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Bitcoin
Veröffentlicht am 01 Dez 2017

Der Bitcoin – zwischen Zukunftswährung und Finanzblase

Veröffentlicht am 01 Dez 2017
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Seit 2013 ist der Bitcoin in aller Munde. Damals begann der Hype um die Kryptowährung und der Bitcoin-Kurs stieg in nur 12 Monaten von 20 auf 1.200 US-Dollar. In der letzten Woche, im November 2017, erreichte der viel diskutierte Bitcoin nun seinen Rekordwert – über 11.200 US-Dollar, für einen einzigen Bitcoin. Dazu kursiert im Internet eine beliebte Anekdote aus dem Jahr 2010. Ein Jahr nach der Einführung der Cyberwährung verkauften ein paar Programmierer zwei Pizzen für 10.000 Bitcoins, oder heute etwa 100 Millionen Dollar. So schnell wie der Kurs steigt, kann er allerdings auch wieder fallen. Seinen einzigen Absturz verzeichnete der Bitcoin 2015, als er plötzlich nur noch 200 US-Dollar wert war, so wenig wie zuletzt im Frühjahr 2013. Seitdem geht die Kurve steil nach oben.

Von der verschmähten Hackerwährung zum heißesten Trend in der Finanzbranche

In Umlauf gebracht wurde der Bitcoin 2009 von einer Figur namens Satoshi Nakamoto, dessen Identität bis heute nicht eindeutig geklärt ist. Die Währung wird durch enorme Rechenprozesse hergestellt, die extrem viel Strom verbrauchen. Dieses sogenannte „Mining“ produziert dann die Währung in Form von Bits und Bytes auf Computern. Scheine, Münzen oder eine Kontrolle durch Banken oder Regierungen gibt es nicht.

Aus diesen Gründen wurde der Bitcoin von der seriösen Finanzbranche auch lange verschmäht, mittlerweile ist er aber einfach zu groß geworden um ihn zu ignorieren. John Bogle, von der US-Investmentgesellschaft Vanguard sieht „nichts, was für den Bitcoin spricht, außer der Hoffnung, dass man ihn an jemanden für mehr verkaufen kann, als man dafür bezahlt hat.“ Für ihn wäre ein Absturz des Kurses auf etwa 100 USD keine große Überraschung. Auch Elisabeth Roegele von der deutschen Finanzbehörde Bafin warnt vor einem kompletten Wertverlust. Der EZB-Notenbanker Yves Mersch befürchtet dagegen, dass die Trader irgendwann den Preis für die exzessiven Spekulationen zahlen müssten.

Dennoch steht der Bitcoin immer noch für die Zukunft. Japan war nun das erste Land, das den Bitcoin trotz aller Unsicherheiten neben dem Yen als offizielle Währung anerkannt hat. Anderswo auf der Welt deutet sich ähnliches an, in Venezuela zum Beispiel wird der Bitcoin aufgrund der instabilen Landeswährung als Alternativwährung genutzt. Wegen diesen Trends planen die US-Terminbörsen Nasdaq und CME die Einführung eines eigenen Finanzproduktes, der „Bitcoin-Future“.

Für den EZB Vizepräsidenten Vitor Constancio ist der Bitcoin im Gegensatz dazu noch nicht einmal eine Währung. Das „Finanzprodukt“ sei eher ein Vermögenswert, mit dem spekuliert werden könne. Eine eindeutig vorherrschende Meinung gibt es nach vier Jahren Bitcoin-Hype also immer noch nicht.

Anonymität als Vor- und Nachteil

Die zahlreichen User, Investoren und Trader, die den Bitcoin-Hype letztendlich ausgelöst haben, nennen vor allem die Anonymität und dezentrale Autonomie als größten Vorteil. Dabei ist der Bitcoin nur eine von mittlerweile über 1.000 verschiedenen Kryptowährungen – mit großem Abstand aber die Bekannteste und Beliebteste. So phänomenal die Anonymität für alle Computer- und Internetbegeisterte, Programmierer und Hacker auch ist, so bietet sie gleichzeitig auch die optimalen Bedingungen für die neuen Formen der Cyberkriminalität.

Die Erpressung von Firmen und wichtigen Privatpersonen mit Computerviren ist in Zeiten der Digitalisierung nicht mehr unüblich. Bezahlt wird das Lösegeld dann in Bitcoin. Möglich ist auch die Verwendung zur Geldwäsche, denn durch die angesprochene Anonymität ist der Bitcoin, wenn überhaupt, nur sehr schwer nachverfolgbar.

Unvorhersehbare Zukunft

In zweierlei Hinsicht ist die Zukunft der bekanntesten Kryptowährung nur schwer zu prophezeien. Der Kurs steigt, langfristig gesehen, zwar konsequent an, dennoch gibt es aber immer wieder Kurseinbrüche von über 20%. Das Ganze geschieht dann in nur wenigen Stunden. Kann der Bitcoin-Höhenflug genauso schnell vorbei sein wie er begonnen hat?

Dagegen spricht, dass sich immer mehr Institution und mittlerweile sogar schon Länder ernsthaft mit dem Bitcoin auseinandersetzen und diesen für sich nutzen wollen. Es bleibt nicht nur bei Börsen wie dem Nasdaq oder Staaten wie Japan, denn auch Schweden denkt beispielsweise über eine eigene Cyberwährung nach. Mit jedem weiteren Land und jeder weiteren Institution die sich positiv zum Bitcoin äußert oder ihre Pläne mit diesem bekannt gibt, schießt der Kurs der Kryptowährung weiter in die Höhe und wird ein kleines Stück, wenn auch nur minimal, sicherer.

Der Bitcoin als Vorreiter

Nichts desto trotz ist der Bitcoin bislang eben „nur“ eine Finanzspielerei. Zugeben, eine Finanzspielerei, mit der sich eine Menge Geld verdienen lässt, dabei darf aber nicht außer Acht gelassen werden, dass dieses Geld genauso schnell wieder virtuell verbrannt werden kann. Was sehr viel sicherer ist als der angesprochene Kurs ist, ist dass der Bitcoin das Eis für die Zukunft der Cyberwährungen brechen wird.

Auch wenn der Bitcoin nicht die Zukunft der Finanzwelt sein sollte, zweifelt heutzutage niemand mehr am riesigen Potential der „Blockchain-Technologie“, also der Herstellungsweise von Kryptowährungen. Eines bleibt also jetzt schon: die Lanze für zukunftsorientierte, bargeldlose Währungsmodelle ist schonmal gebrochen. Wie lange der Bitcoin-Goldrausch noch läuft und ob die Blase eines Tages platzt und der Bitcoin gemeinsam mit Milliarden US-Dollar untergeht, steht in den Sternen. Steigt der Kurs bis dahin allerdings in bisherigem Tempo weiter an, könnte dieser Tag zum nächsten weltweiten Finanzbeben werden.

Bildquelle: shutterstock.com

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Marc Steppke
Über den Autor
Marc Steppke ist seit 2017 bei auxmoney. Neben aktuellen FinTech-News berichtet er über die internationale Wirtschafts- und Finanzbranche.