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Mehrwertsteuer Senkung unternehmen Wirtschaft coronakrise
Veröffentlicht am 15 Jul 2020

Wie sinnvoll ist die Mehrwertsteuersenkung?

Veröffentlicht am 15 Jul 2020
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Mittlerweile hat es vermutlich jeder mitbekommen – die Mehrwertsteuer beträgt seit dem ersten Juli nur noch 16 anstatt 19 Prozent (beziehungsweise 5 anstatt 7 Prozent). Dadurch soll der Konsum in und nach der Corona-Krise angekurbelt werden. Hat die Steuersenkung wirklich einen Effekt?

Bei welchen Anschaffungen kann man jetzt sparen?

Die Mehrwertsteuersenkung besagt konkret, dass man bei einem Nettopreis von 100 Euro 116 anstatt 119 Euro zahlen muss. Sie gilt für sämtliche Einkäufe, aber auch für Abonnements, Leasingverträge, Mitgliedsverträge und Abbuchungen von Streamingdiensten. Wichtig ist, dass die Zahlung zwischen dem ersten Juli und dem 31. Dezember 2020 anfällt. Denn die Regelung soll nur bis Jahresende gelten. Der maßgebliche Zeitpunkt ist die Leistung oder Lieferung, nicht die Bestellung. Ausgenommen davon sind vorher vereinbarte Festpreise. Wenn der Abrechnungszeitpunkt von Wartungsfirmen (z.B. für die Heizung) in diesen Zeitraum fällt, kann man auch hier bei der Mehrwertsteuer sparen. Für Mietverträge und Versicherungsverträge gibt es keine Änderung. Um den Aufwand für die Händler zu senken, müssen nicht alle Waren neu ausgezeichnet werden und der Rabatt kann an der Kasse abgerechnet werden. Die Buchhaltungssysteme zu erneuern, dürfte trotzdem viel Arbeit und Geld gekostet haben. Den Bund wird die Steuersenkung etwa 20 Milliarden Euro kosten.

Mehrwertsteuersenkung muss nicht an den Kunden weitergegeben werden

Während die Einsparungen bei Lebensmitteleinkäufen für den Verbraucher meist nur wenige Cent betragen, kann sich die Mehrwertsteuersenkung bei großen Anschaffungen wie einem Auto oder Wohnwagen lohnen. Man spart mehrere hundert Euro, vorausgesetzt die Steuersenkung wird tatsächlich in Form von niedrigeren Preisen an den Kunden weitergegeben. Das ist nämlich keine Pflicht. Zudem sind die Händler frei in ihrer Preisgestaltung und haben die Möglichkeit, die Mehrwertsteuer nur für einen Teil ihres Angebots weiterzugeben. Besonders wettbewerbsorientierte Branchen, die nicht so stark von der Corona-Krise betroffen sind, haben angekündigt, die Mehrwertsteuersenkung an Verbraucher weitergeben zu wollen. Dazu gehören Bäckereien, Lebensmittelgeschäfte, die Deutsche Bahn und die Autobranche. Anders sieht es in der Gastronomie, in der Textilbranche und bei Kosmetikern aus.

Fördert die Maßnahme die Kauflaune in der Corona-Krise?

Allerdings neigen Verbraucher in der Krise eher dazu, zu sparen und wollen sich jetzt nicht unbedingt ein neues Auto anschaffen. Können ein paar Prozent Nachlass etwas daran ändern? Wird die Mehrwertsteuersenkung trotzdem genutzt, um Einkäufe, die man eigentlich 2021 tätigen wollte, vorzuziehen? Falls dem so ist, könnte das im nächsten Jahr wieder zu Problemen aufgrund dann fehlender Nachfrage führen. Ob die Wirtschaft also tatsächlich durch die Mehrwertsteuersenkung angekurbelt wird, bleibt noch abzuwarten.

Bildquelle: shutterstock.com

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Michelle Kämpfer
Über den Autor
Michelle Kämpfer beschäftigt sich insbesondere mit der lokalen Startup-Szene mit Schwerpunkt auf der FinTech-Branche. Sie arbeitet seit 2018 bei auxmoney.