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airberlin hat einen Insolvenzantrag eingereicht.
Veröffentlicht am 17 Aug 2017

airberlin stellt Insolvenzantrag

Veröffentlicht am 17 Aug 2017
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Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft, airberlin, hat beim Amtsgericht in Berlin-Charlottenburg einen Antrag auf ein Insolvenzverfahren in eigener Verwaltung gestellt. Grund dafür ist, dass Investor und Anteilseigner Etihad weitere Finanzspritzen verweigert hat. Seit Jahren schreibt airberlin rote Zahlen und ist nun zahlungsunfähig. Die Bundesregierung bewilligte bereits einen neunstelligen Millionenkredit.

Die Insolvenz bahnte sich an

Seit der Übernahme des Ferienfliegers LTU im März 2007 macht airberlin konsequent Verluste. Lediglich im Jahr 2012, als man den bisherigen Rekordumsatz von 4,3 Milliarden Euro verbuchen konnte, erzielten die Berliner einen Reingewinn von gerade einmal 7 Millionen Euro. Damals verkaufte die Airline allerdings auch ihr Vielfliegerprogramm an Investor Etihad und kam so auf extra Einnahmen. Seitdem kommt airberlin auf keinen grünen Zweig. Die Verluste steigen stetig an, der Umsatz geht zurück. 2016 folgte schließlich das Rekordverlustjahr mit einer Bilanz von knapp 782 Millionen Euro im Minus. Der Umsatz lag mit 3,8 Milliarden Euro erstmals wieder unter dem Niveau von 2010. Rechnet man die Verlustvorträge aus den vergangenen Jahren hinzu, fliegt airberlin einen Schuldenberg von 1,2 Milliarden Euro mit sich herum. Das endete nun in der Insolvenz.

Finanzielle Probleme wirkten sich auf den Service aus

Dass airberlin angezählt ist, zeigen die Zahlen schon lange. Die Fluggäste erlebten die vollen Auswirkungen allerdings erst in diesem Jahr. Genauer gesagt mit der Umstellung auf den Sommerflugplan, die im März erfolgte. Seitdem klagen die Gäste über häufige Verspätungen oder Flugausfälle. Das spiegelt sich schon jetzt in den Passagierzahlen wieder. Von Januar bis Juli beförderte airberlin 13,79 Millionen Gäste, 16 Prozent weniger als im letzten Jahr. Im Urlaubsmonat Juli kam Deutschlands Ferienflieger auf 2,44 Millionen Fluggäste, ganze 24 Prozent weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig wurde das Streckennetz und damit die geflogenen Kilometer pro Sitzplatz um 10 Prozent reduziert, parallel dazu sank die Auslastung der angebotenen Flüge. Einbußen in nahezu jedem Bereich.

Etihad verweigert die Unterstützung

Dass das Unternehmen erst jetzt zahlungsunfähig ist und nicht schon seit ein paar Jahren, liegt vor allem an Etihad. Die Airline aus den Vereinigten Arabischen Emiraten hält seit 2011 gut 29 Prozent an airberlin und versorgte den Partner regelmäßig mit weiteren Finanzspritzen. Die Letzte gab es erst im April dieses Jahres, als weitere 250 Millionen Euro aus der Golfregion nach Deutschland flossen. Zusätzlich sagte Etihad der angeschlagenen airberlin ein weiteres Darlehen über 350 Millionen Euro und die Finanzierung der kommenden 18 Monate zu. Diese Zusage nahmen die Verantwortlichen jetzt zurück. In einer Börsenmitteilung hieß es, für airberlin bestehe „keine positive Fortbestehensprognose“, das Geschäft habe sich in „beispielloser Geschwindigkeit verschlechtert“ und man könne „keine weitere Erhöhung des eigenen Risikos“ vornehmen. Das Ende einer einseitigen Beziehung, 29 Prozent an der Airline hält Etihad dennoch.

Bundesregierung greift airberlin unter die Arme

Eine Insolvenz würde bedeuten, dass alle airberlin Flüge am Boden blieben und der Flugbetrieb mit sofortiger Wirkung eingestellt würde. In der Haupturlaubszeit, in der Millionen Deutschen auf den Rückflug aus dem Urlaub angewiesen sind oder für die kommenden Wochen Flüge gebucht haben, hätte das katastrophale Auswirkungen. Das wissen auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt und Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries. In der Nacht von Freitag auf Samstag erfuhren sie von der angespannten Situation im Hause airberlin / Etihad und waren zu einer schnellen Handlung gezwungen. Anfang dieser Woche stand dann ein 150 Millionen Euro schwerer Übergangskredit, der der zahlungsunfähigen airberlin für weitere drei Monate den Flugbetrieb sichern soll. Die Airline befördert täglich 80.000 Fluggäste und verfügt über die größten Marktanteile an den Berliner Flughäfen, sowie dem Düsseldorfer Airport, eine Abwendung des sofortigen Flugstopps ist also von nationalem Interesse. Weitere Kredite seien möglich, so Zypries, eine Schuldenübernahme durch den Bund sei jedoch ausgeschlossen. Dennoch dürfte airberlin durch diese Unterstützung erstmal in der Luft bleiben.

