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Veröffentlicht am 30 Okt 2018

Ins Zeitalter des Mobile Payment – Innovation aus Fernost

Veröffentlicht am 30 Okt 2018
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Es brauchte ungefähr vier Jahre, bis das Bargeld aus dem chinesischen Zahlungsverkehr nahezu verschwunden ist. Doch wie ist es eigentlich den großen Internetfirmen aus dem bevölkerungsreichsten Land der Welt gelungen, Mobile Payment in der Mitte der Gesellschaft zu etablieren?

Alipay – der Vorreiter

In China ist Mobile Payment schon lange kein Neuland mehr – bereits seit 2004 bietet der Konzern Ant Financial mit seiner Tochterfirma Alipay schon Bezahlungen per Smartphone an. Kreditkarten haben sich in China nie richtig etabliert und der Service der ansässigen Staatsbanken war faktisch nicht vorhanden. Für sein E-Commerce Geschäft benötigte Alibaba jedoch einen sicheren und schnellen Zahlungsdienst und startete deshalb den Mobile Payment Dienst Alipay. Die meisten Chinesen besaßen nie einen Desktop PC oder ein Festnetztelefon und haben sich sofort ein Smartphone zugelegt, wovon der Zahlungsdienst stark profitierte. In Shanghai bezahlt man selbst Straßenmusiker mit dem Smartphone. Dafür werden QR-Codes benutzt, die in China bereits seit zehn Jahren überall verbreitet sind.

Der Herausforderer WeChat hat aufgeholt

2014 drängte der Mitbewerber Tencent mit seiner Nachrichten-App WeChat in den Markt und landete einen spektakulären Marketing-Coup: Zum Neujahr schenken sich Millionen Chinesen traditionell Geld in roten Umschlägen – WeChat ermöglichte es den Nutzern, solch einen roten Umschlag in digitaler Form an ihre Kontakte zu verschicken. Sage und schreibe 40 Millionen dieser Umschläge verschickten die Chinesen in nur zwei Tagen. Auch die ältere Generation wollten ihren Enkeln Geld schicken und registrierten sich bei dem Dienst. Mittlerweile teilen sich WeChat und Alipay den Markt der mobilen Transaktionen anteilsmäßig in etwa auf.
Während Alipay gerade sein Gesichtserkennungssystem „Smile to Pay“, welches auf Basis biometrischer Daten das Bezahlen mit einem Lächeln ermöglicht, in einer chinesischen KFC-Filiale und in einigen Supermärkten testet, müssen sich chinesische Touristen in Deutschland noch mit Bargeldzahlungen arrangieren. Alipay zeigt aber keine Bestrebungen in den deutschen Markt für mobiles Bezahlen einzutreten. Der Zahlungsdienst ist in Deutschland nur mit chinesischem Bankkonto nutzbar und somit eher für chinesische Touristen interessant. Aufgrund des großen Andrangs der chinesischen Touristen in München hat der Einzelhandel dort jedoch reagiert. In Kooperation mit dem Zahlungsdienstleiser Wirecard, bieten Rossmann, der Münchener Flughafen und das Kaufhaus Breuninger die Zahlungsfunktion von WeChat direkt im Laden an.

Wirecard versucht auch den Deutschen die mobilen Zahlungen näher zu bringen: mit der Mobile Payment-App Boon sollen Kunden künftig digital Überweisungen tätigen, Versicherungen abschließen und Kredite aufnehmen. Außerdem sind Zahlungen mit Google Play, FitBit Pay und Garmin Pay via NFC (Near Field Communication) mit der von Wirecard entwickelten App möglich. Die Digitalisierung schreitet voran und auch in Deutschland wird sich die Revolution des Zahlungswesens aus Fernost früher oder später niederschlagen – den Grundstein hat Wirecard dafür gelegt.

Bildquelle: shutterstock.com

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Melina Uhlig
Über den Autor
Melina Uhlig ist Expertin für die aktuellen News aus der FinTech-Branche und der Start-Up-Szene. Sie arbeitet seit 2016 bei auxmoney.