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Kryptowährungen
Veröffentlicht am 08 Jan 2018

Kryptowährungen in 2017: Ein Rückblick (Teil 2)

Veröffentlicht am 08 Jan 2018
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2017 – Jahr der Kryptowährungen. Die Kurse stiegen sprunghaft, die Zahl der Anhänger folgte. Inzwischen hat wohl jeder von Kryptowährungen gehört, was es genau damit auf sich hat und was genau dahinter steht, ist vielen dennoch nicht klar. Auch wenn es um Entwicklungen und Hintergründe geht, können nur die wenigsten mitreden. Genau hier soll der folgende Rückblick einsetzen, um im Dickicht der Meldungen einen Überblick zu ermöglichen.

Was genau sind die Lehren, Ereignisse, Entwicklungen und Probleme, die uns aus dem Krypto-Jahr 2017 in Erinnerung bleiben werden?

Teil 1: Das Jahr der Riesenkurszuwächse – Mit Bitcoin zum Millionär?
Teil 2: Der Bitcoin geht an die Börse und der Beginn staatlicher Regulierung
Teil 3: ICOs und Blockchain – Ideen für die Zukunft?

Der Bitcoin geht an die Börse – Der Eintritt in den Massenmarkt

Die Schwierigkeit, einen Bitcoin zu kaufen

Bitcoin

Quelle: Shutterstock

Wer schon einmal versucht hat, einen Bitcoin oder eine andere Kryptowährung zu erstehen, wird schnell eingesehen haben, dass dieses Unterfangen gar nicht so einfach ist. Zuerst braucht man eine sogenannte „Wallet“, die der Speicherung der Coins dient. Hier gibt es keine standardisierte Wahl, sondern unzählige verschiedene Anbieter, die wiederum nur gewisse Coins oder Funktionen unterstützen. Eine qualifizierte Wahl zu treffen, ist ohne Recherche kaum möglich – und das kann gefährlich sein, denn einige Wallet-Anbieter locken Kunden mit großen Versprechen an, nur um ihnen dann eingezahltes Geld zu stehlen. Keine Wahl ist hundertprozentig sicher, da nur selten wirkliche Organisationen hinter einer Kryptowährung stehen, die eine richtige Infrastruktur bereitstellen könnten. Das ist einer der Nachteile des Prinzips „Dezentralisierung“.

Dies ist nicht die einzige Schwierigkeit, denn zwar können mit einer Wallet schon Coins versendet und empfangen werden, aber wer möchte für jede Transaktion erst einen Interessenten um seine Walletadresse und Kontonummer bitten? Um den Handel mit Kryptowährungen in großem Stil zu ermöglichen, gibt es spezialisierte Handelsplattformen, die im Prinzip wie eine klassische Börse funktionieren – nur für Kryptowährungen und ohne jegliche Regulierung (mehr zum Stichwort Regulierung). Auch hier gibt es eine große Zahl an Anbietern und Kriminellen, die Anleger um ihr Geld bringen. Das selbst große Plattformen nicht unlauteren Taktiken zurückschrecken, zeigt das Beispiel Mt.Gox eindrucksvoll. Die Handelsplattform, die in den ersten Jahren des Bitcoins mit Abstand die größte ihrer Art war, brachte durch unsaubere Geschäftspraktiken ihre Kunden um insgesamt mehr als 600.000 Bitcoins. Damals ging es um Millionenbeträge, heute wären es bereits Milliarden.

Börse statt Wallet

Es zeigt sich: Der Handel mit Kryptowährungen an sich ist immer noch weit von der Massentauglichkeit entfernt. Zu komplex, zu undurchsichtig ist das Ganze für Verbraucher. Allerdings gibt es mittlerweile Alternativen. Anstatt Bitcoins oder andere Währungen direkt zu kaufen und zu lagern, können an bestimmten Börsen Futures gehandelt werden. Diese Verhalten sich mehr oder weniger wie eine Aktie, wobei man auf kurzfristige Kursanstiege bzw. -abfälle wetten kann. Futures sind in den USA bereits an einigen Börsen, namentlich der CBOE und der CME, möglich. Bald soll die mächtige Nasdaq folgen. Auch die Deutsche Börse denkt über derartige Angebote nach. Dies würde für viele Anleger eine neue, einfachere Möglichkeit eröffnen, in den wachsenden Krypto-Markt einzusteigen.

FinTechs springen ebenfalls auf den Zug auf. Die Mobile Bank Revolut bietet schon den Handel mit drei Kryptowährungen (darunter Bitcoin) an, das deutsche Pendant N26 will dies ebenfalls einführen. Auch andere Plattformen wie Plus500, die sich auf Hebelprodukte spezialisieren, können für Investments genutzt werden. Einen direkten Zugriff auf seine gekauften Coins außerhalb der App hat man dabei allerdings nicht.

