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Die Dotcom-Blase

Die Dotcom-Blase – geplatzte Träume und die Basis für Digitalisierung

Veröffentlicht am 08 Feb 2017

Der sogenannte „Neue Markt“ löste Mitte der 90er-Jahre eine regelrechte Euphorie aus: Das Internet, neue Generationen von Mobiltelefonen und Handheld-Computern ließen bereits erahnen, welches Potenzial die Digitalisierung eröffnen könnte. Eine Gründungswelle machte sich breit und die daraus resultierenden, zahlreichen Startups wurden zu schnell zu hoch bewertet – mit fatalen Folgen, wie sich herausstellen sollte. In Anlehnung an die Domain-Endung „.com“ setzte sich dafür der Begriff Dotcom-Blase durch.

Zukunftstechnologien: der „Neue Markt“ ab 1995

Wie kam es aber in den 90er-Jahren zu dieser ungeheuren Aufbruchsstimmung, die die Dotcom-Blase möglich machte? Das Internet ermöglichte die Übertragung riesiger Datenmengen in Sekundenschnelle, räumliche Entfernungen spielten keine Rolle mehr. Neben den handlichen Mobiltelefonen sorgten vor allem die Handheld-Computer für eine nie gekannte Mobilität. Heute mag das wenig erscheinen, da moderne Smartphones deutlich mehr leisten. Damals jedoch wurden mit diesen Entwicklungen bestehende Grenzen gesprengt und der Grundstein für neue Geschäftsideen gelegt – und für die Dotcom-Blase. Die Anzahl der Gründungen nahm sprunghaft zu, es entstand die „New Economy“ mit den Zukunftsbranchen IT, Multimedia, Telekommunikation, Biotech und weitere forschungsintensive Projekte.

Gewinnerwartungen und Spekulationen führten zur Dotcom-Blase

Die jungen technologieorientierten Unternehmen fanden insbesondere bei Anlegern großes Interesse, sahen sie doch hier die Chance, an den künftigen Gewinnen zu partizipieren. Diese enorme Nachfrage führte Startups in einer Geschwindigkeit zum Börsengang, mit der die reelle Werthaltigkeit nicht Schritt halten konnte. Angeheizt wurde die Entwicklung durch ein enormes mediales Echo, aber auch durch gezielte Werbemaßnahmen. Der so erzeugte Boom trieb wiederum die Kurse der Aktien zu Wertsteigerungen, die neue Anleger unterschiedlichster Couleur anzogen: Sowohl institutionelle als auch private Investoren befeuerten die Kursentwicklungen. Da die Gewinne aus den Börsengängen in vielen Fällen zur Expansion genutzt und andere börsennotierte Unternehmen aufgekauft wurden, blähte sich die Dotcom-Blase immer weiter auf – die Liquidität der Börsenneulinge ging jedoch zurück.

Fundamentale Daten wurden ignoriert – Dotcom-Blase musste platzen

Die Dotcom-Blase zeigt eindrücklich, welche Differenzen es zwischen Börsenwert und materieller Werthaltigkeit von Unternehmen geben kann. Auch wenn die Bewertung von IT-Unternehmen naturgemäß schwerfällt, da geistige Leistungen kaum in Zahlen zu fassen sind, wurden die Anleger im Jahr 2000 doch auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt: Die hohen Gewinnerwartungen konnten von den meisten Unternehmen des Neuen Marktes nicht erfüllt werden. Mit den ersten Insolvenzen kamen Zweifel auf und die Analysen machten klar, dass die Buchwerte der Unternehmen lediglich aus IT-Infrastruktur und Immobilien bestanden. Insbesondere in Deutschland prägten kriminelle Aktivitäten den Markt – teilweise sogar stärker als in den USA. Besonders Firmen wie Comroad, Infomatec und Metabox machten von sich reden: die einen mit gefälschten Bilanzen, die anderen mit gefälschten Ad-hoc-Meldungen. So schnell der Hype diese Blase aufgebläht hatte, so schnell sollte auch der Absturz vonstattengehen.

Paradebeispiel für Dotcom-Blase: Deutsche Telekom

Die Aktie als Anlageform wurde insbesondere durch die mediale Inszenierung des Börsengangs der Deutschen Telekom populär: Im November 1996 stieg die Aktie mit 14,57 Euro ein (damals noch 28,50 Mark), um sofort auf 33,90 Mark zu klettern – was nicht zuletzt in der enormen Nachfrage begründet war. Die zweite Runde wurde im Jahr 1999 bereits mit einem Kurs von 39,50 Euro eröffnet, legte direkt auf 40,30 Euro zu und stieg im Laufe eines Jahres auf 103,50 Euro. Allerdings ließ der Sturz nicht lange auf sich warten, die dritte Runde zeigte im Jahr 2000 einen Emissionskurs von 66,50 Euro, der noch am selben Tag auf 65,79 Euro fiel. Im Juni 2002 notierte sie bei 8,14 Euro. Hier zeigt sich die Dynamik in ihrer vollen Wucht: Steigen bei ersten Kursverlusten die institutionellen Investoren aus, verstärkt sich der Abwärtstrend, was letztendlich zu Panikverkäufen bei kleineren Anlegern und massiven Verlusten führt.

Dotcom-Blase mit langwierigen Folgen

Das Platzen der Dotcom-Blase dünnte die gesamte Branche aus, es konnten sich nur die großen IT-Unternehmen behaupten. Die FED senkte daraufhin die Zinsen, um der eigenen Wirtschaft wieder Impulse zu geben, und legte damit den Grundstein für die Immobilienblase, die zur Finanzkrise ab 2007 führen sollte. Andererseits hat die Dotcom-Blase aber auch Positives hervorgebracht: Die Infrastruktur für die flächendeckende Nutzung des Internets war ebenso geschaffen worden wie neue Kommunikationstechnologien, von denen heute zahlreiche Unternehmen profitieren. Allerdings hat die Dotcom-Blase auch die Wichtigkeit von fundamentalen Unternehmensbewertungen unterstrichen, was Börsengänge in der IT-Branche deutlich schwieriger macht.

Wissenswertes zur Dotcom-Blase

  1. Die 1990er-Jahre lösten mit der Digitalisierung eine sprunghafte Gründungswelle aus.
  2. Die enorme Nachfrage führte zu einem schnellen Börsengang der Startups, mit der die reelle Werthaltigkeit nicht Schritt halten konnte.
  3. Die übermäßige Nachfrage erhielt aufgrund der Domain-Endung „.com“ den Namen Dotcom-Blase..
  4. Die fehlkalkulierte Gewinneinschätzung führte zu Insolvenzen und Panikverkäufen der Investoren; nur große IT-Unternehmen konnten sich an der Börse behaupten.

 

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