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München Fintech-Hauptstadt
Veröffentlicht am 20 Okt 2017

Ist München die neue Fintech-Hauptstadt?

Veröffentlicht am 20 Okt 2017
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Gestern startete in München der Company Builder Finconomy für Fintechs und Insurtechs (wir haben berichtet). Bislang gab es deutschlandweit nur einen Inkubator für Finanztechnologie-Startups: FinLeap. Die erfolgreiche Fintech-Schmiede ist in Berlin ansässig und schart seine Ventures, wie die solarisbank oder Element, ebenfalls in der Hauptstadt um sich. Dass sich der zweite Fintech-Inkubator nun in München niederlässt bringt die Frage mit sich, ob die bayrische Landeshauptstadt Berlin den Rang als Fintech-Hauptstadt abläuft.

Berlin quantitativ auf Platz 1

München Fintech-Hauptsadt

Quelle: © comdirekt

Bei der Anzahl der ansässigen Fintechs liegt unumstritten Berlin weiterhin auf Platz 1. Neben den genannten FinLeap-Ventures sitzen beispielsweise auch die Kreditmarktplätze Funding Circle und Lendico, Zinsportal WeltSparen und die mobile Bank N26 in der Hauptstadt. Trotzdem gibt es auch einige bekannte Münchener Fintechs, z. B. den digitale Vermögensverwalter Scalable Capital, die Fidor Bank oder Wirecard.

Das Problem für viele Gründer sind die hohen Lebenshaltungskosten, die einen in München erwarten. Wer in der bayrischen Landeshauptstadt mit einem Startup erfolgreich werden will, braucht schnell Finanzierung. Doch die hohen Mieten und Immobilienpreise werden langsam auch für Berliner zum Problem, gegen München spricht in der Hinsicht also bald nichts mehr. Mit den steigenden Lebenshaltungskosten wachsen natürlich auch die Gehaltsvorstellungen, die dürften sich daher auch schnell denen der Münchener annähern.

München ist besonders interessant für Insurtechs

Die Bayern-Metropole bietet für Fintechs immer mehr Vorteile, insbesondere die hohe Dichte an Dax-Konzernen und internationalen Technologie-Unternehmen kommt den Finanztechnologie-Startups zugute, ebenso wie die ausgeprägte Business-Angel-Szene und die vielen ansässigen Venture Capital-Firmen. Besonders stark gilt München im Versicherungsbereich. Versicherungsriesen, wie die Allianz oder Munich Re, haben hier ihren Sitz. Anders als das Bankwesen steht der Versicherungsbranche der größte Umbruch wahrscheinlich noch bevor. Die Versicherer sind gewappnet und fördern sogar digitale Ansätze. Angeführt von einem Ex-Manager von Rocket Internet, der auf Insurtechs spezialisiert ist, gibt es beispielsweise den Allianz Digital Accelerator. Für Insurtechs bieten sich daher gerade in der bayrischen Landeshauptstadt viele spannende Chancen.

Viele namhafte Finanzunternehmen sind in München ansässig

Wenn man die Fintech-Szene über einen längeren Zeitraum betrachtet, bis dahin wo der Begriff vielleicht noch gar nicht richtig existierte, und den Blick von der Startup-Szene löst, fällt auf, dass es viele namhafte Finanzunternehmen in München gibt. Unter ihnen sogar zwei Unicorns (Unternehmen, die mit mehr als 1 Milliarde Euro bewertet werden): Check24 und Interhyp. Diese haben sich mittlerweile nur so weit etabliert, dass sie bei Analysen zu deutschen Fintech-Zentren gar nicht mehr mit einberechnet werden, da sie häufig gar nicht mit dem Begriff in Verbindung gebracht werden.

Der Start von Finconomy könnte somit eine Wende für München als Fintech-Standort mit sich bringen und auch andere Startups anziehen. Der Company-Builder siedelt sich nicht umsonst in der bayrischen Metropole an. Die Politik gilt als besonders gründerfreundlich und auch die Münchener Bundesbank-Dependance gilt als sehr hilfsbereit, was die Ansiedlung neuer Finanzinstitute betrifft. Hinzu kommen regelmäßig stattfindende Digitalevents, wie Bits & Pretzels, Networking-Möglichkeiten beim Fintech Munich Meetup oder Insurtech-Events. Welche deutsche Stadt letztendlich den Namen „Fintech-Hauptstadt“ verdient bleibt Definitionssache.

Bildquelle: https://www.comdirect.de/cms/ueberuns/de/presse/cori1088_1159.html

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Über den Autor
Melina Uhlig ist Expertin für die aktuellen News aus der FinTech-Branche und der Start-Up-Szene. Sie arbeitet seit 2016 bei auxmoney.