Staatliche Regulierungsbehörden werden aufmerksam – Der Kampf gegen Kriminalität, Terror und Steuerbetrug

Die Idee hinter der Erschaffung der ersten Kryptowährung, Bitcoin, war im Grunde einfach: Es sollte ein dezentral gesteuertes, fälschungssicheres und nicht manipulierbares Zahlungsmittel erschaffen werden, das (quasi) anonyme Transaktionen erlaubt und daher nicht von ungewünschten Stellen überwacht werden kann. Die ersten Punkte sind dabei sicherlich auch weiterhin die größten Vorzüge von Kryptowährungen, die technologisch auf der Idee der Blockchain basieren. Das Prinzip dahinter könnte nun sogar die Abwicklung von industriellen Prozessen und Verwaltungsaufgaben revolutionieren (mehr Infos dazu im dritten Teil unseres Rückblicks).

Die Schattenseiten der Anonymität

Das Thema „Anonymität“ ist hingegen eines der größten Reizthemen, wenn es um Kryptowährungen geht. Diese erlaubt es nämlich auch Kriminellen und Terroristen, Transaktionen durchzuführen, ohne dabei die Verfolgung durch staatliche Institutionen fürchten zu müssen. Das jedenfalls ist vor allem aus der Politik häufig zu hören und wird so auch vielfach als Grund genannt, Kryptowährungen staatlich deutlich härter zu regulieren bzw. sogar zu verbieten. Dass die Sorgen tatsächlich begründet sind, lässt sich eindrucksvoll auf illegalen Darknet-Portalen nachweisen, auf denen sich Waffen, Drogen und sogar Auftragsmörder bestellen lassen – im Austausch für Kryptowährungen wie den Bitcoin.

Auch Steuerhinterziehung ist ein großes Thema, schließlich können Transaktionen, Umsätze und Gewinne fast überhaupt nicht von außen nachgeprüft werden. Handelsplattformen sitzen häufig im Ausland und haben zudem teilweise sehr unterschiedliche Anforderungen hinsichtlich der Verifizierung ihrer Kunden. Ein einheitliches System gibt es nicht, ebenso wenig eine klare gesetzliche Regelung. Grundsätzlich müssen Gewinne mit Kryptowährungen aber wie normale Anlagengewinne versteuert werden.

Staatliche Stellen reagieren

Angesichts der stark steigenden Anlegerzahlen und Transaktionsvolumina im Bereich der Kryptowährungen hat das Thema nun staatliche Stellen auf den Plan gerufen. Endlich, könnte man meinen, schließlich sind Bitcoin und Co. schon seit vielen Jahren unreguliert im Umlauf. Eine einheitliche Strategie ist jedoch nicht zu erkennen. Deutschland und Frankreich fordern eine Lösung, die die meisten Staaten einschließt. Eine große Wirkung dieses Vorstoßes blieb bislang aus. Währenddessen arbeitet die EU schon fleißig an eigenen Lösungen – die jedoch selbst im optimistischsten Fall als „halbgar“ zu bezeichnen sind. So wird lediglich eine Lösung spezifisch für den Bitcoin vorgeschlagen, nicht aber für Kryptowährungen allgemein.

Generell geht es vor allem darum, den Aspekt der Anonymität aus dem Handel mit Kryptowährungen zu entfernen. So sollen Handelsplattformen und Wallet-Anbieter künftig nur noch dann operieren dürfen, wenn sie alle Kerndaten ihrer Nutzer eindeutig verifizieren. Das würde jedoch nur dann wirklich funktionieren, wenn möglichst viele Länder bei einer solchen Einigung mitmachen würden. Fraglich ist auch, ob eine solche Maßnahme selbst im Optimalfall den gewünschten Effekt hätte. Zu durchsichtig scheinen die Lücken, die für Händler mit krimineller Energie offenblieben. Andere Staaten gehen schon deutlich weiter. Südkorea, eines der Länder mit den meisten Krypto-Anlegern, denkt offen darüber nach, den Handel mit Kryptowährungen komplett zu verbieten. Verschärfte Regulierungen sind bereits in Kraft.

Trotz der insgesamt vorherrschenden gesetzgeberischen Ratlosigkeit gibt es auch immer wieder Erfolgsmeldungen im Kampf gegen im Untergrund agierende Banden zu melden, deren Bitcoin-Transaktionen sich zurückverfolgen ließen. Komplett wasserdicht ist die Anonymität nämlich am Ende doch nicht, da bei jeder Transaktion eine Signatur von Sender und Empfänger ausgetauscht werden. Allerdings ist die Verfolgung derart komplex, dass es vorerst wohl bei Einzelfallerfolgen bleiben wird.

Bildquelle: shutterstock.com

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Gerrit Neumann
Über den Autor
Gerrit Neumann schreibt seit November 2017 für den Finanzpiloten und ist auf den Bereich Kryptowährung und Finanzen spezialisiert.