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Locomore
Veröffentlicht am 07 Jun 2017

Insolvente Locomore führt Gespräche mit tschechischem Bahnbetreiber

Veröffentlicht am 07 Jun 2017
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Mit Bio-Essen, Retro-Design und Themenabteilen wollte sich Locomore auf der Strecke Stuttgart-Berlin als Alternative zur Bahn etablieren. Seit Dezember wurde die Strecke einmal täglich von dem privaten Bahnbetreiber angeboten, doch schon im Mai meldete das Unternehmen überraschend Insolvenz an. Denn erschwerend zu sinkenden Fahrgastzahlen, vor allem unter der Woche, kamen technische Probleme mit dem modernisierten Zug aus den 70er Jahren hinzu. Trotzdem haben offenbar bereits Investoren ihr Interessen an dem Berliner Start-up bekundet. Allen voran ein tschechisches Familienunternehmen.

 

Leo Express will mit Locomore auf dem deutschen Markt Fuß fassen

Das tschechische Bahn- und Busunternehmen, das hierzulande noch unbekannt ist, will mithilfe von Locomore einen Zugang zum deutschen Fernverkehrsmarkt erhalten.

„Wir haben ein Angebot abgegeben. Wir wollen an den Mitarbeitern und vielen Lieferanten festhalten. Wir verstehen das Geschäft sehr gut und können unsere Erfahrung einbringen“

-Peter Köhler (Vorstandschef Leo Express) gegenüber dem Handelsblatt

 

Das 2009 gegründete tschechische Unternehmen bietet neben Bahnverbindungen auch Tickets für Fernbusse an. Laut eigenen Angaben hat Leo Express 2016 zwischen Ostrava und Prag 1,5 Millionen Fahrgäste befördert. Der Umsatz hat sich laut Köhler gegenüber dem Handelsblatt von 6,7 Millionen Euro 2013 auf 13,5 Millionen Euro vergangenes Jahr gesteigert. Laut Forbes wird der Unternehmenswert von Leo Express auf 167 Millionen Euro geschätzt. Mit Locomore erhofft sich das tschechische Unternehmen, welches bereits 90 Städte in sechs Ländern verbindet, auch auf dem deutschen Fernverkehrsmarkt Fuß zu fassen.

 

Mehrere Investoren im Gespräch mit Locomore

Auch andere Investoren sind im Gespräch mit Fernzugunternehmen Locomore, welches bis April rund 70.000 Fahrgäste beförderte. Dass es so viele potenzielle Investoren gibt wird als „positives Zeichen“ von Danny Koch, der als Rechtsanwalt der Kanzlei des vorläufigen Insolvenzverwalters Rolf Rattude angehört, gewertet. Denn sollte kein Investor bereit sein Locomore inklusive seiner Schulden zu kaufen, sähe es Koch zufolge vor allem für die Crowdfunding-Gläubiger „gar nicht gut aus“. Diese hatten bis März 928.000 Euro in das Startup Locomore investiert.

Laut des vorläufigen Insolvenzverwalters verfügt das 2007 gegründete Fernzugunternehmen Locomore momentan nicht über genügend liquide Mittel, um den Fahrbetrieb auf der Strecke Berlin Stuttgart aus eigener Kraft aufrecht zu erhalten. Die Fahrten fielen bis Ende Mai aus und online konnten vorerst keine neuen Tickets bestellt werden. Ob die geplanten Fahrten im Juni wieder stattfinden ist bisher nicht bekannt.

Bildquelle: https://www.flixbus.de/unternehmen/presse/mediathek

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Melina Uhlig
Über den Autor
Melina Uhlig ist Expertin für die aktuellen News aus der FinTech-Branche und der Start-Up-Szene. Sie arbeitet seit 2016 bei auxmoney.