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Bitcoin
Veröffentlicht am 19 Dez 2017

Neues vom Bitcoin: Naht die staatliche Regulierung?

Veröffentlicht am 19 Dez 2017
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An News zu Kryptowährungen mangelt es derzeit nicht. Vor allem der Bitcoin generiert ein bis dato ungeahntes Medieninteresse, zumal sich die virtuelle Währung mit großen Schritten anschickt, den Massenmarkt zu erobern. Genau das zieht jedoch viele Probleme und Diskussionen nach sich. Um im Dickicht der immer neu einströmenden Meldungen über Rekordstände und Warnungen den Überblick zu behalten, soll die folgende Zusammenfassung der aktuellsten News weiterhelfen. Zur Orientierung hilfreich sind dabei auch unser News-Digest von letzter Woche sowie unser Gesamtüberblick Bitcoin.

Wird der Bitcoin nun staatlich reguliert? – Deutschland und Frankreich drängen auf neue Regelungen

Um dem Missbrauch von Kryptowährungen durch Kriminelle Herr zu werden, sind derzeit neue supranationale Regelungen im Gespräch. An der Spitze der Länder, die dies befürworten, steht unter anderem Deutschland. Zusammen mit Frankreich kämpft die Bundesregierung derzeit um neue Regelungen beim Handel mit Kryptowährungen im Rahmen der G20. Dem Einvernehmen nach ist Italien ebenfalls an einer solchen Lösung interessiert. Ob das Thema beim nächsten Treffen tatsächlich angesprochen wird, ist dabei noch nicht klar.

Wie eine vorgeschlagene Regulierung des Bitcoin-Handels aussehen könnte, hat nun schon die EU vorgezeigt. Kommission und Parlament haben sich auf einen Vorschlag geeignet, nach dem Betreiber von Plattformen für Bitcoin-Handel zukünftig die Identität ihrer Nutzer zweifelsfrei nachweisen sowie Angaben zu über den Handel generierten Umsätzen den jeweiligen Finanzämtern zugänglich machen müssen. Außerdem ist ein zentrales Register für Wallet-Adressen im Gespräch. Dabei ist jedoch fraglich, inwieweit eine solche EU-weite Regelung tatsächlich etwas am Status quo ändern kann, da die meisten Plattformen für den Handel mit Bitcoins außerhalb der EU operieren. Auch technisch scheinen den Unterfangen noch ein paar Hindernisse im Weg zu stehen. Die größte Einschränkung der neuen EU-Verordnung ist jedoch die explizite Regulierung des Bitcoins – unter Nichtbeachtung aller anderen Kryptowährungen, die sich damit weiterhin unreguliert handeln ließen. Bis zu einer umfassenden Lösung des Problems könnte es also noch dauern, zumal schon die eigentliche Umsetzung einer solchen Verordnung viel Zeit in Anspruch nimmt.

Hintergrund: Warum ist die Kontrolle des Bitcoin so schwierig?

Die ursprüngliche Idee hinter der Technologie, auf die der Bitcoin aufbaut, war, Geldtransfers ohne Vertrauensvorschuss möglich zu machen. Das System der sogenannten Blockchain ist daher komplett dezentral organisiert und entzieht sich damit allen traditionellen Kontrollmechanismen, die ansonsten für den gesamten restlichen Finanzmarkt uneingeschränkt gelten. Außerdem sind Zahlungen de facto anonym möglich, weshalb Kryptowährungen wie der Bitcoin im Untergrund gerne für illegale Geschäfte verwendet werden. Plattformen, die den Handel mit Kryptowährungen ermöglichen, bemühen sich zwar oft um die Identitätsfeststellung ihrer Nutzer, können dabei aber völlig frei agieren und verschiedene Schranken nach eigenem Ermessen setzen. Wichtig zu beachten ist dabei noch, dass die genannten Plattformen für den Handel mit Bitcoin nicht obligatorisch sind, sondern diesen lediglich stark vereinfachen. Eine Umgehung der Regulierungen, die sich nur auf die Handelsplattformen beziehen, ist also theoretisch möglich.

