auxmoney Finanzpilot

Das Magazin für FinTech- & Finanznews

FinTechs wollen immer häufiger mit Banken kooperieren.
Veröffentlicht am 29 Mrz 2018

Studie zeigt: FinTechs wünschen sich immer häufiger Kooperation mit Banken

Veröffentlicht am 29 Mrz 2018
Von:
Kommentare: Aus

FinTechs als große Herausforderer der Banken. Das war bislang das Bild, das man über die jungen aufstrebenden Start-Ups der Finanztechnologie Branche vermittelt bekam. Mittlerweile ist sich dieses Bild jedoch stark am Wandeln, denn nicht nur die öffentliche Wahrnehmung, sondern auch der Fokus der FinTechs und Banken verändert sich: von Konkurrenten zu Partnern. Von der Revolution des Bankenwesens zur friedlichen Koexistenz, in der beide voneinander profitieren können. Wie eine Studie nun zeigt, suchen die meisten FinTechs tatsächlich die Kooperation, statt der Konfrontation, und erhoffen sich dadurch den Zugang zu einer breiteren Kundenbasis. Einst wollte man den Banken und Versicherungen Marktanteile abgewinnen, jetzt sollen diese gemeinsam vergrößert werden.

86% der FinTechs befürworten die Kooperation mit einer Bank

Im Rahmen der „FinTechs in Europe“-Studie der Roland Berger Unternehmensberatung wurden nun 248 FinTechs aus 18 europäischen Ländern zu ihren Zielen und Strategien befragt, mit 50 der befragten FinTechs kamen die meisten Unternehmen aus Deutschland. Die vielleicht deutlichste Zahl, die die Studie hervorbrachte: 86% der FinTechs sprachen sich für eine Kooperation mit Banken, statt dem einst propagierten Kriegspfad aus. Der ausschlaggebende Grund für den Wunsch nach einer Kooperation ist oft der dadurch entstehende Zugang zu einer breiteren Kundenbasis. Die meisten Europäer legen ihr Geld schließlich immer noch bei einem klassischen Finanzinstitut an, wodurch die Banken mit Abstand über die größten Kundenstämme verfügen. Bestandskunden loszueisen und für eine, in den Augen vieler, neumodische Finanzlösung zu begeistern, ist gerade im Bankenwesen eine Mammutaufgabe, weshalb eine Kooperation der Wettbewerber auf kurze Sicht mit großer Wahrscheinlichkeit der einfachere und gleichzeitig auch erfolgversprechendere Weg ist. Schließlich lebt bei vielen Gründern immer noch der Traum vom Exit, also das eigene FinTech an eine Bank zu verkaufen und dadurch einen großen finanziellen Gewinn zu erzielen. Entweder durch eine solche Übernahme oder schon durch die einfache Kooperation bietet sich für Banken und Versicherungen die Chance, die eigene digitale Transformation voranzutreiben und das Angebot so zukunftsfähiger zu machen. Hinsichtlich der Wettbewerbsfähigkeit müssen sich auch die alteingesessenen Finanzinstitute einem technischen und kulturellen Wandel unterziehen – und das geht nun mal am besten mit einem oder gleich mehreren FinTechs an seiner Seite.

Klare Erfolgsfaktoren für FinTechs

Ein wichtiger Erfolgsfaktor auf dem Weg mit einem FinTech zu wachsen, ist das Vertrauen der Kunden. Das ist nur auch eine der größten Stärken der Finanzinstitute, die ihre Kunden schon seit etlichen Jahrzehnten betreuen und beraten. Den eigenen Vorteil sehen viele FinTechs im Komfort der Services und der Transparenz der Angebote. 91% der befragten Unternehmen glauben die Bedürfnisse ihrer Kunden und Nutzer sehr gut bedienen zu können. Weniger wichtig sind den Start-Ups die Bekanntheit der Marke und die finanziellen Ressourcen, darüber hinaus empfinden beinahe dreiviertel der befragten FinTechs Kenntnisse über regulatorische Rahmenbedingungen als unwichtig für den Erfolg eines Unternehmens. Dazu passt der Trend einiger Länder, die Bürokratie für neugegründete Unternehmen so gering wie möglich zu halten, um den Unternehmergeist zu stärken und Gründungen zu fördern. Die drei mit Abstand wichtigsten Erfolgsfaktoren für FinTechs sind der Studie nach das Kundenvertrauen, die Transparenz und das Verständnis der Kunden für das Produkt.

Für die jungen, aufstrebenden Unternehmen stellt sich die Frage, ob die etablierten Platzhirsche tatsächlich für den digitalen Wandel bereit sind. Nur 15% der der FinTechs betrachten die Voraussetzungen als wirklich gut, ganze 95% sind unterdessen überzeugt, dass sie über wesentlich umfangreichere digitale Kompetenzen verfügen als die Wettbewerber aus dem Bankenwesen, die aber dennoch den Großteil der Marktanteile auf sich vereinen.

Gewaltiges Wachstumspotential

Das größte Wachstumspotential sehen die FinTechs hauptsächlich in drei Branchen. 55% sehen das Investitions- und Asset Management, 54% den Payment- und 52% den Crowdfunding-Bereich in Zukunft weit vorne. Allerdings sind über die Hälfte der befragten FinTechs schon jetzt in einer dieser Branchen tätig. Ein Bereich, in dem heute noch nicht ganz so viele FinTechs aktiv sind, ist die Krypto- und Blockchainbranche. Viele Unternehmen sind sich aber einig, dass das Potential dieser Szene nahezu unbegrenzt ist und noch einen großen Einfluss auf die Branche nehmen kann.

Politik beeinflusst die Standortwahl

Wenn FinTechs über die Wahl eines Standortes nachdenken, sind oftmals drei Faktoren maßgeblich entscheidend. Zum einen der große Pool an qualifizierten Mitarbeitern, die das Unternehmen mit ihrer Expertise nach vorne bringen können und zum anderen die starken Netzwerke und die Vielzahl von Investoren, die den FinTechs mit Kapital und Know-how weiterhelfen. Ein weiterer Faktor sind die politischen Gegebenheiten im jeweiligen Land. Innerhalb Europas gibt es zwischen den einzelnen Staaten große Diskrepanzen hinsichtlich der gesetzlichen Rahmenbedingungen für FinTechs und junge Unternehmen, sodass die politische Lage immer mehr zum Zünglein an der Waage wird, wenn es um die Frage geht, in welchem Land man sein Unternehmen gründet oder wohin man als nächstes expandiert.

Die besten Bedingungen für FinTechs finden die Unternehmen laut der Studie in Großbritannien und Irland, die vor allem im Bereich der Netzwerke und Investoren prächtige Bedingungen bieten. Hinter den beiden Inselstaaten folgt Frankreich und an vierter Stelle schließlich Deutschland. Der größte Kritikpunkt, den FinTechs an Deutschland bemängelten, ist die Offenheit der Regierung gegenüber der Digitalisierung und Innovation. Möchte man nicht zusehen, wie uns die Nachbarstaaten den Rang ablaufen, muss also nicht nur die Bank, sondern auch die Politik zukunftsorientierter denken.

Bildquelle: shutterstock.com

auxmoney Banner
Marc Steppke
Über den Autor
Marc Steppke ist seit 2017 bei auxmoney. Neben aktuellen FinTech-News berichtet er über die internationale Wirtschafts- und Finanzbranche.