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Die SEC und Japan bewegen sich beim Thema ICO, auch Blockchain-ETFs sind wieder ein Thema
Veröffentlicht am 06 Apr 2018

SEC und Japan öffnen sich für ICOs – Auch Bitcoin-ETF könnte kommen

Veröffentlicht am 06 Apr 2018
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Schon lange wird über die Problematik mit der Regulierung von Krypto-Produkten gestritten. Vor allem ICOs, kurz für „Initial Coin Offerings“, über die Startups de facto unreguliert an Kapital kommen können, sind Regulatoren ein Dorn im Auge. Nun deuten sich in zwei der größten Märkte Bewegung an: Aussagen des SEC-Vorsitzenden Jay Clayton nach zu urteilen, steht die Regulierungsbehörde der Idee eines ICO nicht mehr so diametral entgegen, wie vorher vermutet wurde. Auch ein vorher auf Eis gelegter Bitcoin-ETF ist auf einmal wieder auf dem Tisch. Unabhängig veröffentlichte eine von der Regierung gestützte Arbeitsgruppe in Japan einen konkreten Leitfaden für die staatliche Regulierung von ICOs. Das Vorhaben könnte dabei tatsächlich in ein neues Gesetz einfließen.

SEC-Chef Clayton äußert sich differenziert zu ICOs

Laut Coindesk habe sich Clayton bei einem Event an der Princeton University sehr differenziert über ICOs und Kryptoregulierung allgemein geäußert. Clayton distanzierte sich dem Bericht nach deutlich von der Aussage, dass jedes ICO Betrug wäre. Spannend sind auch seine Ausführungen zu der Frage, wie die bei einem ICO ausgeschütteten Tokens aus Regulierungssicht anzusehen sind. Konkret geht es um die Frage, ob die Token bloß, wie in den meisten Fällen vom Herausgeber angepriesen, als „Utility“-Token für die Verwendung in spezifischen Nutzungsfällen anzusehen sind, oder als Geldanlage (engl. „Security“). Clayton hatte sich in der Vergangenheit eindeutig dahingehend geäußert, dass die allermeisten der Token als Geldanlage anzusehen sind, selbst wenn so nicht vermarktet werden. Der Unterschied ist gravierend, da Securitys immer unter die Regulierung der SEC fallen würden, Utility-Tokens jedoch nicht allgemein.

Bezüglich der Regulierung von Krypto-Produkten allgemein wird Clayton folgendermaßen zitiert:

Hat die Herangehensweise der SEC in Washington einen negativen Einfluss auf Distributed Ledger Technology in anderen Bereichen? Meine schnelle Antwort dazu ist, dass ich die Hoffnung habe, dass es sogar hilft, weil diese Technologie für Betrug genutzt wird und zwar in einem so großen Ausmaß, dass die Geschichte zeigt, dass Regierungen hart gegen jene Technologien vorgehen.

So gesehen sei es ratsam, Krypto-Produkte zu regulieren und dabei Betrüger zu stoppen, um den Ausschlag des regulatorischen „Pendels“ nicht so hart ausfallen zu lassen, als dass die Kapazitäten der neuen Technologie eingeschränkt werden würden. Es scheint so, als würde Clayton also Krypto-Produkte mit seinen Maßnahmen beschützen wollen. Ähnliche Tendenzen ließen sich schon bei seiner Anhörung vor einem Senatsausschuss im Februar herauslesen.

Wird es nun doch einen Bitcoin-ETF geben?

Unabhängig vom Thema ICO, aber doch mit bemerkenswerter zeitlicher Parallelität, beschäftigt sich die SEC nun auch heimlich still und leise mit einem weiteren Produkt aus dem Bereich Kryptowährungen und Blockchain: Bitcoin-ETFs. Die Fonds, über die Anleger auf die Kursentwicklung der Kryptowährung wetten könnten, ohne die Währung selbst zu erwerben oder einen Futures-Contract abschließen zu müssen, sind zwar schon länger im Gespräch, wurden aber von der SEC bis auf Weiteres auf Eis gelegt. Nun wurde die Idee offenbar wieder aus der Kühlkammer geholt, wie ein auf den 23. März datiertes Dokument der Behörde belegt.

Konkret soll eine Änderung der bisherigen Regelungen diskutiert werden im Bezug auf zwei ETFs, namentlich dem ProShares Bitcoin ETF und dem ProShares Short Bitcoin ETF, die an der NYSE Arca gelistet werden sollen. Ein Hinweis darauf, wie das Urteil der SEC am Ende ausfällt, ist dies alleine natürlich nicht. Offensichtlich kommt jedoch auch hier wieder Bewegung in die Sache. Die einzigen offiziell regulierten Finanzprodukte in den USA, die das Wetten auf den Bitcoin-Kurs bisher erlauben, sind die Futures-Contracts der CME und CBOE. Davon abzugrenzen sind Blockchain-ETFs, die in Unternehmen investieren, die mit Blockchain-Technologie arbeiten.

Japan strebt gesetzliche Regelungen zu ICOs an

Parallel zu den Aussagen Claytons zu ICOs hat nun auch Japan eine neue Initiative gestartet, um ICOs gesetzlich zu regulieren. Das Land geht dabei jedoch noch einen großen Schritt weiter: Wie Bloomberg berichtet, hat eine von der Regierung unterstützte Arbeitsgruppe einen Leitfaden zum Umgang mit ICOs veröffentlicht, der direkt in ein neues Gesetz einfließen könnte.

Der Leitfaden würde Unternehmen weiterhin ein ICO ermöglichen, dieses jedoch auf ein solides regulatorisches Fundament stellen und damit Investoren schützen und Geldwäsche verhindern. So müssten Unternehmen die Daten zu jedem Investor sammeln und diese hinterlegen. Außerdem wird gefordert, dass regelmäßige Updates zum Stand des Unternehmens im Vergleich zum im Whitepaper vorgelegten Plan veröffentlicht werden müssen. Noch diesen Monat will die japanische Financial Services Agency, FSA, den Leitfaden bewerten. Bis zu einem konkreten Gesetz können allerdings noch Jahre vergehen.

Japan ist einer der Vorreiter, wenn es um die gesetzliche Integration von Krypto-Produkten geht. Erst kürzlich machte das Land damit aufmerksam, als es auf eine gemeinsame Linie zur Regulierung von Kryptowährungen auf dem G20-Gipfel 2018 drängte.

Bildquelle: Shutterstock

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Über den Autor
Gerrit Neumann schreibt seit November 2017 für den Finanzpiloten und ist auf den Bereich Kryptowährung und Finanzen spezialisiert.