Vorfälligkeitsentschädigung - auxmoney Finanzlexikon

Was ist eine Vorfälligkeitsentschädigung?

Möchten Darlehensnehmer ihren Kredit außerplanmäßig bzw. vorzeitig zurückzahlen, erheben Banken in der Regel eine Vorfälligkeitsentschädigung. Diese dient dazu, der Bank den Schaden aus entgangenen Zinseinnahmen zu ersetzen. Zu unterscheiden ist zwischen Entschädigungen für Ratenkredite und grundpfandrechtlich abgesicherte Darlehen.

Verfahrensweise bei Ratenkrediten

Ratenkredite werden auch als Anschaffungsdarlehen, Konsumentenkredite oder Privatkredite bezeichnet. Tilgungen sind jederzeit möglich. Die Verbraucherkreditrichtlinie regelt die maximale Entschädigungshöhe. Sofern der Darlehensnehmer innerhalb des ersten Laufzeitjahres einen Teil oder die gesamte Restschuld tilgen möchte, dürfen die Entschädigungsgebühren 0,5 Prozent des Tilgungsbetrages nicht übersteigen. Wird der Kredit nach einem Jahr vorfristig zurückgeführt, beträgt die maximal mögliche Entschädigung 1 Prozent des Abzahlungsbetrages. Generell darf die Vorfälligkeitsentschädigung nicht über der Höhe der Sollzinsen liegen, die der Kreditnehmer regulär bis zum Ende der Darlehenslaufzeit gezahlt hätte. Das ist für alle Ratendarlehen, die ab dem 11.06.2010 abgeschlossen wurden, wirksam. Für ältere Darlehen gilt: das Ratendarlehen kann mit einer 3-monatigen Kündigungsfrist getilgt werden. Bei einer sofortigen außerordentlichen Kündigung können Banken von den Regelungen abweichen. Einige Geldinstitute verzichten auf Vorfälligkeitsentgelte, die Gebühren und Verfahrensmodalitäten sind in den AGB geregelt.

Vorfälligkeitsentschädigung bei Immobiliendarlehen

Immobilien-, Baufinanzierungs- oder Annuitätendarlehen zeichnen sich durch eine lange Laufzeit, hohe Beträge und Zinsbindungsfristen für Sollzinsen aus. Dementsprechend höher sind die Ausfälle der Zinserträge, die der Bank bei einer vorfristigen Tilgung des Darlehens entstehen. So konkret wie bei Ratenkrediten ist die Berechnung der Vorfälligkeitsentschädigung für Hypothekenkredite jedoch nicht geregelt. Darlehensnehmer sollten genau prüfen, ob sich eine außerplanmäßige Sondertilgung oder vorzeitige Darlehensrückzahlung lohnt. Banken müssen der Tilgung nicht ohne weiteres zustimmen. Falls die Immobilie veräußert wird, ist die Bank zur Annahme des Tilgungsbetrages verpflichtet.

Keine Vorfälligkeitsentschädigung fällt an:

  • nach 10 Jahren Kreditlaufzeit und 6-monatiger Kündigungsfrist
  • zum Ablauf der ersten Zinsfestschreibung unter 10 Jahren Laufzeit und einem Monat Kündigungsfrist
  • bei variablen Zinskonditionen mit 3-monatiger Kündigungsfrist
  • bei Festzinsdarlehen mit Ausstiegsoption
  • für vorab vertraglich vereinbarte Sondertilgungen

Berechnung der Vorfälligkeitsentschädigung

Kreditgeber dürfen den Zinsausfallschaden, der entsteht, weil ein Ersatzgeschäft nur zu niedrigeren Konditionen abgeschlossen werden kann, auf zwei Wegen berechnen. Die „Aktiv-Aktiv-Methode“ bezieht sich auf die Neuausleihung der Gelder, die „Aktiv-Passiv-Methode“ auf eine alternative Anlage des Rückzahlungsbetrages in Hypothekenpfandbriefen. Die Berechnungsmethoden sind kompliziert, Verbraucher sollten die angegebene Vorfälligkeitsentschädigung überprüfen lassen.