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Veröffentlicht am 08 Sep 2017

Paydirekt: Teure Finanzspritze

Veröffentlicht am 08 Sep 2017
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Laut Medienberichten wollen die deutschen Banken einen weiteren dreistelligen Millionenbetrag in Paydirekt investieren.  Das Startup will sich endlich gegen seinen amerikanischen Konkurrenten PayPal durchsetzen – um fast jeden Preis.

Verbreitung von Paydirekt weit unter Plan

Paydirekt, der deutsche PayPal-Konkurrent, der bereits Ende 2015 gegründet wurde, kommt immer noch nicht gegen sein US-Pendant an. Mit 1,3 Millionen Nutzern kann Paydirekt zwar 40 Prozent mehr Nutzer als Anfang des Jahres verzeichnen, PayPal hat dahingegen 18,9 Millionen.

PaydirektDamit ist Paydirekt weit von seinem ursprünglich gesteckten Ziel von sieben Millionen Kunden bis Ende 2017 entfernt. Dass das Startup nur schleppend anläuft liegt auch an der fehlenden Anbindung wichtiger Online-Händler. Im Frühjahr gab es in nur 45 der 1000 umsatzstärksten deutschen Onlineshops die Möglichkeit via Paydirekt zu bezahlen. Zu dem Ergebnis kommt das Handelsforschungsinstitut EHI. Zuletzt war Paydirekt vor rund einem Monat in den Schlagzeilen, weil der Dienst nun als Bezahlverfahren bei Otto.de integriert wurde, jedoch zu einem hohen Preis – Mindestens 10 Millionen Euro soll der Deal Paydirekt gekostet haben.

Banken greifen tief ins Portemonnaie

Wie die SZ berichtet soll das nicht das letzte Mal gewesen sein, dass die Träger, darunter Sparkasse, Privatbanken und Genossenschaftsbanken, unverhältnismäßig viel Geld in die Hand nehmen. Mehrere Quellen berichten, dass paydirekt in nächster Zeit eine Finanzspritze im dreistelligen Millionenbereich erwarten könne. Alleine 100 Millionen Euro sollen dabei von der Sparkasse kommen. Der Anteile der Sparkasse werden auf rund 40 Prozent geschätzt, damit kann man sich leicht ausrechnen wie viel Geld in der Finanzierungsrunde zusammenkommen wird, wenn die anderen Teilhaber sich in der gleichen Größenordnung beteiligen. Paydirekt teilte der SZ mit, dass die genannten Zahlen falsch sein. Auch gegenüber der t3n ließ eine Sprecherin vor kurzem verlauten, dass man mit den Entwicklungen zufrieden sei, was Investitionen in der Höhe nicht rechtfertigen würde: „Der Vergleich mit anderen Zahlungssystemen, die es schon seit etlichen Jahren gibt, ist nicht zielführend, da wir mit der Gesamtheit der deutschen Banken und Sparkassen erst seit gut einem Jahr am Markt sind.“ Auch die Händler seien mit den Conversion-Raten zufrieden und der Fokus liege jetzt erst einmal auf der technischen Weiterentwicklung.

Paydirekt sucht händeringend nach Händlern

Einen gegensätzlichen Eindruck bekommt man jedoch, wenn man den Newsletter liest, in dem die Sparkasse von der GIZS dazu aufgefordert wird unter den eigenen Firmenkunden, die mit einem Onlineshop zu suchen, um weitere Akzeptanzstellen zu finden. Ursprüngliche wollte man sich auf die großen Shops konzentrieren, nun zählt jeder noch so kleiner Händler. Denn egal wie viele Neukunden sich registrieren, aufgrund der wenigen Partner kann kaum einer via Paydirekt bezahlen. Die Strategie von Paydirekt ist daher ziemlich undurchsichtig und es gilt nun abzuwarten, wie sich das Startup weiterhin entwickelt und wie viel Geld wirklich noch in den Zahlungsdienst gesteckt wird.

Bildquelle: © paydirekt

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Melina Uhlig
Über den Autor
Melina Uhlig ist Expertin für die aktuellen News aus der FinTech-Branche und der Start-Up-Szene. Sie arbeitet seit 2016 bei auxmoney.