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Bitcoin-Handel über ICE und Goldman Sachs? Ethereum Futures an der CME?
Veröffentlicht am 15 Mai 2018

Bitcoin & Co. auf dem Weg zum regulierten Finanzprodukt?

Veröffentlicht am 15 Mai 2018
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Nachdem die amerikanische Großbank Goldman Sachs bereits mit Plänen zum Angebot von Bitcoin-Handel für seine Kunden für Furore gesorgt hatte, legt nun Intercontinental Exchange (ICE), das Unternehmen hinter der New Yorker Börse (NYSE), nach. Gleichzeitig bahnt sich an der CME möglicherweise das Angebot von Ethereum-Futures an. Die Tendenz scheint klar: Kryptowährungen sind auf dem Weg dahin, ein über regulierte Kanäle verfügbares Finanzprodukt zu werden.

ICE arbeitet angeblich an Bitcoin-Handelsplattform

Wie die New York Times berichtet, arbeitet ICE im Hintergrund an einer Online-Handelsplattform, über die Kunden mit Bitcoin handeln können. Anders als bei den bisher einzigen offiziellen (und regulierten) Bitcoin-Produkten US-amerikanischer Börsen, den Bitcoin-Futures der Chicagoer CME und CBOE, sollen die Kunden der neuen Plattform tatsächlich mit physischen Bitcoins handeln können genau wie dies bei anderen online Krypto-Börsen derzeit schon möglich ist. Der größte Unterschied zu diesen wäre am Ende aber, dass es sich bei der ICE um ein Unternehmen handelt, die mit der NYSE eine der angesehensten Wertpapierbörsen in ihrem Portfolio hat und damit sicherlich einen großen Vertrauensvorschuss genießt. Außerdem soll die Infrastruktur des Handels mithilfe sogenannter Swaps so aufgebaut sein, dass sie automatisch unter die Regulierung der Securities and Exchange Commission (SEC) fällt, sodass es sich um ein zweifelsfrei einwandfrei reguliertes Finanzprodukt handeln würde, das auch institutionellen Anlegern die Sorgen vor dem Investment in Bitcoin etwas nehmen könnte.

Die Pläne sind dabei allerdings alles andere als final. Die NYT bezieht die Informationen eigenen Angaben nach von vier anonymen Insidern. Offiziell gibt es keinerlei derartige Ankündigungen. Eine endgültige Entscheidung, ob eine Bitcoin-Handelsplattform wirklich kommt, sei außerdem noch nicht gefallen. Die Idee für das neue Produkt könne immer noch jederzeit ad acta gelegt werden.

Goldman Sachs legt vor mit neuen Bitcoin-Produkten

Die amerikanische Großbank Goldman Sachs ist ein weiterer Impulsgeber und hat sogar schon konkrete Pläne für die weitere Integration von Bitcoin-Finanzprodukten vorgelegt. Langfristig plant die Bank ebenfalls, ihren Kunden den Handel mit „physischen“ Bitcoins zu ermöglichen. Zuerst sollen jedoch Bitcoin-Futures analog zu denen der CME und CBOE angeboten werden. Zusätzlich soll eine flexiblere Version dieses Produkts angeboten werden, die in Fachtermini als „non-deliverable Forward“ bezeichnet wird.

Goldman reagiert mit den neuen Angeboten nach eigenen Angaben auf vermehrte Anfragen von Kunden, die Bitcoin als potentiell erfolgsversprechende Wertanlage ansehen oder über andere Wege an Bitcoin gekommen sind und nicht wissen, wie sie mit diesen umgehen sollen. Die Bank stellt sich mit dem Ansatz, sich gegenüber dem Bitcoin (und Kryptowährungen generell) zu öffnen, gegen den starken Trend innerhalb der Finanzbranche, Bitcoin und andere virtuelle Währungen als kurzlebigen Trend oder gar gefährliche Blase abzutun. Ohne Zweifel dürfte dieses Vorgehen dabei eine große Signalwirkung auf den Rest der Branche ausüben.

Nach Bitcoin-Futures: Kommen bald Ethereum-Futures an der CME?

Der große Vorreiter unter den renommierten Finanzdienstleistern, wenn es um die Integration virtueller Währungen geht, ist natürlich weiter die Chicago Mercantile Exchange (CME), die als erstes mit dem Angebot von Bitcoin-Futures im letzten Jahr auf sich aufmerksam machte. Nun scheint die Börse einen Schritt weiter zu gehen: Das Unternehmen bietet nun neben seinem Live-Preisindex für das Bitcoin-Dollar-Paar auch einen Live-Index für das Ethereum-Dollar-Paar an. Die offizielle Ankündigung endet an diesem Punkt, doch Beobachter deuten die Aktion als deutlichen Hinweis dafür, dass in naher Zukunft auch Ethereum-Futures angeboten werden könnten. Damit hätte auch die nach Marktkapitalisierung zweitgrößte Kryptowährung erstmals ein offiziell reguliertes Finanzprodukt auf dem Markt, das privaten wie institutionellen Investoren einen einwandfrei rechtssicheren Weg zum Wetten auf die Kurse geben würde. Offiziell sind diese Pläne allerdings nicht.

Fazit: Kryptowährungen auf dem Weg in den Finanz-Mainstream?

Betrachtet man die neuen Entwicklungen in ihrer Gesamtheit, wird ein Trend sichtbar: Der Bitcoin und andere Kryptowährungen nähern sich immer weiter dem finanziellen Mainstream an und sind auf einem guten Weg dahin, Teil der wohlregulierten Finanzwelt zu werden. Dies spiegelt sich auch in anderen Entwicklungen wider wie etwa der Öffnung der SEC gegenüber einer fairen Regulierung für Krypto-Produkte, der wachsenden Aufmerksamkeit für Bitcoin & Co. unter finanziellen Institutionen sowie in internationalen Bemühungen um einheitliche Regelungen etwa auf dem G20-Gipfel 2018. Je weiter die Integration fortschreitet, desto kleiner werden die Hürden für institutionelle Anleger, die mit dem Kryptomarkt eine alternative Anlagemöglichkeit in einer Niedrigzinsphase hätten. Bis dato sind Kryptowährungen für institutionelle Anleger noch weitgehend ein Tabu, doch womöglich könnte sich dies mittelfristig ändern und damit auch den Bitcoin-Kurs beeinflussen. Dies zu beobachten, wird in jedem Fall spannend – nicht nur für Krypto-Unterstützer.

Bildquelle: Shutterstock

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Gerrit Neumann
Über den Autor
Gerrit Neumann schreibt seit November 2017 für den Finanzpiloten und ist auf den Bereich Kryptowährung und Finanzen spezialisiert.