Andrang zu groß – Fidor Bank knickt unter der Last des Bitcoin ein

Mit einem technischen Problem anderer Art hat derzeit die Fidor Bank zu kämpfen. Als Partner der in Deutschland beheimateten Bitcoin-Handelsplattform Bitcoin.de bietet die Direktbank ihren Kunden den Expresshandel mit Bitcoins an. Mit dem riesigen Andrang an Nutzern, die dieses Angebot nutzen wollen, kann das Institut derzeit aber offenbar nicht umgehen. Laut der WiWo mehren sich im Netz bereits negative Stimmen, die einen sehr langsamen Service der Bank monieren. Dabei geht es nicht nur um Bitcoin-Produkte, sondern auch um grundlegende Funktionen wie das Ausstellen von Kontoauszügen und das Ausführen von Überweisungen. Selbst die Auszahlung am Kontoautomaten habe eine Zeit lang nicht funktioniert. Erschwerend kommt hinzu, dass IDnow, die die Verifizierung von neuen Kontobesitzern übernehmen, der Flut an Anfragen ebenfalls kaum Herr zu werden scheinen.

Neben den technischen Problemen scheint dem Einvernehmen nach auch die Kommunikationspolitik der Fidor Bank kritisch betrachtet zu werden. So seien Kunden nicht eigens über Probleme mit Kartenzahlungen informiert worden. Selbst Beschwerden bei der Bankenaufsicht wurden dem Unternehmen schon angedroht. Ob diese Auswirkungen haben, ist zurzeit jedoch nicht absehbar. Viel schlimmer dürften am Ende ohnehin das der Vertrauensverlust der eigenen Kunden zusammen mit der daraus resultierenden Schädigung der Reputation ausfallen.

Einschätzungen zum Bitcoin – Frank Thelen und Markus Schön warnen vor der Blase

Frank Thelen

Frank Thelen. Quelle: frank.io

Warnungen, dass der Bitcoin ein brandgefährliches Spekulationsobjekt ist und der Hype schon bald in den Crash übergeht, gibt es nicht erst seit dem rasanten Wertanstieg in diesem Jahr wie Sand am Meer. Nun hat sich DHDL-Jurymitglied Frank Thelen in der WirtschaftsWoche zur Kryptowährung geäußert. Tatsächlich habe Thelen selbst eine größere Summe Geld in den Bitcoin gesteckt, dabei aber die meisten seiner Positionen bereits wieder veräußert. Auch er sehe das Platzen der Blase in naher Zukunft kommen und halte den derzeitigen Handelswert der Währung keinesfalls für gedeckt. Die Blockchain-Technologie an sich habe für ihn jedoch enormes Zukunftspotential.

Etwas differenzierter äußert sich Markus Schön, Geschäftsführer der DVAM Vermögensverwaltung, in einer Kolumne im Manager Magazin. Er sehe im Bitcoin eine direkte Bedrohung für die Wirtschaft, da im Zuge des aus seiner Sicht unabwendbaren Crashes eine große Summe an Privatvermögen de facto vernichtet werden würde. Der Bitcoin habe im Unterschied zu klassischen Tauschgütern wie Rohstoffen keinen intrinsischen Wert. Außerdem fehle das durch staatliche Regulierung aufgebaute Vertrauen, das die Grundlage des Wertes von Fiat-Währungen bildet. Laut Schön könnte der Bitcoin vor seiner Talfahrt aber noch viel höher schießen – und dabei sogar einen Wert von 100.000 US-Dollar überschreiten. Ob es tatsächlich so kommt, wird sich zeigen. In jedem Fall wird der weitere Verlauf des Bitcoin-Kurses sehr interessant zu beobachten sein.

Bildquelle: shutterstock.com

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Gerrit Neumann
Über den Autor
Gerrit Neumann schreibt seit November 2017 für den Finanzpiloten und ist auf den Bereich Kryptowährung und Finanzen spezialisiert.