Lufthansa an Übernahme interessiert

Auch wenn die Bundesregierung den Flugverkehr vorerst finanziert, ist die Lösung nicht langfristig. Am wahrscheinlichsten ist eine Übernahme durch mehrere Fluggesellschaften, die airberlin aufkaufen würden. Ganz vorne in der Reihe steht die Lufthansa, die schon vor längerer Zeit Interesse an der zweitgrößten deutschen Airline bekundet hat und seitdem airberlin-Flugzeuge für die Töchter Eurowings und Austrian least. Nachdem die Insolvenz airberlins bekannt wurde, stieg die Lufthansa Aktie an der Börse um starke zwei Prozent. Die airberlin Aktie ist nach dem Ausgabepreis von 12€ mittlerweile bei mickrigen 44 Cent angekommen. Komplett übernehmen dürfte die Lufthansa ihren Konkurrenten allerdings nicht. Das wäre vor dem Kartellamt unzulässig, denn so hätte der Kranich, zu dem auch Austrian, German- und Eurowings gehören, beinahe ein Monopol bei Inlandsflügen in Deutschland und Österreich. Daher wird immer wieder der Name des britischen Billigfliegers easyjet genannt. Ein Interesse der Londoner ist aber bisher noch unbestätigt. Ein Teilverkauf an zwei Fluggesellschaften wäre aber aller Voraussicht nach unproblematisch. Dennoch wittert die Billigairline Ryanair einen Komplott. Die Iren glauben an eine künstlich erzeugte Insolvenz, die der Lufthansa eine schuldenfreie airberlin beschaffen soll, um so den deutschen Markt zu dominieren. Gemäß dieser Annahme reichte Ryanair beim Kartellamt eine Klage gegen eine mögliche airberlin Übernahme durch die Lufthansa ein.

Ungewisse Zukunft

Viele stellen sich die Frage wie es nun weitergeht. Die Antwort ist, vorerst läuft alles so weiter wie bisher. Airberlin ist zahlungsunfähig und fliegt nur noch dank des Kredites der Bundesregierung. Die verkauften Tickets behalten ihre Gültigkeit, die Flieger heben weiter ab, es werden sogar weitere Tickets verkauft. Gleichzeitig befinden sich die Verantwortlichen in intensiven Gesprächen mit anderen Fluggesellschaften, um die Übernahme so schnellstmöglich über die Bühne zu bringen und den Flugverkehr so langfristig zu sichern. Mit den Einnahmen aus einem Verkauf kann airberlin beginnen ihre Schuldner, allen voran die Bundesregierung, zurückzuzahlen. Eine weitere Einnahmequelle ist der Verkauf von Slots, also den Start und Landerechten an Flughäfen. Durch einen Verkauf von diesen Slots kann airberlin schon vor der eigentlichen Übernahme Geld von den Käufern einnehmen und diesen so eine vorzeitige Vergrößerung des Angebots ermöglichen. Über solche Slots verfügt airberlin vor allem in Berlin und Düsseldorf in Hülle und Fülle. An diesen Standorten befördert airberlin 5,52 bzw. 7,5 Millionen Passagiere und hält an den Flughäfen damit einen Marktanteil von 28,2 und sogar über 33 Prozent. Bei einer Teilübernahme durch die Lufthansa, die derzeit als sehr wahrscheinlich erscheint, würden vermutlich auch ein Großteil der etwa 8.600 Arbeitsplätze der Piloten und Crewmitglieder gesichert werden. Ob die Mitarbeiter dann weiter für die krisengebeutelte Marke airberlin arbeiten, die Flugzeuge in die Lufthansa und Eurowings Flotte eingegliedert werden oder gar eine neue Marke geschaffen wird ist noch unklar. So oder so wird eine derartig marode und kränkelnde airberlin nach dem Verkauf in dieser Form nicht mehr existieren.

Bildquelle: shutterstock.com

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Marc Steppke
Über den Autor
Marc Steppke ist seit 2017 bei auxmoney. Neben aktuellen FinTech-News berichtet er über die internationale Wirtschafts- und Finanzbranche.