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Die FDP möchte Uber und Airbnb wieder groß machen
Veröffentlicht am 06 Jun 2017

Wie die FDP Uber und Airbnb in Deutschland großmachen will

Veröffentlicht am 06 Jun 2017
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In den USA extrem erfolgreich, in Deutschland limitiert. Die Super-Start-Ups Uber und Airbnb weisen ein erfolgreiches Geschäftsmodell vor – das steht außer Frage. Dennoch konnten die beiden Riesen in Deutschland noch nicht an den Erfolg aus den Vereinigten Staaten anknüpfen, Hoffnung bringt jetzt das Wahlprogramm von Christian Lindners FDP.

 

Uber kann sich in Deutschland nicht entfalten

Vor allem der Taxigigant Uber tut sich auf dem deutschen Markt schwer. Das kalifornische Unternehmen punktet mit einem simplen, aber effizienten Geschäftsmodell: private Taxifahrten, in privaten Fahrzeugen. Damit kann quasi jeder mit seinem eigenen KFZ Taxifahrer werden. Abgerechnet wird ganz einfach über die App. Für Autobesitzer eine einfache Möglichkeit ein wenig Geld zu verdienen, für den Beförderten wesentlich billiger als die herkömmlichen Taxiunternehmen – in Amerika ging Uber durch die Decke.

 

So leicht ist es in Deutschland nicht, einzig aufgrund der Gesetzeslage. Ohne eine gültige Taxikonzession ist es in der Bundesrepublik nicht erlaubt Personen zu befördern – und das zerstört das Uber Konzept. Zwar könnten die Kalifornier immer noch in den deutschen Markt eintreten, dürften allerdings nur rechtlich anerkannte Taxifahrer, zu den vorgegebenen Tarifen einstellen und würden sich dadurch in keiner Hinsicht von den klassischen Taxiunternehmen unterscheiden.

 

Hoffnung bringt die FDP

Nun kommt die FDP vor der Bundestagswahl mit einem Programm um die Ecke, das besonders den Gründern und Start-Ups Musik in den Ohren ist. Unter anderem fordern die Liberalen Änderungen im Personenbeförderungsgesetz – die haargenau das Geschäftsmodell des US-Riesen Ubers ermöglichen würden. Im Detail sollen die Länder die Personenbeförderung auch außerhalb der Taxi-Konzession gestatten. Potenzielle Fahrer sollen durch ein polizeiliches Führungszeugnis ohne Verurteilungen, sowie einer Insassenversicherung eine Beförderungserlaubnis erhalten.

 

Diese Änderungen würde die Hürde für Ubers Erfolg in Deutschland erheblich senken. Das US-Start-Up fiebert bei der Bundestagswahl wohl mit der FDP, denn bei einem Einzug in den Bundestag, geschweige denn einer Regierungsbeteiligung, dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis Uber-Fahrten in Deutschland zur Regel werden.

 

Die Taxibranche verändert sich

Ganz zum Leidwesen der herkömmlichen Taxiunternehmen. Dabei hatte sich die Branche in den letzten Jahren schon verändert, mit taxi.de oder mytaxi übernahmen zuletzt die neuen, digitalisierten Unternehmen den Markt in den Großstädten. Allerdings nach den geltenden Richtlinien, mit Taxikonzession und hauptberuflichen Taxifahrern.

 

Mehr in Richtung Uber geht das Berliner Start-Up Clever Shuttle. Das drei Jahre alte Unternehmen beschäftigt zwar ebenfalls nur Fahrer mit Beförderungsschein, allerdings agiert das Start-Up ohne Taxikonzession. Rechtlich gesehen sind die Berliner ein Shuttle Unternehmen, beziehungsweise ein Chauffeurdienst – und können so die Preise senken.

Es geht also auch anders, was wiederum die Kritiker des US-Riesen auf den Plan ruft. Hauptkritikpunkt ist die Unsicherheit. Es kann quasi jeder mit einem Auto Uber-Fahrer werden, eine wirkliche Garantie für Sicherheit oder die Kompetenz des Fahrers gibt es nicht. Die Debatten über eine Milderung des Beförderungsgesetzes werden wohl weder vor, noch nach der Bundestagswahl aufhören, es bleibt abzuwarten welches Lager sich am Ende durchsetzen kann.

 

Auch Airbnb hat Startschwierigkeiten

Auch für Airbnb könnte ein Wahlerfolg der FDP ein Aufbruch in bessere Zeit bedeuten. Mittlerweile ist die Privatvermietungsplattform weltweit erfolgreich, hinkt bei uns aber immer noch hinterher. Zwar haben die Kalifornier in Deutschland Fuß gefasst, die rechtliche Grundlage bereitet dem Start-Up aber immer noch einige Probleme. Für Privatpersonen ist es nach wie vor zu kompliziert den eigenen Wohnraum zu vermieten und den dafür aufgestellten Anforderungen gerecht zu werden. Bislang wird das Portal hauptsächlich von eingetragenen Vermietern genutzt, die Airbnb als weitere Plattform benutzen.

 

Lindner und die FDP bemängelt die „zeitgemäße Nutzung von Wohnraum“. Die Liberalen wollen die Hürden für nicht hauptberufliche Vermieter erleichtern und der eigentlichen Airbnb-Zielgruppe damit die Steine aus dem Weg nehmen. Dem US-Unternehmen würde das in Deutschland einen ganz neuen Kundenstamm bringen. Potenziell existiert eine große Gruppe an Privatpersonen, die wegen der gesetzlichen Regelungen noch nicht bei Airbnb als Vermieter registriert sind. Das Potenzial des Start-Ups würde sich also schlagartig vervielfachen.

 

Die FDP fokussiert sich nicht nur auf die neuzugründenden Unternehmen, sondern will den deutschen Markt durch die fortschreitende Digitalisierung auch für Start-Ups aus dem Ausland öffnen. Es bleibt jedoch abzuwarten, inwiefern die Forderungen der Liberalen tatsächlich umgesetzt werden. Auf lange Sicht werden digitale Mega-Start-Ups wie Uber oder Airbnb aber sowieso nicht aufzuhalten sein.

Bildquelle: shutterstock.com

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Marc Steppke
Über den Autor
Marc Steppke ist seit 2017 bei auxmoney. Neben aktuellen FinTech-News berichtet er über die internationale Wirtschafts- und Finanzbranche.