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Die RWE-Aktie

Die RWE-Aktie – Geschichte und Perspektive

Veröffentlicht am 02 Nov 2016

Als zweitgrößter deutscher Energieversorger blickt die RWE AG auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurück – was sich nicht zuletzt auch am Kursverlauf der RWE-Aktie ablesen lässt. So wirkte sich zum Beispiel die von der Politik beschlossene Energiewende drastisch auf das Unternehmen und den Kurs der RWE-Aktie aus: Ab 2007 fiel die Aktie stetig von 98 Euro auf unter zehn Euro im September 2015. Experten gehen allerdings von einem Aufwärtstrend der RWE-Aktie aus – ein Stand um 20 Euro wird als realistisch angesehen. Ausschlaggebend für einen Kursanstieg der RWE-Aktie dürften die Pläne sein, die Tochtergesellschaft Innogy an die Börse zu bringen.

Die Anfänge: Rheinisch-Westfälisches Elektrizitätswerk AG

Im Jahr 1898 wurde die Rheinisch-Westfälisches Elektrizitätswerk AG gegründet, die als Stadtwerk für Essen fungieren sollte. Das Unternehmen verstromte vor allem die im Ruhrgebiet geförderte Steinkohle und konnte seine Tätigkeit dank günstiger Preise schnell ausbauen. Bereits 1914 avancierte RWE zum größten Stromproduzenten im Kaiserreich. Die erfolgreiche Verbundwirtschaft von Kohleverstromung und Energiegewinnung aus Wasserkraft ließ RWE nach dem Zweiten Weltkrieg zum größten Energieversorgungsunternehmen in Westdeutschland aufsteigen. Mit dem Einstieg in das Atomkraftgeschäft im Jahr 1969 veränderten sich das Image und die Ausrichtung des Unternehmens drastisch. RWE baute in den folgenden Jahren eine ganze Reihe von Kernkraftwerken und rückte dadurch in den Fokus der Anti-Atomkraft-Bewegung. Ende der 1980er-Jahre geriet das Unternehmen erneut in die Kritik, da die Braunkohleverstromung als eine der Hauptursachen für das Waldsterben identifiziert worden war.

Diversifizierung und Neustrukturierung des Konzerns

In den 1990er-Jahren begann RWE, sich zum Mischkonzern zu entwickeln, der in den Bereichen Energie, Rohstoffe und Bergbau, Chemie und Mineralöl, Entsorgung und Maschinen-, Geräte- sowie Anlagenbau tätig war. Die Jahre ab 2000 waren wiederum geprägt von Fusionen und einer Rückorientierung auf das Kerngeschäft: die Energieversorgung in Deutschland, den Benelux-Staaten, Großbritannien sowie Mittel- und Osteuropa.

Die von der Politik eingeläutete Energiewende stellte RWE vor große Herausforderungen, da sich der Konzern nur zögerlich den notwendigen Änderungen stellte. Erst 2015 wurde mit einer Umstrukturierung begonnen, die eine Bündelung der Aktivitäten in den Bereichen erneuerbare Energien, Stromnetze und Vertrieb in einer Gesellschaft zum Ziel hatte.

Die von der schwarz-gelben Bundesregierung beschlossene Laufzeitverlängerung der deutschen Kernkraftwerke ermöglichte es RWE zwar, länger am alten Geschäftsmodell festzuhalten – mit der Katastrophe von Fukushima und dem endgültigen Aus für die Kernenergie war RWE allerdings gezwungen, sich den neuen Marktgegebenheiten anzupassen.

Ob die gebildeten Rücklagen für den Rückbau der Kernkraftwerke ausreichen werden, ist umstritten. Vor dem Hintergrund einer weiteren potentiellen Belastung durch den geplanten Kohleausstieg, der allerdings noch nicht konkret beschlossen wurde, könnten das Unternehmensergebnis und damit auch der Kurs der Aktie erneut in Gefahr geraten. Bislang wurden in einem ersten Schritt einige Braunkohlekraftwerke in Sicherheitsbereitschaft überführt. RWE erhält zwar für den Ausfall einen Ausgleich, die RWE-Aktie gab in der Folge aber dennoch nach. Weitere Stilllegungen gegen Entschädigung sollen in den nächsten Jahren folgen, sofern dies das EU-Wettbewerbsrecht zulässt.

RWE-Aktie – der Kurs als Spiegel der Unternehmensentwicklung

Die RWE-Aktie fiel von Ende 2007 bis Mitte 2016 von 98 Euro auf rund 15 Euro, was nicht zuletzt den gravierenden Veränderungen auf dem Strommarkt geschuldet ist. Für das Jahr 2016 wird ein Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von 5,2 bis 5,5 Milliarden Euro sowie ein bereinigtes Nettoergebnis zwischen 0,5 und 0,7 Milliarden Euro erwartet. Das ist im Vergleich zum Vorjahr ein kräftiger Rückgang, der vor allem im Preisverfall für konventionell erzeugten Strom begründet ist. Darüber hinaus belasten auch die Restrukturierungen in Großbritannien sowie das niedrige Zinsniveau, das höhere Pensionsrückstellungen erforderlich machte, das Ergebnis. Die RWE-Aktie geriet nach Bekanntgabe der Geschäftszahlen für das zweite Quartal 2016 erneut unter Druck – die Kurskorrektur bringt aber auch ein mögliches Potential für Investments in die RWE-Aktie mit sich.

Aussichten für die RWE-Aktie: Umstrukturierungspläne sorgen für Auftrieb

Vor allem die Aufspaltungspläne könnten für einen Wertzuwachs bei der RWE-Aktie sorgen. Der Vorstand will offensichtlich bis Ende 2016 eine zweite Gesellschaft an die Börse bringen, um sich mit neuem Kapital für die Bereiche erneuerbare Energien, Vertrieb und Stromnetz zu versorgen. Vor diesem Hintergrund könnte die RWE-Aktie durchaus bis zum Jahresende wieder auf 20 Euro steigen, was im Vergleich zu den rund 11 Euro pro RWE-Aktie zu Jahresbeginn 2016 einer knappen Verdopplung entsprechen würde.

Übersicht: RWE-Aktie

  1. Der zweitgrößte deutsche Energieversorger RWE gründete sich 1898 als Stadtversorger in Essen.
  2. Nach dem zweiten Weltkrieg ließ die erfolgreiche Verbundwirtschaft von Kohleverstromung und Energiegewinnung aus Wasserkraft RWE zum größten Energieversorgungsunternehmen in Westdeutschland wachsen.
  3. Durch den Bau von Kernkraftwerken 1969 und der Braunkohleverstromung in den 1980ern stand das Unternehmen in der Kritik. Auch die Energiewende stellte RWE vor große Herausforderungen.
  4. Die äußeren Einwirkungen auf das Unternehmen spiegeln sich in den Schwankungen des Aktienkurses wider: die RWE-Aktie fiel von 2007 bis 2016 von 98 Euro auf 15 Euro ab.
  5. Der Börsengang einer zweiten Gesellschaft könnte zu einer Verdopplung der RWE-Aktie zum Ende des Jahres 2016 auf rund 20 Euro bedeuten.

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