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Veröffentlicht am 01 Feb 2018

Kredit von Amazon: Bald auch in Deutschland?

Veröffentlicht am 01 Feb 2018
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Der Handelskonzern Amazon scheint nun auch in das deutsche Finanzgeschäft vorzudringen. Nach Informationen, die dem Finanzblog Finanz-Szene vorliegen, weisen verschiedene Aktivitäten des Online-Versandhändlers darauf hin. Unter anderem scheint Amazon derzeit auf Personalsuche zu sein, um sich im Bereich Finanzdienstleistungen besser aufzustellen.

Amazons Vorteile bei der Kreditvergabe

Dabei werde sich das Angebot, einen Kredit bei Amazon aufzunehmen, an Händler richten, die ihre Produkte auf dem Amazon Marktplatz verkaufen. Die Gründe für diesen Schritt liegen auf der Hand. Dem Handelsriesen liegen unzählige Daten vor, die sich perfekt zur Analyse der Kreditwürdigkeit der Händler eignen.

„Amazon sieht, ob die Produkte des Händlers nachgefragt werden, Amazon weiß, wie sich Händler entwickeln, die im gleichen Segment tätig sind, Amazon hat Einblick in alle relevanten Prozesse – also Reklamationen, Kundenfeedback, Lieferungsverzögerungen. Daher ist es für Amazon – genau wie für Paypal – fast schon trivial, das Risiko des Kredits einzuschätzen. Hinzu kommt: Amazon kann sich mit dem zukünftigen Umsatz absichern. Wenn ein Kredit nicht zurückgezahlt wird, werden die Erlöse des Händlers eingefroren. Also ein fast risikoloses Geschäft.“

– Jochen Siegert, ehemaliger Paypal-Manager gegenüber Finanz-Szene

Somit hat Amazon einen entscheidenden Vorteil gegenüber Banken. Diese verfügen über weitaus weniger Informationen zu Umsätzen oder dem Zahlungsverhalten von Kunden und Lieferanten.

In den USA bietet Amazon bereits einen Kredit an

Damit würde Amazon eine Dienstleistung anbieten, die bereits seit mehreren Jahren Händlern in den USA zur Verfügung steht. Dort bietet der Handelskonzern seinen Marketplace-Händlern Kredite zwischen 1.000 und 750.000 US-Dollar an. Das Auszahlungsvolumen lag nach eigenen Angaben im Jahr 2017 bei mehr als einer Milliarde US-Dollar. Nach der Finanzkrise 2008 bedienten Großbanken in den USA vor allem kleine Unternehmen  nicht mehr mit Krediten. Genau diese Versorgungslücke nutzte Amazon in den folgenden Jahren.

Amazons Vorrücken in den Finanzsektor

Auch in anderen Ländern ist Amazon im Finanzdienstleistungssektor aktiv. Dort bietet Amazon seinen Kunden verschiedene Dienstleistungen zur Zahlung an. So hat Amazon im Oktober 2017 in Mexiko seinen eigenen Payment-Service eingeführt. Aufgrund der hohen Betrugsrate und der damit einhergehenden bevorzugten Barzahlung der Bevölkerung bietet Amazon seinen Kunden nun die Möglichkeit, Geld in örtlichen Convenience Stores auf ihr Amazon-Konto einzuzahlen, das dann für Käufe auf der Amazon-Plattform genutzt werden kann. Auch in Indien führte Amazon bereits einen neuen Dienst, den Cash-Pickup-Service, ein, mit dem Kunden Geld auf ihr Konto einzahlen und damit online einkaufen können. Außerdem investiert und kauft Amazon verschiedene Start-up-Unternehmen, die im FinTech-Bereich anzusiedeln sind.

Amazons Vorrücken in den Finanzsektor wird wohl nun auch bald in Deutschland zu beobachten sein.

Davon werden zunächst kleine und mittelständische Unternehmen auf dem unternehmenseigenen Marktplatz profitieren. Wir sind gespannt, wie Banken in Zukunft mit diesem neuen Konkurrenten umgehen werden.

Bildquelle: Amazon

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Über den Autor
Melina Uhlig ist Expertin für die aktuellen News aus der FinTech-Branche und der Start-Up-Szene. Sie arbeitet seit 2016 bei auxmoney.