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Der Moody's Investors Service ist eine Ratingagentur

Moody’s – Bewertungen, die die Welt bewegen

Veröffentlicht am 04 Mai 2016

Die an der New York Stock Exchange notierte Moody’s Corporation besteht aus den zwei Gesellschaften Moody’s Analytics und Moody’s Investors Service. Erstere hat sich auf die Entwicklung von Software zu finanzwirtschaftlichen Themenkomplexen wie Kreditanalyse oder Risikomanagement spezialisiert. Bedeutender ist aber die Ratingagentur Moody’s Investors Service, die die Kreditwürdigkeit von Emittenten und der von ihnen ausgegebenen Finanzprodukte bewertet und dazu finanzwirtschaftliche Forschung und Risikoanalyse betreibt. Deswegen ist in der Regel diese Ratingagentur gemeint, wenn „Moody’s“ das Thema ist.

Die Geschichte von Moody’s

Die Agentur Moody’s wurde im Jahr 1909 durch John Moody in New York gegründet. Zunächst konzentrierte sich die Gesellschaft auf die Bewertung verschiedener Anleihen von Eisenbahnen und lies sich dafür von potenziellen Käufern bezahlen. Den bis heute erfolgreichen Moody’s Investors Service gründete John Moody fünf Jahre später. Schnell weitete er sein Geschäft aus und erstellte bereits 1924 fast für den ganzen Anleihenmarkt in den USA Bewertungen. Ein entscheidender Paradigmenwechsel ereignete sich im Jahr 1970, als sich die Ratingagentur entschloss, die Bezahlung nicht länger von Investoren, sondern von den Emittenten zu verlangen. Seit 1975 ist das Unternehmen eine Nationally Recognized Statistical Rating Organization (NRSRO), also eine in den USA offiziell zugelassene Ratingagentur. Diese Einstufung ist bedeutend, weil in den Vereinigten Staaten Unternehmen erst dann für den Kapitalmarkt zugelassen werden, wenn sie von wenigstens zwei zertifizierten Agenturen bewertet wurden. Im Jahr 2007 teilte das Unternehmen die Bereiche Ratingagentur und Softwareentwicklung voneinander ab und überführte diese in zwei getrennte Gesellschaften. Das Unternehmen beschäftigte im Jahr 2015 rund 10.400 Mitarbeiter und setzte 3,5 Milliarden US-Dollar um. Die Ratings der Agentur decken derzeit Anleihen von über 120 Staaten, rund 11.000 Unternehmensemittenten, etwa 21.000 öffentlichen Emittenten sowie 72.000 strukturierten Finanzverbindlichkeiten ab. Damit gehört die Gesellschaft zu den größten Ratingagenturen der Welt.

Die Ratings von Moody’s

Auf einer Ratingskala bewertet Moody’s die Bonität – also die Kreditwürdigkeit – von Emittenten und Finanzprodukten. Dabei drückt Moodys Rating die Wahrscheinlichkeit eines Kreditausfalls aus. Je besser die Bewertung, umso einfacher und günstiger können Emittenten sich Geld leihen. In diesem Zusammenhang hat vor allem die langfristige Bewertung große Bedeutung. Generell lassen sich diese langfristigen Ratings in den Investment- und den Nicht-Investmentbereich untergliedern. Der Investmentbereich – auch Investment Grade genannt – besteht aus vier Stufen, die jeweils eine gute Bonität signalisieren, nämlich:

  • Aaa
  • Aa
  • A
  • Baa

Mit der Bestnote „Aaa“ zeichnet die Agentur nur wirtschaftlich besonders stabile und zuverlässige Schuldner beziehungsweise Finanzprodukte von bestmöglicher Qualität aus. Der begrifflichen Einfachheit halber verweisen die Erläuterungen der Ratings im Folgenden nur noch auf Schuldner, obwohl sie analog auch für Finanzprodukte gelten. Das Rating „Aa“ erhalten gute Schuldner, bei denen das Ausfallrisiko geringfügig höher ist. Während „A“ auf Schuldner der oberen Mittelklasse verweist, bei denen gegebenenfalls die wirtschaftliche Gesamtlage zu beachten ist, zeichnet die Ratingagentur Schuldner mittlerer Güte, die sich derzeit zufriedenstellend verhalten, mit dem Rating „Baa“ aus.
Der Nicht-Investmentbereich umfasst Anlagen, die spekulativer Natur und durch ein höheres Ausfallrisiko gekennzeichnet sind. Hier gibt es fünf Stufen:

  • Ba
  • B
  • Caa
  • Ca
  • C

Das Rating „Ba“ erhalten Schuldner von durchschnittlicher Qualität, die oft im besonderen Maße von der Gesamtsituation der Wirtschaft abhängig sind. Bei „B“ agieren Investoren bereits im hochspekulativen Bereich, weil die Finanzlage des Schuldners wechselhaft ist. „Caa“ verweist auf höchstspekulative Investitionen, bei „Ca“ liegen meistens schon Zahlungsstörungen vor und bei „C“ ist der Zahlungsverzug bereits eingetreten. Zur Feinjustierung fügt die Agentur bei den Ratings von AA bis Caa noch die Zahlen 1,2 oder 3 hinzu, um zu signalisieren, dass der Emittent im oberen (1), mittleren (2) oder unteren (3) Drittel des jeweiligen Ratingbereichs einzustufen ist.

Kontroversen um Moody’s

Die Agentur selbst wirbt gerne damit, zur Transparenz und Integration der weltweiten Finanzmärkte beizutragen. Tatsächlich ist das Geschäftsmodell jedoch nicht unumstritten, weil durch die Tatsache, dass sich die Ratingagentur vom Emittenten bezahlen lässt, Interessenkonflikte drohen. Zudem werfen Kritiker dem Unternehmen vor, die Entscheidungsgrundlagen für Ratings seien intransparent. Moody’s verweist in diesem Zusammenhang auf Geschäftsgeheimnisse. Laut herrschender Meinung hat das Unternehmen – neben den anderen führenden US-Ratingagenturen – zur ab 2007 weltweit grassierenden Finanzkrise zumindest beigetragen. Mehrere Geschädigte haben in diesem Zusammenhang auch Klagen gegen Moody’s eingereicht. Die Ratingagentur soll strukturierte Finanzprodukte zu positiv bewertet und existierende Risiken verheimlicht haben. 2010 wurde bekannt, dass die US-Börsenaufsicht SEC womöglich eine Prüfung von Moody’s Zugehörigkeit zu den NRSRO geplant hat.

Zusammenfassung: Moody’s

  1. Der Name Moody’s steht in der Regel für den Moody’s Investors Service, eine Ratingagentur.
  2. Moody’s bewertet die Bonität von Finanzprodukten auf einer Skala von Aaa bis C.
  3. Der Agentur wird eine Mitschuld an der Finanzkrise 2008 gegeben.

 

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