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Bitcoin
Veröffentlicht am 15 Dez 2017

Kryptowährungen: Deutsche Börse und N26 denken über Bitcoin-Produkte nach

Veröffentlicht am 15 Dez 2017
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Keine zwei Wochen nach unserem letzten Bericht über den Bitcoin hat sich bereits schon wieder eine Menge getan. Der riesige Hype, der in den letzten Wochen um die Kryptowährung entstanden ist, scheint sich nun zunehmend auch auf die Anbieter traditioneller Finanzprodukte auszuweiten. Mehrere FinTechs und selbst die Deutsche Börse denken nun über einen Einstieg in das Trading mit digitalen Währungen nach. Einige Vorreiter sind sogar bereits an den Start gegangen.

Der Bitcoin geht an die Börse, bald auch an die Deutsche?

Den Sprung in die Sphären des traditionellen Börsen-Handels hat der Bitcoin bereits erfolgreich vollzogen. Seit dem 11. Dezember kann die Währung über die Chicago Board Options Exchange (CBOE) gehandelt werden. Die Chicago Mercantile Exchange (CME) zieht am 18. Dezember nach. Damit stehen Anlegern und Investoren zum ersten Mal angesehene Plattformen zum Handel mit Bitcoins zur Verfügung. Vorher war dies fast ausschließlich über Plattformen möglich, die hinsichtlich der Transparenz und Verlässlichkeit häufig deutlich zu wünschen übrig lassen. Auch wird der technisch recht anspruchsvolle Direkthandel der Währung umgangen. Erste Fonds mit Kryptowährungen im Portfolio sind ebenfalls in der Entstehungsphase, wie aus diesem amerikanischen Registrierungsantrag hervorgeht. In der Folge stellt die Infrastruktur des Handels damit keine so große Hemmschwelle mehr dar, was wiederum zu mehr Anlegern und einem größeren Handelsvolumen führen dürfte. Gestützt wird dies bereits durch erste Zahlen von der CBOE, bei der die Futures am ersten Handelstag bereits um satte 20 Prozent zulegten. Ein weiteres Novum ist, dass mithilfe der Futures nun auch auf einen fallenden Bitcoin-Kurs gewettet werden kann.

Schon jetzt ist dabei klar, dass es nicht bei den beiden genannten Börsen bleiben wird, wenn es um Bitcoin-Futures geht. Die mächtige Nasdaq steigt ab nächstem Jahr ebenfalls in den Handel ein. Nun denkt sogar die Deutsche Börse über ein solches Produkt nach. “Wir prüfen darüber hinaus, ob es sinnvoll sein kann, einen Index basierend auf Kryptowährungen wie Bitcoin zu berechnen und anzubieten”, wird ein Sprecher des Unternehmens nach Reuters zitiert. Hier könnte es bis zur konkreten Umsetzung allerdings noch einige Zeit dauern. Ob der Hype um den Bitcoin so lange hält, bleibt dabei abzuwarten.

FinTechs und Bitcoin: Revolut macht den Anfang, zieht N26 nun nach?

Die große Lücke, die traditionelle Finanzplattformen beim Handel mit Kryptowährungen bisher klaffend offen gelassen haben, wird angesichts der inzwischen riesigen Nachfrage zunehmend durch FinTechs geschlossen. Auch hier werden jedoch Vorbehalte gegenüber den neuen Währungen deutlich, die sich nicht zuletzt auf technische Probleme erstrecken. Während einzelne Anbieter wie Plus500 bereits seit einiger Zeit den Handel mit Bitcoin erlauben, bietet mit Revolut seit wenigen Tagen nun auch die erste komplette Digital Banking App den Handel mit Kryptowährungen an. Neben Bitcoin werden dabei auch Litecoin und Ethereum angeboten. Das Feature soll für alle Nutzer der App offen sein, ist jedoch derzeit nur für Premium-Kunden verfügbar. Alternativ können Nutzer auch nach dem Anwerben drei weiterer Kunden den Service nutzen. Der Grund für das langsame Ausrollen der Funktionalität ist der enorme Ansturm auf Revolut nach der Ankündigung, der die App fast vollständig zum Erliegen gebracht hatte. Es wird deutlich, wie groß das Interesse an einer einfachen und seriösen Plattform für Bitcoin ist.

N26-Gründer Valentin Stalf

N26-Gründer Valentin Stalf. Bildquelle: © N26

So verwundert es kaum, dass sich der Blick nun auf direkte Konkurrenten von Revolut richtet. Das deutsche Startup N26 gehört zweifellos zu diesen. In einem Interview mit der Welt hat Gründer Valentin Stalf nun direkt zu einer Nachfrage Stellung bezogen. Der Bitcoin sei im Vergleich zu anderen Finanzprodukten zwar eine Nische, aber „wir überlegen, vielleicht nächstes Jahr einen Bitcoinwechsel in die App zu integrieren“, so Stalf. Fest stehe dies aber noch nicht. Ein baldiger Einstieg der App in den Handel mit Kryptowährungen erscheint damit ausgeschlossen. Es bleibt spannend, wie andere Konkurrenten wie etwa Monzo auf die neue Situation reagieren und wie sich das neue Produkt auf die Geschäftszahlen von Revolut auswirken wird.

Hintergrund: Bitcoin und Bitcoin-Handel

Der Bitcoin ist ein rein digitales Zahlungsmittel, das sich auf die Technologie der Blockchain stützt. In dieser werden alle Transaktionen für alle Zeit festgehalten. Die Größe der Blockchain wächst damit mit jeder einzelnen Transaktion. Heute ist die Blockchain bereits über 150 GB groß. Die Integrität der Blockchain ist die Grundlage für den Werterhalt des Bitcoin. Bitcoins bzw. Anteile an diesen werden in speziellen „Wallets“ gespeichert, die auf ein beliebiges Speichermedium übertragen werden können. Verliert ein Nutzer den Zugriff auf das Speichermedium mit der Wallet, gehen auch alle Bitcoins in ihr verloren. Bitcoins können direkt von einer Wallet zur nächsten übertragen werden, dafür besitzen die Wallets eigene Identifikationsnummern. Ein „Handel“ von Bitcoins ist damit theoretisch komplett unabhängig von Transaktionsplattformen möglich, sofern die Handelspartner ihre Wallet-Adressen ausgetauscht haben. Über spezielle Plattformen, die mit den Wallets synchronisiert werden, können Nutzer Kauf- und Verkaufsangebote einer breiteren Masse anbieten. Die Plattformen kümmern sich dann um den Austausch von Geld bzw. Bitcoins ähnlich wie bei einer Börse, wobei der Nutzer am Ende die komplette Kontrolle über seine gekauften Bitcoins erhält. Im Unterschied dazu werden über Börsen wie die CBOE Bitcoins nur virtuell gehandelt. Der Anleger hat so keinen direkten Zugriff auf die Bitcoins, die er ersteigert.

Bildquelle: shutterstock.com

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Gerrit Neumann
Über den Autor
Gerrit Neumann schreibt seit November 2017 für den Finanzpiloten und ist auf den Bereich Kryptowährung und Finanzen spezialisiert.