) Anlage gesprochen. Eine Anlagealternative wird bei einer Risikoquantifizierung mittels der Standardabweichung umso riskanter eingeschätzt, je höher der Wert der Standardabweichung ist.

Eine Beurteilung des Risikogehalts einer Anlage anhand der Standardabweichung ist aber nicht unproblematisch. Sie basiert auf Renditen und damit auf historischen Daten, die in der Zukunft ganz andere Ausprägungen annehmen können als in der Vergangenheit. Die Standardabweichung eignet sich deshalb nur bedingt zur Abschätzung des Ausmaßes zukünftiger Abweichungen. Es ist außerdem fraglich, ob sich der Risikogehalt einer Anlage mit der Standardabweichung angemessen erfassen lässt. Eine Anlage, deren Rendite im Zeitablauf zum Beispiel ständig steigt, weist eine Standardabweichung größer als Null auf, obwohl in diesem Fall kaum von einem Risiko gesprochen werden darf.

Für einige Anlagealternativen, insbesondere für Aktien, werden regelmäßig Risikokennziffern, die sogenannten Volatilitäten, veröffentlicht, die auf der Standardabweichung basieren.

Diversifikation

Investoren teilen ihr Geld häufig auf diverse Anlagealternativen auf, anstatt ausschließlich eine einzige Anlage zu erwerben. Dieses Vorgehen wird auch als Diversifikation bezeichnet. Eine Diversifikation kann durchaus sinnvoll sein, wenn zwischen den Renditeentwicklungen der einzelnen Anlagealternativen ein entsprechender Zusammenhang vermutet werden kann. Eine Diversifikation führt nur dann zu einer Risikoreduktion, wenn zwischen den Renditen der ausgewählten Anlagen ein Zusammenhang in dem Sinne besteht, dass in Zeiten geringer Renditen des einen Teils der Anlagen der andere Teil des Portefeuilles hoch rentiert und umgekehrt. Man spricht in diesem Fall von einem Diversifikationseffekt.

Performance

Bei der Auswahl einer Anlage spielt nicht nur die zu erwartende Rendite eine Rolle, sondern auch die mit der Anlage verbundene Übernahme von Risiko, d. h. die Risikobereitschaft. Entscheidend für eine Anlageauswahl ist deshalb die Rendite-Risiko-Relation (Performance).

Viele Anleger sind nicht gewillt ihre Risikobereitschaft beliebig zu erhöhen, auch wenn die Renditeerwartungen dadurch steigen. Die Bereitschaft zur Risikoübernahme hängt von der Einstellung eines jeden Anlegers zum Risiko ab. Einige Investoren akzeptieren bei einer Geldanlage gar kein Risiko (Sicherheitstyp), wohingegen andere auch höchste Risiken, die sogar bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen können, auf sich nehmen (Spielertyp). Bei einer Anlageentscheidung wird deshalb zumeist so vorgegangen, dass aus Anlagealternativen, die ein bestimmtes, vom Investor toleriertes, Risiko nicht überschreiten, diejenigen ausgewählt werden, die die höchste Rendite erwarten lassen. Da sich die Rendite und das Risiko einer Anlage oftmals erst angeben lassen, wenn die Anlage wieder verkauft wurde, kann auch die Performance erst im Nachhinein bestimmt werden.